Vertrag in Osnabrück unterzeichnet Spanische Arbeitnehmer sollen mehr gefördert werden

Von Jean-Charles Fays

Der spanische Botschaftsrat Ángel de Goya Castroverde (vorne links) und der Leiter des IQ-Netzwerkes Niedersachsen, Rainer Bußmann (rechts), unterzeichnen im Beisein von Alptekin Kirci von der Niedersächsischen Staatskanzlei und Michael Lübbersmann (hinten links und rechts) den Kooperationsvertrag.Foto: Klaus LindemannDer spanische Botschaftsrat Ángel de Goya Castroverde (vorne links) und der Leiter des IQ-Netzwerkes Niedersachsen, Rainer Bußmann (rechts), unterzeichnen im Beisein von Alptekin Kirci von der Niedersächsischen Staatskanzlei und Michael Lübbersmann (hinten links und rechts) den Kooperationsvertrag.Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Bundesweit zum ersten Mal haben ein spanischer Botschaftsrat und das Netzwerk „Integration durch Qualifizierung“ (IQ) Niedersachsen einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, indem sie sich für Mindeststandards zur Integration spanischer Arbeitnehmer verpflichten. Das IQ-Landesnetzwerk Niedersachsen ist in Trägerschaft der Maßarbeit des Landkreises Osnabrück.

Landrat Michael Lübbersmann erklärte: „Das Projekt begann in Osnabrück. Hier haben wir die Organisation und das Know-how. Deshalb wurde der Vertrag auch in Osnabrück unterschrieben.“ Der Leiter des IQ-Netzwerkes Niedersachsen Rainer Bußmann begründete die Notwendigkeit für eine solche Vereinbarung: „Mit der Initiative wollten wir Deutschlands Image aus den Negativschlagzeilen bringen.“

Der Tiefpunkt sei vor einem Jahr erreicht worden, als knapp 130 Spanier in Erfurt strandeten, im Auto schlafen mussten und, in Thüringen angekommen, noch nicht einmal den von privaten Arbeitsvermittlern versprochenen Arbeitsvertrag bekamen. „Damals ist alles schiefgegangen. Damit so was nicht mehr passiert, brauchen wir diese Qualitätsstandards“, erläuterte Bußmann.

Wichtiger Vertrag

Auch der Geschäftsführer der Wachstumsregion Ems-Achse, Dirk Lüerßen, bekam bei der Anwerbung junger spanischer Auszubildender das Negativ-Image zu spüren: „In Spanien habe ich mitbekommen, dass Negativschlagzeilen wie diese nicht differenziert behandelt werden. So entstand das schlechte Image nach dem Motto: „Warum sollen wir denn zu euch kommen, wenn ihr uns so schlecht behandelt?“ Darum sei dieser Kooperationsvertrag wichtig, um das deutsche Image in Spanien aufzupolieren. Deshalb werde er mit der Ems-Achse als einer der Ersten auch diesen Vertrag zur Einhaltung von Mindeststandards zum Beispiel bei der Unterbringung von Praktikanten, der Unterstützung der Zuwanderer bei Behördengängen oder bei der Entlohnung unterzeichnen.

Jeder Projektträger oder Netzwerkpartner von IQ müsse verstehen, dass es erst einmal nicht nur darum gehe, Geld zu verdienen, sondern wie in jeder anderen Ausbildung auch zu investieren. „Nur so können wir die spanischen Auszubildenden auch langfristig halten“, konstatierte Lüerßen. Von 100 spanischen Praktikanten hätten bei der Ems-Achse 70 eine Ausbildung im Handwerk, im Hotel- und Gaststättengewerbe und im Handel begonnen. Davon seien aktuell noch 50 in der Ausbildung, 20 hätten sie aus den verschiedensten Gründen abgebrochen. Die neuen Qualitätsstandards mit Mentoren oder Tandems im Unternehmen sollen laut Manuela Wehmeyer vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft dazu beitragen, dass die Beschäftigungsverhältnisse länger Bestand haben. Das Bildungswerk verlange vor einer Anstellung sogar ein Integrationskonzept.

Transparenz

Der spanische Botschaftsrat Ángel de Goya Castroverde betonte, warum die gemeinsam mit dem IQ-Netzwerk Niedersachsen und vielen anderen Trägern erarbeiteten Handlungsempfehlungen so wichtig sind: „Die Botschaft von Spanien in Berlin wertet diese Mindeststandards als einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Einwanderungspolitik.“ Nachhaltige Mobilität setze auf transparente Verfahren, spanischen Teilnehmern die vollständige Information über die Arbeitsbedingungen, Zielregion und Berufe zur Verfügung zu stellen. „Das schafft Vertrauen in die Arbeitgeber“, resümierte de Goya Castroverde und lobte das Dokument als „ein Novum“. Ähnliche Vereinbarungen würden bald auch in anderen Bundesländern unterzeichnet.