Bilanz auf beton.org Osnabrücker Rosenplatz: Ein einladender Quartiermittelpunkt?

Von Frank Wiebrock


Osnabrück. „Das kann man ja auch mal so sehen“, sang Udo Lindenberg vor fast 40 Jahren. Kann man, zum Beispiel, wenn man den Rosenplatz betrachtet: Als „freundlich und einladend“ sieht ihn Alexander Grünewald. Der Ingenieur hat sich auf beton.org, quasi dem webbasierten Zentralorgan aller Betonschaffenden Deutschlands, intensiv mit dem zentralen Knotenpunkt auseinandergesetzt.

Sein Fazit: Die Neugestaltung des Platzes mit jeder Menge Beton habe sich bewährt. Und er muss es wissen. Als Gebietsleiter Technik Baden-Württemberg der BetonMarketing Süd ist er vom Fach.

Rund 16 Monate hatten die Arbeiten an dem altehrwürdigen Platz in der Osnabrücker Innenstadt gedauert: Zwischen März 2011 und Juli 2012 wurde der Rosenplatz komplett umgestaltet und in ein 7500 Quadratmeter großes Monument des Betonplattenbau verwandelt. Nicht ohne Grund: Beton sei belastbarer und halte länger. Die Lebensdauer hänge natürlich davon ab, wie hoch das Verkehrsaufkommen auf der Straße sei.

„Beton hält grundsätzlich länger als Asphalt“, meinte auch Oberbauführer Ralf Klimpel bei der Freigabe. Der Beton sei durchgefärbt und in der entsprechenden Farbe geliefert worden. „Die Farbe hält ewig“, gab sich Klimpel optimistisch.

Genau das befürchten auch die Kritiker. Und womöglich nicht nur die Farbe, sondern auch der Beton. „Zu wenig Rosen, zu viel Beton“, fanden und finden manche Osnabrücker.

Zuviel Beton? Solche Gefühlsregungen sind einem Mann wie Grünewald natürlich schon aus beruflichen Gründen eher fremd. Nicht umsonst überschreibt er seinen Beitrag mit „Der Rosenplatz in Osnabrück – die Möglichkeit, mit Beton zu gestalten.“ Für ihn wurde gerade durch den Beton aus einem vorher nur als „hoch belasteten Verkehrsknotenpunkt“ wahrgenommenen Bereich eine „attraktive Quartiersmitte.“ Mit einem Straßenbelag – das bezweifeln auch die schärfsten Kritiker nicht, der sich „signifikant“ von der Umgebung unterscheidet.

Ob aber durch die in rötlichen Tönen gewählte Farbgebung tatsächlich auf die sich ursprünglich in der Platzmitte vorhandenen Rosenbeete verwiesen wird, darüber lässt sich ebenso streiten wie über Grünewalds These vom „hellen und freundlichen“ Erscheinungsbild. Aber wie sang schon Lindenberg? „Das kann man ja auch mal so sehen.“

Immerhin: Sicher scheint, dass die Osnabrücker mit diesem Rosenplatz tatsächlich über ein „qualitativ hochwertiges, dauerhaftes und europaweit einmaliges Bauwerk“ verfügen. Was allerdings wenig über die optischen Qualitäten aussagt. Schließlich ist das Morris A. Mechanic Theater in Baltimore auch irgendwie hochwertig, dauerhaft und einmalig. Und nebenbei zumindest laut Bild.de das hässlichste Gebäude der Welt.

Trotzdem: Schon die „hohe Belastung durch Schwerverkehr sowie die prognostizierte starke Verkehrsbeanspruchung“ sprechen laut Grünewald deutlich für Beton. Und - während die Rosenplatzfans sich jetzt freuen können, müssen die Kritiker stark sein – eine zu erwartende Nutzungsdauer von 30 bis 40 Jahren.

Über eine erneute Neugestaltung wird also voraussichtlich irgendwann ab demJahr 2050 diskutiert. Größere technische Abnutzungserscheinungen konnten bislang jedenfalls nicht festgestellt werden…