Nächstes Jahr kommt die Wertstofftonne Osnabrück will den gelben Sack abschaffen

Von Wilfried Hinrichs

In Eversburg nutzen testweise 900 Haushalte die Wertstofftonne. 2015 wird sie flächendeckend in Osnabrück eingeführt. Der gelbe Sack für den Verpackungsmüll soll nach den Plänen des OSB abgeschafft werden. Foto: Jörn MartensIn Eversburg nutzen testweise 900 Haushalte die Wertstofftonne. 2015 wird sie flächendeckend in Osnabrück eingeführt. Der gelbe Sack für den Verpackungsmüll soll nach den Plänen des OSB abgeschafft werden. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Der Osnabrücker Service-Betrieb (OSB) will mit der Einführung der Wertstofftonne 2015 den gelben Sack abschaffen. „Wir verhandeln mit dem Dualen System darüber“, bestätigte der Leiter Abfallwirtschaft, Detlef Schnier. Die Mülltrennung würde einfacher, die Stadt hätte eine zusätzliche Einnahmequelle.

Berlin, Bielefeld, Braunschweig haben sie schon. Auch der OSB steht Tonne bei Fuß. Seit 2011 läuft in Eversburg der Feldversuch mit der Wertstofftonne . 900 Haushalte verfügen über die 240-Liter-Behälter mit dem orangefarbenen Deckel, um darin all das zu entsorgen, was recycelt werden kann – aber nicht aus Glas oder Papier besteht und nicht als Verpackungsmaterial mit dem Grünen Punkt gekennzeichnet ist.

Das am 1. Juni 2012 in Kraft getretene Kreislaufwirtschaftsgesetz legt grundsätzlich fest, dass Metall- und Kunststoffabfälle spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt vom Restmüll zu erfassen sind. Lukrativ und für den Bürger nachvollziehbar wird die Sammlung aber erst, wenn sie den gelben Sack ersetzt – zwei parallele Sammelsysteme also vermieden werden.

Noch gibt es beim Wertstoff getrennte Systeme. Die damit verbundene Müllspalterei treibt zuweilen seltsame Blüten. Nicht das Material entscheidet über den Verwertungsweg, sondern die Funktion. Beispiel Kleiderbügel: Wer ein Hemd kauft, das auf einem Kleiderbügel hängt, kann den Bügel als „Verpackung“ im gelben Sack entsorgen. Ein isoliert gekaufter Bügel gehört dagegen, wenn er seinen Dienst erfüllt hat, in den Restmüll. Außer in Eversburg. Dort fliegt der Bügel in die Wertstofftonne.

„Ich mache daraus keine Wissenschaft“, sagt eine Eversburgerin, die zu den 900 Versuchsteilnehmern gehört. Denn das Material werde ja wiederverwertet, egal, in welcher Tonne es lande. Sie finde die Wertstofftonne prinzipiell gut und würde es begrüßen, wenn darin alles verschwinden könnte, auch der Verpackungsmüll. In ihrem Betrieb für Elektroartikel und Haushaltsgeräte fielen zum Beispiel große Mengen an Styroporverpackungen an, die wunderbar in die Wertstofftonne passten. Nach der reinen Lehre ein Fehlwurf. Stofflich aber in Ordnung und vom OSB bislang auch nicht beanstandet.

Etwa 85 Tonnen Wertstoff sammelt der OSB pro Jahr im Eversburger Feldversuch ein. Das macht etwa 5,7 Kilo pro Kopf. Eversburg liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt von gut sieben Kilo. Detlef Schnier beunruhigt das nicht: „Alles zwischen fünf und sieben Kilo ist in Ordnung.“ Ein Problem ist eher der hohe Anteil an Fremdstoffen, die nicht in die Wertstofftonne gehören. Sie machen 30 bis 50 Prozent der gesammelten Menge aus.

Die verwertbaren Mengen genügen nicht, die Wertstoffsammlung kostendeckend zu betreiben. Mit dem Material aus dem gelben Sack wäre das vermutlich anders. Deshalb strebt der OSB eine Vereinbarung mit den Betreibern des Dualen Systems an. Die Gespräche laufen, bestätigt Schnier. Details will er noch nicht verraten, um die Verhandlungen nicht zu belasten und der Politik nicht vorzugreifen. In der nächsten Sitzung des Werksausschusses Abfallwirtschaft am Dienstag, 18. September, will er den Ratsfraktionen ein Konzept für die Osnabrücker Wertstofftonne vorlegen.

In Bielefeld ist im Juni die Sammlung von „Leichtverpackungen und stoffgleichen Nichtverpackungen“ in einer Wertstofftonne angelaufen. Dort teilen sich der städtische Eigenbetrieb WRB Wertstoffrecycling und das Duale System den Kuchen . Die Braunschweiger werfen schon seit Anfang des Jahres Wertstoff und Verpackungsmüll in eine Tonne, die die Firma Alba abgeholt. Stadt und Region Hannover führten 2012 die „O-Tonne“ ein.

Wie die Wertstoffsammlung ab 2015 im Landkreis Osnabrück organisiert sein wird, steht nach Angaben von Sprecher Burkhard Riepenhoff noch nicht fest. „Wir warten auf die Durchführungsbestimmungen zum Kreislaufwirtschaftsgesetz, die der Bund für den Herbst angekündigt hat.“


Das gehört in die Wertstofftonne

Kunststoff- und Verbundstoffverpackungen:

Milch- und Saftkartons, Joghurtbecher (ohne Aludeckel),

Waschmittel-, Spülmittel- und Shampooflaschen, Zahnpastatuben, Plastiktüten.

Metallverpackungen: Konservendosen, pfandfreie Getränkedosen, Haarspray, Tuben, Kronkorken.

Kunststoffe: Folien, Schalen, Putzeimer, Blumentöpfe, Dokumentenhüllen, Frischhalteboxen, Plastikbesteck, Kleiderbügel, Spielzeug.

Metalle: Werkzeuge, Schrauben, Nägel,

Dosenöffner, Bestecke, Küchenreiben, Drahtbügel, Schlösser,

Alu-Grillschalen, Spielzeug aus Metall, Bratpfannen, Töpfe.

Nicht für die Wertstofftonne: Elektrogeräte, Leuchtmittel, Batterien, Altkleider, Schuhe, Bau- und Gartenabfälle, Bio-Abfälle, Holz, Papier, Glas

(Aus der Braunschweiger Sortierhilfe)