Interview mit Projektmanager „800 bis 1000 Arbeitsplätze im Neumarkt-Center“

Björn Reineking, Projektmanager des Centerentwicklers mfi (Essen), vor dem Haus Neumarkt 14, das im Frühjahr 2015 abgerissen werden soll. Foto: HinrichsBjörn Reineking, Projektmanager des Centerentwicklers mfi (Essen), vor dem Haus Neumarkt 14, das im Frühjahr 2015 abgerissen werden soll. Foto: Hinrichs

Osnabrück. Im Einkaufszentrum am Neumarkt in Osnabrück werden 800 bis 1000 neue Arbeitsplätze entstehen. Diese Zahl nannte Projektmanager Björn Reineking vom Investor mfi in unserem Interview. Im Frühjahr 2015 soll der Abriss der alten Gebäude beginnen.

Herr Reineking, Sie sind neu hier in Osnabrück. Sie haben die Aufgabe von Nils Perpeet übernommen. Was ist der Hintergrund dieses Personalwechsels?

Immer dann, wenn ein Projekt näher an die Realisierung rückt und sich das Team um externe Architekten, Statiker und Fachingenieure erweitert, kommt auch der Projektmanager ins Team – das bin ich – und übernimmt die Gesamtverantwortung. Diese Phase haben wir erreicht, denn mit dem Satzungsbeschluss des Rates zum Bebauungsplan ist die Projektentwicklung abgeschlossen.

Das ist jetzt also eine Schnittstelle. Werden Sie ein Büro in Osnabrück nehmen?

Auf alle Fälle. Die Bauarbeiten erfordern das. Wir werden die Bauleitung, das Projektteam und die Mieterkoordination hier vor Ort ansiedeln. In dem Büro werden täglich bis zu 40 Leute arbeiten.

In Osnabrück kursierten schon Gerüchte, dass dieser Personalwechsel ein Indiz dafür sei, dass die Muttergesellschaft von mfi, Unibail Rodamco mit Sitz in Paris, einen Rückzieher mache. Ist da was dran?

Nein, überhaupt nicht.

Wann rücken die Bauarbeiter an und beginnen mit dem Abriss?

Im Frühjahr nächsten Jahres werden wir beginnen. Jetzt laufen ja schon Vorbereitungsarbeiten, unter anderem werden die Ver- und Entsorgungsleitungen neu gelegt. Ein Teil der Bauarbeiten, die wir hier rundherum sehen, haben schon mit dem Centerbau zu tun.

Das wird dann eine richtig große Baustelle hier, denn der Abriss des Neumarkttunnels ist im Frühjahr in der zweiten Bauphase.

Ja. Aber wir werden beim Abriss von innen nach außen arbeiten und in enger Absprache mit der Stadt versuchen, Überlappungen mit der Neumarkt-Baustelle zu vermeiden.

Die Eröffnung ist für Ende 2017 geplant?

Ja. Wir wollen im Herbst 2017 eröffnen.

Im ersten Bauabschnitt plant mfi 16500 Quadratmeter Verkaufsfläche. Im Durchführungsvertrag steht auch, dass Sie schon im ersten Schritt größer bauen dürfen, wenn es Ihnen gelingt, weitere Immobilien an der Johannisstraße zu integrieren. Sind Sie in Gesprächen, sehen Sie eine Chance, die Zahnlücken an der Johannisstraße zu schließen?

Wir sind in Gesprächen und waren auch in der Vergangenheit regelmäßig in Gesprächen. Wichtig war für uns, dass mit dem Satzungsbeschluss des Rates zum Bebauungsplan allen klar ist: Das Projekt kommt – auch in der jetzigen Ausgestaltung, mit den jetzt verfügbaren Grundstücken. Eine Erweiterung zur Johannisstraße ist sicher sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig.

Sie haben auch Gespräche mit der L+T Grundbesitz GmbH geführt, die über drei Grundstücke verfügt. Der Name Rauschen steht ja dahinter. Ein Teil der Grundstücke steht einer südlichen Center-Anbindung an die Johannisstraße im Weg. Sehen Sie eine Chance, dass schon zur Eröffnung des Centers ein südlicher Eingang geschaffen werden kann?

Wir werden die Gespräche in den nächsten Wochen vorantreiben, auch mit L+T. Ich kann aber nicht in die Glaskugel schauen. Es ist eine große Chance für uns, das Center schon im ersten Schritt zu erweitern, und diese Chance werden wir versuchen zu nutzen.

Es heißt, mfi habe einen Preis für die Immobilien angeboten, der nicht gerade ein brennendes Interesse signalisiere. Kurzum: Sie hätten einen viel zu niedrigen Preis genannt. Stimmt das?

Wir haben ein seriöses Angebot unterbreitet mit dem Wissensstand, der uns aus unseren eigenen Ankaufsverhandlungen bis dahin vorlag. Wir wollen jetzt – sofern wir Einblick erhalten – mit detaillierterem Wissen einen neuen Anlauf starten.

Der Durchführungsvertrag sagt, fünf Jahre nach Eröffnung dürfen Sie nicht erweitern. Wie stehen die Chancen, dass Sie in fünf Jahren die Grundstücke zur Verfügung haben, um auf 21500 Quadratmeter erweitern zu können?

Baukonstruktiv sehen wir eine mögliche Erweiterung vor. Ob es gelingt, hängt natürlich von der Verkaufsbereitschaft der Eigentümer an der Johannisstraße ab.

Also alles weiter offen?

Wir gehen von unserer Seite aktiv auf die Nachbarn zu und hoffen, dass es zu erfolgreichen Verhandlungen kommt.

100 Läden sind in dem Center geplant. Welche Mieter werden denn kommen?

Unsere Aktivitäten konzentrieren sich im Moment auf die Ankermietbereiche. Das sind die Mietbereiche mit mehr als 500 Quadratmetern. Für die Gespräche war es wichtig, dass die Stadt mit dem Ratsbeschluss über den Bebauungsplan Klarheit geschaffen hat. Das Center kommt, das können wir jetzt in die Gespräche mit potenziellen Ankermietern einbringen. Wir hoffen, dass wir bis zum Frühjahr nächsten Jahres die ersten Namen nennen können.

Sie haben sich zu einer Neuvermietungsquote verpflichtet. Das war das Ergebnis eines sehr zähen Ringens mit der Stadt. Die Abmachung sagt, dass Sie 50 Prozent der Geschäfte oder 50 Prozent der Fläche an Mieter geben, die neu in die Innenstadt kommen. Wobei der Begriff neu auch noch eigens definiert worden ist. Sie haben sich mit der Zustimmung schwergetan. Warum?

Solche Neuansiedlungsquoten in Verträgen zu fassen, war für uns neu. Insofern war es intern und mit der Stadt ein langer Prozess. Es war für uns sehr schwer, in so einem frühen Stadium, wo es noch so viel zu klären gibt, schon Aussagen zur Vermietung zu treffen. Zumal der Mietermarkt stark in Bewegung
ist und man heute noch
nicht weiß, was morgen hipp ist.

Fürchten Sie, dass das in anderen Städten Schule macht?

Das kann ich nicht beurteilen. Die Situation ist in jeder Stadt anders.

Wie viele Arbeitsplätze werden hier geschaffen?

Wir gehen von 800 bis 1000 Arbeitsplätzen im laufenden Betrieb aus – in den 100 Läden und im Centermanagement.

Im Centermanagement arbeiten dann Ihre eigenen Leute. Wie viele werden es sein?

Mit dem Centermanager, seinem Team und den Facility-Managern – also denjenigen, die sich um die Haustechnik kümmern – werden es etwa 20 Beschäftigte sein.

Ich frage auch deshalb, weil mfi sich im Durchführungsvertrag nicht verpflichten wollte, dieses Center langfristig zu betreiben. Können Sie ein Versprechen abgeben, dass mfi das Einkaufszentrum im eigenen Portfolio behält und selbst betreibt?

Es ist heute unser Ziel, das Projekt im eigenen Bestand zu halten und das Centermanagement langjährig zu übernehmen. Alle notwendigen Dienstleistungsverträge zwischen der Projektgesellschaft und dem Centermanagement der mfi sind wirksam geschlossen und darauf ausgerichtet. Da mfi zu einem börsennotierten Immobilienkonzern gehört, müssen wir uns darauf einstellen, dass sich Anlagestrategien ändern. Darauf müssen wir reagieren können. Um zukünftig frei zu sein, haben wir mit der Stadt eine Regelung getroffen, die der Stadt ein Mitspracherecht sichert.

Im Ihrem Haus firmiert das Projekt unter dem Arbeitstitel „Oskar“. Steht das vielleicht für Osnabrück-Arcaden? Verraten Sie uns: Wie wird das Center heißen?

Das kann ich Ihnen heute noch nicht sagen. Es wird ein langer Prozess sein, einen Namen zu finden. Definitiv wird es nicht Osnabrück-Arcaden heißen. Wir wollen ein Shoppingcenter speziell für Osnabrück schaffen, das wird kein Center von der Stange. Mit einem eigenen Namen. Die Namensfindung wird erst viel später erfolgen.

Der Name ist nicht unwichtig für die Außendarstellung in die Region. Ziel ist ja, den Handelsstandort Osnabrück zu stärken. Werden Sie sich in das Marketing einbringen?

Auf alle Fälle wird es eine enge Abstimmung geben. Das Center bringt großes Potenzial mit. Es sind schließlich 100 Mieter, die sich zu einer Werbegemeinschaft zusammenschließen und gemeinsame Aktionen starten werden. Zusätzlich werden wir natürlich eng mit dem Stadtmarketing zusammenarbeiten und mit der Stadt gemeinsam Osnabrück als Handelsstandort stärken.


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