Geplatzt: Autobahn bis vors Theater Lotter Straße statt Felix-Nussbaum-Haus

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Nach den Plänen von 1973 sollte die Lotter Straße zwischen dem Kunstgeschichtlichen und dem damaligen Naturwissenschaftlichen Museum in die Dielingerstraße und Lortzingstraße führen. Foto: Gert Westdörp/Petra BoettcherNach den Plänen von 1973 sollte die Lotter Straße zwischen dem Kunstgeschichtlichen und dem damaligen Naturwissenschaftlichen Museum in die Dielingerstraße und Lortzingstraße führen. Foto: Gert Westdörp/Petra Boettcher

Osnabrück. Wäre der Bebauungsplan 113 zur Verschwenkung der Lotter Straße in den Siebzigerjahren umgesetzt wurden, liefe jetzt die Lotter Straße über das Grundstück, auf dem heute das Felix-Nussbaum-Haus steht. Die Lotter Straße sollte nach dem Plan direkt in die Dielingerstraße münden.

Der Verkehr stelle nicht den Hauptgrundsatz der Stadtsanierung dar, versicherte der damalige Oberbürgermeister Ernst Weber 1975 nach einer siebenstündigen Sondersitzung von Rat und Verwaltung. Aber warum wollte man damals unbedingt die Dielinger- und die Lortzingstraße vierspurig ausbauen, wenn nicht, um freie Fahrt für freie Bürger zu erreichen?

Im Mai 1973 war ein großes Konzept zur Sanierung der Osnabrücker Innenstadt aufgelegt worden. Ein Teil davon war die Verschwenkung der Lotter Straße. Sie sollte dadurch direkt in die Dielingerstraße und die Lortzingstraße führen. Quasi eine Stadtautobahn bis vors Theater. Es sollte zwölf Jahre dauern, bis diese Idee endgültig begraben wurde.

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Einen Lichtblick immerhin verkündete OB Weber nach der Mammutsitzung vor fast 40 Jahren: Das Kulturgeschichtliche Museum und das Naturwissenschaftliche Museum sollten erhalten bleiben, vielmehr solle die verschwenkte Lotter Straße zwischen den beiden Häusern verlaufen.

Bei der Verabschiedung des Bebauungsplanes 113 im Dezember 1976 folgten nur sechs Ratsmitglieder der mahnenden Stimme des FDP-Ratsherrn Petersson, den Plan abzulehnen, weil die Verschwenkung „gleich einem Trichter ein hohes Maß an zusätzlicher Verkehrsbelastung in die Innenstadt“ bringe. An dieser Stelle war übrigens auch einmal eine Untertunnelung für Fußgänger im Gespräch. Zwei Monate später wurde Kritik laut: Rechtsanwalt Rainer Tenfelde, Vertreter der betroffenen Anlieger der Lotter Straße und späterer CDU-Ratsherr, führte eine ganze Liste von Bedenken an.

Unter anderem machte er deutlich, dass die Verkehrsführung spätestens an Theater und Dom zu Engpässen führe, die Verschwenkung demnach keine angemessene Stadteinfahrt darstelle. Zudem seien die Kosten nicht einmal „überschlägig geschätzt“ worden. Von sechs Millionen Mark sprach die Stadt, andere meinten, die Aktion koste mindestens zehn Millionen Mark.

Als das Oberverwaltungsgericht Lüneburg den Bebauungsplan 113 Anfang 1979 aus formalen Gründen für nichtig erklärte, hielt das die Politik nicht davon ab, den Plan im Frühjahr 1979 ohne große Veränderungen erneut vorzustellen. Hoch her ging es in einer Sitzung des Planungsausschusses, zu der viele Mitglieder der Initiative „Gegen die Verschwenkung der Lotter Straße“ erschienen waren. SPD und CDU beharrten auf den alten Planungen, nur die FDP hielt dagegen.

Ein Jahr später knickten die beiden großen Partien ein und forderten einen neuen Bebauungsplan, wieder gegen die Stimmen der FDP. Ein Hintertürchen wollte sich die Ratsmehrheit aber noch offen lassen. Der FDP, die die Verschwenkung gänzlich streichen wollte, warf der SPD-Fraktionsvorsitzende vor, sie laufe „kommunalpolitisch Amok“.

Im September 1982 begann das Umschwenken von der Verschwenkung: Wieder einmal hatte die FDP gefordert, endgültig auf die Verschwenkung zu verzichten und einen neuen Bebauungsplan aufzustellen – mit Erfolg. Vor allem bei den Anliegern wuchs die Hoffnung, dass sich was tut. Denn seit zehn Jahren galt für sie die Veränderungssperre, sie konnten also keine Unterhaltungsarbeiten an ihren Häusern durchführen lassen.

Aber noch einmal gingen drei Jahre ins Land, ehe die Verschwenkung der Lotter Straße endgültig begraben wurde. Im September kamen die Mitglieder des Planungs-, Bau- und Verkehrsausschusses überein, den berüchtigten Bebauungsplan 113 ohne die aufwendige Verlegung der Lotter Straße weiterzuverfolgen. Die von Anfang an umstrittene Verschwenkung sei nicht nötig, weil das von Fachleuten beschworene Chaos an dem Knotenpunkt ausgeblieben sei, obwohl das Parkhaus Nikolaiort und der Busring in Betrieb genommen worden seien.


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