Helfer mit Murmeln beworfen Blindgänger im Schinkel erfolgreich entschärft

Von Nils Stockmann



Osnabrück. Am Ende wurde es doch zu einem Routine-Eingriff. Bis aber klar wurde, dass von der Fliegerbombe im Schinkel keine große Gefahr ausging, verstrichen lange Stunden. Der Grund: Während der Evakuierung des Gebietes rund um den Fundort an der Heiligenwegschule stießen die Einsatzkräfte auf einige Schwierigkeiten.

Zwar seien letzten Endes gar nicht so viel mehr Anwohner in ihren Wohnungen geblieben als bei anderen Räumungen, berichtet Daniel Schmock, der den Einsatz des Technischen Hilfswerks (THW) leitete, jedoch hätten sich einige Betroffene massiv eine Evakuierung gewehrt. Einsatzkräfte seien beispielsweise an der Belmer Straße mit Murmeln beworfen worden, als sie Anwohner zum Gehen aufforderten. Im Laufe der Räumung hatte sich herausgestellt, dass einige Anwohner falsch oder gar nicht über die anstehende Bombenentschärfung informiert worden waren. So bestand Unsicherheit über den Evakuierungsbereich, der im Vorfeld auf einen 500 Meter-Radius zur Fundstelle angelegt worden war.

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Die Stadt Osnabrück bestätigte auf Nachfrage, dass es zu Unstimmigkeiten bei der Vorbereitung der Evakuierung gekommen war. Auch habe man sich dagegen entschieden, mit in anderen Sprachen verfassten Flyern über die Evakuierung zu informieren, wie es bei früheren Bombenräumungen schon geschehen war. Trotzdem bezeichnete Schmock den Einsatz im Nachhinein als „unerwartet gut“. „Wir hatten sicherlich einige Kommunikationsprobleme mit Anwohnern, aber im Nachhinein sind wir sehr zufrieden, dass wir trotzdem relativ gut im Zeitrahmen liegen.“

Nachdem in der Mittagszeit die Polizei Mithilfe eines Helikopters letzte Personen im Evakuierungsbereich aufgestöbert hatte, konnte gegen 13.30 Uhr Sprengmeister Clemens Stolte mit rund einer Stunde Verspätung an die Arbeit gehen. Diese machte er schnell und gründlich – knapp eine halbe Stunde später vermeldete die Einsatzleitung die erfolgreiche Entschärfung und hob alle Evakuierungsmaßnahmen auf. Damit konnten die 4000 Osnabrücker in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren.

Sprengmeister Clemens Stolte zeigte sich nach getaner Arbeit zufrieden und erleichtert: „Es hat alles nach Plan funktioniert. Zwar war die Bombe an der Spitze leicht beschädigt, was uns zunächst beunruhigt hatte, zum Glück hat dieses Modell aber nur einen Heckzünder.“ Dieser hatte beim Abwurf des Sprengkörpers nicht einmal entsichert und war somit für die Kampfmittelexperten leicht zu entfernen. Bis kurz vor der Entschärfung war unklar gewesen, ob sich bei dem gefundenen Objekt überhaupt um eine Bombe handelte. Experten der Stadt hatten dem aber eine hohe Wahrscheinlichkeit beigemessen und die Bombe im Vorfeld auf rund 50 Kilogramm geschätzt. Damit lagen sie richtig.

„Es handelt sich um eine amerikanische 100-Lips-Bombe, wie sie im Zweiten Weltkrieg zuhauf abgeworfen wurde“, so Sprengmeister Stolte. Sie sei zwar eine relativ kleine Bombe, aber dennoch alles andere als ungefährlich. Nachdem der Sprengmeister seine Arbeit getan hatte, gingen direkt wieder die Helfer von THW und Feuerwehr ans Werk, um die Fundstelle aufzuräumen. „Zum Schulbeginn in eineinhalb Wochen ist alles wieder wie vorher“, sagte Nina Hoss vom Presseamt der Stadt.

An den Vorbereitungsmaßnahmen, der Räumung und den Aufräumarbeiten waren mehr als 300 größtenteils ehrenamtliche Einsatzkräfte beteiligt. Allein das THW stellte rund 90 Helfer, die auch aus dem Umkreis von Osnabrück kamen. Viele Helfer der Feuerwehr und verschiedener Rettungsdienste waren außerdem im Evakuierungszentrum in der Gesamtschule Schinkel eingesetzt.

Rund 100 Betroffene nutzten die Möglichkeit, in der Schule bei einer warmen Mahlzeit und Gesellschaft unterzukommen.


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