Serie Stadtteilkultur Die Kultur muss sich in Atter nicht verstecken

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Osnabrück. Der Nabel Osnabrücks ist Atter gerade nicht: „Wir haben noch nicht mal einen Supermarkt“, unterstreicht Martin Schmeling vom Bürgerforum Atter die eher randständige Lage des Stadtteils. Vor einigen Jahren schloss auch noch der letzte Tante-Emma-Laden. Kommerzielle Alltagserlebnisse gibt es seitdem nur noch beim Bäcker, auch auf kulturelle Angebote müssen Einheimische wie Reisende meist verzichten. Nicht aber auf Kultur selbst.

Die manifestiert sich im Stadtteil Atter nicht nur in Baudenkmälern, sondern auch beim bürgerschaftlichen Engagement und beim Bummel durch die Natur.

Mit rund 4100 Einwohnern zählt das Viertel im Nordwesten Osnabrücks bevölkerungsmäßig zu den kleineren seiner Art. Erschwerend für eine gemeinsame Ortsentwicklung kommt dessen Siedlungsstruktur hinzu: Streng genommen zerfällt Atter selbst noch einmal in drei kleinere Ortschaften; in einiger Distanz zur Ortsmitte liegen die Strothesiedlung sowie das Gebiet Atterfeld. Erst 1972 nach Osnabrück eingemeindet, hat sich Atter seinen ländlichen Charakter bis heute bewahrt: Greifbar wird die dörfliche Tradition vor allem in Atter-Mitte, wo Fachwerkhäuser und besonders die alte Mühle an der Düte Zeugnis über die geschichtliche Entwicklung des Orts ablegen.

Ein historisches Kleinod findet sich dann hinter Bäumen verborgen: Im Waldstück zwischen Leyer Straße und der Wersener Landstraße liegt das Herrenhaus Gut Leye.

Dessen Wurzeln reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück, das zweigeschossige Haupthaus im Renaissance-Stil wurde im frühen 18. Jahrhundert erbaut. In den vergangenen Jahrzehnten aufwendig renoviert, ist das Gut nicht nur ein beliebtes Ziel für Kurzausflüge: Bis heute nutzt die Pfarrei Eversburg beispielsweise die Gutskapelle für Gottesdienste. Zudem finden hier auch vereinzelt Konzerte oder andere Feierlichkeiten statt. Und nicht zuletzt diente das herrschaftliche Ensemble bei der Uraufführung des Stückes „Mensch Karnickel“ im vergangenen Jahr als eindrucksvolle Kulisse.

Das im Rahmen der Spieltriebe aufgeführte Stück beleuchtete das Schicksal von Kindern, die in der Endphase des Zweiten Weltkrieges von ihren Familien getrennt wurden.

Für Bemühungen, dem kulturellen Leben in Atter neue Impulse zu verleihen, zeichnet unter anderem der Verein „Wir in Atter“ verantwortlich. Seit 2008 nutzt der Verein die Räume der ehemaligen Atterkirche, um die Gemeinschaft im Stadtteil durch verschiedene Aktionen und Angebote zu stärken. Neben Jugend- oder Seniorengruppen und Gymnastikkursen setzen die Mitglieder dabei auch auf Lesungen, Vorträge oder Konzerte.

Das gleiche Ziel, aber einen etwas anderen Ansatz verfolgt das Bürgerforum Atter : Ein wichtiger Antrieb des Vereins ist es, Raum für Begegnungen zu schaffen, um so einen größeren Zusammenhalt im Stadtteil herzustellen. So wurde durch in Eigenregie aufgestellte Bänke der Verweilcharakter des ehemaligen Spielplatzes am Holtkämpers Weg neu akzentuiert. Zudem verfügt das Bürgerforum über einen von Jugendlichen umgestalteten Bauwagen, der mittelfristig als fester Treffpunkt im Ortsteil installiert werden soll.


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