Stolperstein als Gedenktafel Bernhard Schopmeyer kam 1945 im Bürgerpark ums Leben

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Osnabrück. Auch kurz nach dem Zweiten Weltkrieg schlugen Nationalsozialisten noch zu: Einer von ihnen erschoss Bernhard Schopmeyer der aus politischen und religiösen Gründen ein Feind des Hitler-Regimes war.

Tatort Bürgerpark: Es geschah am 23. Juni 1945 zwischen 13 und 14 Uhr. Ein Unbekannter schoss. Die Kugel traf Bernhard Schopmeyer in den Rücken, durchschlug Lunge und Herz – und tötet ihn auf der Stelle. Niemand schien den Schuss gehört zu haben. Seine Nachbarin fand ihn später. Sie sah erst sein Fahrrad auf dem Weg liegen, dann seine Aktentasche und schließlich – etwas abseits – ihn. Bernhard Schopmeyer hatte sich vom Bischofssitz auf dem Weg nach Hause zur Knollstraße 73 befunden. Der Mörder hatte ihm ausschließlich nach dem Leben getrachtet und sich nicht um die Armbanduhr, den Ring und um die 1000 Reichsmark Gehaltsnachzahlung in der Tasche gekümmert. Heute besteht kein Zweifel, dass politische Motive zu dem Mord führten. Bernhard Schopmeyer war als entschiedener Gegner der Nationalsozialisten bekannt. Und nun, kurz nach dem Krieg, wollte er, dass sie für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Bernhard Schopmeyer war 44 Jahre alt.

In der Weimarer Republik war der gelernte Zimmermann als Sekretär der katholischen Arbeitervereine tätig gewesen. Für die Zentrums-Partei saß er im Rat der Stadt und wurde Abgeordneter im Provinzial-Landtag in Hannover. Beinahe wäre er auch Abgeordneter in Berlin geworden, doch der Listenplatz für die nächste Wahl sollte nicht mehr gelten: Adolf Hitler ergriff die Macht und schaffte die Demokratie ab.

Für Kritiker des Nationalsozialismus wurde es gefährlich. Bernhard Schopmeyer konnte sich nicht mehr politische betätigen, die SA besetzte sein Büro und verwehrte ihm den Bau eines Hauses in der Siedlung Wakhegge.

Dann kam der Krieg. Bernhard Schopmeyer wurde Soldat. Immer wieder mahnte er seine Frau Maria, mit der er sechs Kinder hatte, zur Vorsicht – mit Sätzen wie: „Ich stehe mit einem Bein im KZ.“ Der Osnabrücker sympathisierte mit dem Widerstand gegen Hitler und brachte auch kritische Schriften mit. Im September 1944 – nicht lange nach dem Anschlagsversuch auf Adolf Hitler – stand morgens um 6 Uhr die Gestapo vor der Tür. Die Beamten wollten ihn mitnehmen, doch Bernhard Schopmeyer konnte sie davon überzeugen, dass er als Soldat dem Kriegsgericht unterstehe. Doch brauchte er sich nicht weiter zu verantworten. Gleich nach dem Krieg arbeitete er für die Männerseelsorge der Diözese und plante mit Gleichgesinnten die Gründung der CDU. Einer seiner Freunde schrieb später: „Alle, die ihn kannten, auch seine Gegner, wussten, dass er wieder führende Stellungen bekleiden würde.“ Fritz Brickwedde, Fraktions- und Kreisvorsitzender der Osnabrücker CDU, sprach bei der Verlegung des Stolpersteins „von Unbelehrbaren“, die Bernhard Schopmeyer ermordet haben. Ob der Todesschütze ein Einzeltäter war oder mehrere hinter der Tat steckten, konnte nie aufgeklärt werden. Zeugen fanden sich nicht. Noch am Abend vor seiner Ermordung hatte Bernhard Schopmeyer seiner Frau berichtet, dass er verfolgt werde.


Stolpersteine

Messingplatten in Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus – jeweils vor den ehemaligen Wohnungen oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Roma, Deserteure sowie Menschen, die aus politischen oder religiösen Gründen, einer psychischen Erkrankung, ihrer sexuellen Orientierung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich mehrere Hundert Kommunen angeschlossen haben. In Osnabrück werden die Gedenksteine seit 2007 verlegt. Patin des Stolpersteins für Bernhard Schopmeyer ist die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Osnabrück. Verlegt haben ihn die Schüler Artur Bulanovic, Ilker Ciftci, Martino Gallo, Ozan Karakan und Marcel Topp vom Berufsschulzentrum am Westerberg. Sie hatten sich mit ihrem Lehrer Rainer Knippenberg auf das Thema vorbereitet. Das Büro für Friedenskultur (Marienstraße 5/6) nimmt für künftige Gedenktafeln Hinweise über Opfer des Nationalsozialismus entgegen. Die Telefonnummer lautet 0541/323-2287. jweb

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