Stadt weiterhin auf Suche Flüchtlinge sollen in ehemaliges Osnabrücker Bordell ziehen


Osnabrück. Wohnen in einem ehemaligen Bordell: Auf der Suche nach Unterkünften für Flüchtlinge will die Stadt nun auch ein ehemaliges Bordell an der Möserstraße anmieten. Im Erdgeschoss des Hauses befindet sich noch ein Erotikshop.

Trotz Kritik aus Reihen der CDU und der Linken gab der Rat in nicht öffentlicher Sitzung grünes Licht für die Anmietung dieser 25 Plätze. Die Ratsfraktion der Linken protestiert dagegen in einer Pressemitteilung. „Ob es um Vandalismus, Gewaltdelikte, Drogenkriminalität oder Prostitution geht – wir können in diesem Umfeld, in diesem Gebäude keine Menschen unterbringen, die wir schützen wollen“, schreibt der Fraktionsvorsitzende Christopher Cheeseman.

„Wir haben den Standort kritisch diskutiert“, sagte Stadträtin Rita Maria Rzyski auf Anfrage unserer Zeitung. Die Mehrheit der Ratsmitglieder sei zu dem Schluss gekommen, dass ein Sexshop „Teil unserer westlichen Gesellschaft“ sei. Selbstverständlich würden dort keine Familien mit Kindern untergebracht.

Der Mietvertrag mit dem Geschäft laufe in Kürze aus. Wenn die Stadt eine passende Verwendung finde, werde sie die Räume vielleicht selbst anmieten. Für Wohnzwecke sei der Laden aber ungeeignet. „Wenn wir einen entspannten Wohnungsmarkt hätten, wären wir auf dieses Objekt sicher nicht gekommen“, räumt Rzyski ein.

Angesichts der weiter steigenden Flüchtlingszahlen stehe die Stadt dem Land gegenüber aber in der Pflicht. In den nächsten Monaten rechne Niedersaschen mit 13200 Asylantragstellern. Eine Entlastung biete ein zweites Haus in der ehemaligen Landwehrkaserne. Die einstige Mannschaftsunterkunft ist nach Rzsykis Auskunft „super in Schuss“.

Die Flüchtlinge, die im Nachbarhaus lebten, seien sehr zufrieden, da es in der Nähe Einkaufsmöglichkeiten und gute Busverbindungen gibt. Das Haus eigne sich auch für Familien mit größeren Kindern, denen zwei nebeneinander liegende Wohnungen abgeboten werden können. 54 Plätze böten die Möglichkeit, Ethnien sinnvoll zusammenzubringen.

In trockenen Tüchern sei auch die Anmietung des ehemaligen Nord-Hotels an der Hansastraße mit 20 Plätzen. Weitere 35 Plätze sollen an der Peiner Straße entstehen. Hier habe der Rat darüber diskutiert, ob das Viertel wegen der anderen nahe liegenden Flüchtlingsunterkünfte weitere Asylsuchende aufnehmen könne. Angesichts der freundlichen Aufnahme der Flüchtlinge durch viele ehrenamtliche Helfer seien Bedenken ausgeräumt worden.

Im vergangenen Jahr wurden bereits zahlreiche neue Wohnungen angemietet: an der Meller Straße, An der Petersburg, am Heiligenweg, an der Kurzen Straße, das komplette Haus 89 in der Landwehrkaserne. Alle neuen Unterkünfte reichten jedoch nicht aus, um die Aufnahmequote des Landes zu erfüllen. Laut Rzyski müsse die Stadt Platz für weitere 333 Menschen schaffen.

Parallel zur Suche nach Häusern werde auch eine „Containerlösung“ geprüft. Mögliche Standorte würden auf den Anschluss an Versorgungsleitungen untersucht. Diese Form der Unterbringung sei generell teurer als die Anmietung von Wohnungen.

Die Pauschale von 5900 Euro, die das Land Niedersachsen der Stadt pro Flüchtling im Jahr zahle, reiche bei Weitem nicht aus, sagte Rzyski. Allein für das Jahr 2013 blieben für die Stadt 1,3 Millionen Euro nicht gedeckte Kosten. Mit der steigenden Zahl der Flüchtlinge stiegen auch diese Kosten. Eine Anhebung der Pauschale sei zwar angekündigt, aber noch in der Beratung.

Hinzu komme, dass die Kommunen die Flüchtlingskosten erst immer zwei Jahre später erstattet bekämen. „2014 erhalten wir die Pauschale für die Flüchtlinge von 2012“, erläuterte Rzyski: „Wir würden gerne zeitnah jeden Asylbewerber einzeln abrechnen.“


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