Besucher aus 44 Nationen Osnabrücker Mütterzentrum auch für Väter geöffnet



Osnabrück. Das ist die Strafe für schlechtes Benehmen: Ein paar Minuten darf sich das ungezogene Kind das Geschehen vom Kinderstühlchen aus betrachten, ohne selbst mitzumischen. Tagesmutter Malu Piepenbrink kann aber nicht lange böse gucken. Schon ist die wieder abgelenkt, weil ein anderes Kind dringend eine trockene Hose aus der Schublade mit den Ersatzklamotten braucht. Malu, wie sie alle nennen, ist nicht nur Tagesmutter, sondern Herz und Motor des Mütterzentrums.

Seit 20 Jahren gibt es das Mütterzentrum, kurz Mütze, im Haus der Jugend. Und noch nie war das Programm so umfangreich wie jetzt. Das Programm, derzeit noch ein Faltblatt im Ziehharmonikaformat, wird bald anders gestaltet werden müssen, um alle Angebote aufführen zu können. Das Besonderes am Mütze: Das Team aus pädagogisch ausgebildetem Fachpersonal, Studentinnen der Universität und Schülerinnen der Oberstufe arbeitet komplett ehrenamtlich. Bis Ende des Jahres wird es noch von einer Bürgerarbeitsstelle unterstützt. Auch verschiedene Ein-Euro-Jobber waren und sind dabei.

Das Mütterzentrum selbst beschreibt sich als „Treffpunkt für Frauen, Mütter, Kinder, Väter, Omas und Andere, die sich mit Kindern beschäftigen – egal, aus welchem Land sie kommen“. Mütter sollen in ihrer Erziehungsfähigkeit gestärkt und gleichzeitig zur Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben dieser Stadt motiviert werden. Angesprochen sind, auch wenn es nicht im Namen steht, natürlich auch Väter. Der Anteil der männlichen Erziehungsberechtigten ist in den vergangenen Jahren auf etwa 30 Prozent angestiegen.

Im Café, das montags bis freitags von 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr geöffnet ist, werden erste Kontakte geknüpft. „Manche kommen ganz schüchtern herein“, erzählt Martina Schilling vom Vorstand: „Malus dunkle Hautfarbe ermutigt speziell Menschen mit Migrationshintergrund, sich ihr anzuvertrauen.“ Dabei gibt es meistens nicht mal sprachliche Barrieren: Die gebürtige Brasilianerin spricht deutsch, französisch, englisch, portugiesisch, spanisch, dänisch und finnisch. Früher war die 1. Mütze-Vorsitzende in der Reisebranche tätig und hat in vielen verschiedenen Ländern gelebt.

Ob Vorträge über die Pubertät oder vernünftiges Haushalten, Sprach- oder Computerkurse, Frauenschwimmen oder Kreativangebote – das Programm im Mütze ist so vielfältig wie die Besucherinnen. Dennoch war der Vorstand überrascht, als bei einer statistischen Erhebung herauskam, dass in einem Monat 870 Besucher mit 44 Nationalitäten gezählt wurden.

Seit dem Frühjahr 2013 hat das Mütterzentrum im Stadtteil Nahne den interkulturellen Garten „Sonneneck“ gepachtet. Hier können Besucher mitarbeiten, die keinen eigenen Garten haben. Mit dem Obst und Gemüse aus eigenem Anbau wird aber auch gemeinsam gekocht: „Viele Kinder kennen nur noch Fertiggerichte“, sagt Martina Schilling.

Mit 12000 Euro von der Stadt und 6000 Euro vom Land Niedersachsen wird das Mütterzentrum finanziell gefördert. Um darüber hinaus etwas Geld in die Kasse zu bekommen, werden die Räume für private Feiern vermietet. Gruppen ab 20 Personen bereitet Malu Piepenbrink Frühstück zu. „Auch eine Hochzeit ist hier schon gefeiert worden.“

Das Mütterzentrum ist nach der Sommerpause ab 11. September wieder unter Telefon 0541/22210 zu erreichen. Informationen unter www.muetterzentrum-osnabrueck.de .


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