Falling-Walls-Lab-Wettbewerb Junge Forscher wollen Mauern im Denken einreißen

Von Kai von Häfen


Osnabrück. Mauern niederreißen, das ist für viele das zentrale Thema am 9. November, dem Tag des Mauerfalls vor 25 Jahren. Keine wirklichen, aber Mauen des Denkens wollen an dem Tag auch die Nachwuchsforscher beim Falling Walls Lab einreißen. Im Botanischen Garten fand nun der norddeutsche Vorentscheid für den Wettbewerb statt und brachte schon einige Vorstellungen ins Wanken. Die beiden Gewinner dürfen ihre Ideen nun beim Finale in Berlin vorstellen.

Der Wettbewerb erinnert vom Ablauf her ein wenig an einen Poetry Slam mit wissenschaftlichem Inhalt. Jeder Teilnehmer hat drei Minuten Zeit, um die Jury von seiner Idee oder Forschung zu überzeugen, danach ist Schluss, auch wenn der Vortrag noch nicht zu Ende ist. Eine kurze Zeit, übrigens inklusive Nachfragen von der Jury und den Zuschauern. Dass aber auch drei Minuten viel Platz für Inhalte, Ideen und Visionen fast aller Art bieten, haben die Nachwuchsforscher bewiesen.

Die Forschung von Thomas Schüler von der Universität Osnabrück beschäftigt sich zum Beispiel mit dem Thema Rehabilitation. Dabei untersucht er wie und ob dabei Videospiele zu medizinischen Zwecken eingesetzt werden können. So könnten beispielsweise Fingerübungen mit einem Computerspiel kombiniert und in die Reha integriert werden.

Eine andere Idee schützt die eigenen E-Mails auf eine einfache Art und Weise. Michael Prinzinger entwickelt dafür eine kleine Box, die einfach zwischen dem Router und dem Computer angeschlossen wird und alle Mails automatisch verschlüsselt. Der Clou: Auch unterwegs vom Smartphone oder dem Tablet-PC kann die Box, obwohl sie zu Hause steht, noch die Mails verschlüsseln.

Am Ende musste sich die Jury für zwei Sieger entscheiden, die zum Finale am 9. November nach Berlin reisen und gegen andere Nachwuchsforscher aus rund 75 Nationen antreten. Der zweite Platz ging an Mehul Bhatt, Jahrgang 1980, und schon Professor an der Universität Bremen. Er erforscht, wie bei architektonischen Planungen von Gebäuden durch Computer die Wahrnehmung und das Verhalten von Menschen besser einbezogen werden können. So könnte eine errechnete, für den Computer logische Bauplanung für Menschen nicht immer nützlich sein. An Sportstätten könnte beispielsweise der Blick auf das Spielfeld eingeschränkt oder die Fluchtwege in der
Praxis unbrauchbar sein.

Siegerin wurde Anubha Garg von der Technischen Universität Berlin. Sie überzeugte die Jury mit ihren Ideen, die weltweite Proteinversorgung, also die Versorgung mit lebenswichtigen Eiweißen, sicherzustellen. Sie plädierte in ihrem Vortrag für eine neuartige proteinhaltige pflanzliche Nahrung, die sich geschmacklich kaum von Fleisch unterscheidet. Der Vorteil daran: Bei der Züchtung von Tieren werden mehr pflanzliche Proteine verbraucht als tierische gewonnen. Also ein Minusgeschäft für die menschliche Ernährung. Zur Probe hat sie ihre Proteinnahrung mitgebracht, mit Hühnchengeschmack in zwei Variationen. Schon in der Pause haben die Zuschauer alles aufgegessen – Wissenschaft, die schmeckt.


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