Julia Draganovic setzt auf Tageslicht „Stärken der Kunsthalle Osnabrück wiederherstellen“


Osnabrück. Was erwartet den Besucher ab September in der Kunsthalle Osnabrück? Die Antwort: einige neue Serviceangebote, aber vor allem ein neuer Zugang zur Kunst. Kunsthallen-Direktorin Julia Draganovic erläutert, wie dieser Zugang aussehen wird.

„Ich möchte die Stärken des historischen Gebäudes wiederherstellen“, sagt die Kuratorin, die ab dem 12. September ihre erste Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück zeigen wird. Die ehemalige Kirche des alten Dominikanerklosters gilt unter Ausstellungsmachern und Künstlern als schwieriger Raum, der vor allem mit seinen riesigen Dimensionen als kaum bespielbar gilt. Julia Draganovic will sich von diesen hergebrachten Einschätzungen nicht leiten lassen. „Die Nachteile der Ausstellungstechnik sind doch eigentlich Vorteile des Raumes“, kehrt die Direktorin die gewohnte Blickrichtung einfach mal um. Ihr Credo: Kunst nicht gegen, sondern mit dem Raum und seinen besonderen Bedingungen inszenieren.

Dafür hat sie konsequent die Voraussetzungen geschaffen, indem sie entfernen ließ, was das Kirchenschiff eigentlich zu einem Ausstellungsraum machen sollte: die Wandpaneele, die Klebefolien auf den Fenstern und schließlich auch die Beleuchtungstraversen. Nun bietet sich der Raum blank und bloß dar, frei von späteren Einbauten.

Wie stellt sich Julia Draganovic die neue Kunsthalle vor? Lesen Sie hier das Gespräch mit der neuen Direktorin.

Julia Draganovic bringt ins Spiel, was bislang kaum Beachtung fand – das natürliche Licht. „Die Rolle, die das Tageslicht hier spielt, ist das Alleinstellungsmerkmal des Hauses“, sagt die Kuratorin, die bei ihren Ausstellungen ganz auf diese Lichtwirkung setzen will. Die Konsequenz: Die Kunst wird nur im Lauf des Tageslichts erlebbar sein. Das ist ein konsequenter Kurs. Julia Draganovic berichtet, dass diese Position auch im Gespräch mit dem Künstler Michael Beutler entstanden sei. Der Künstler habe dafür plädiert, den Kirchenraum von allen Einbauten zu befreien. Beutler wird das Kirchenschiff für die Ausstellung ab dem 12. September inszenieren.

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Dabei hat die neue Leiterin der Kunsthalle in den weiteren Räumen für neue Beleuchtungseinheiten gesorgt. Nach ihren Worten wird es in Forum und Foyer neue LED-Leuchten geben. In diesen Räumen wird den Angaben zufolge zum Beispiel die Künstlergruppe IRWIN im nächsten Jahr Fotos zeigen, die sich mit Personen der Macht auseinandersetzen. Die Künstlergruppe wird auch das neue Logo der Kunsthalle entwerfen.

Künstler stellen nicht nur aus, sie erstellen auch Elemente für die neue Einrichtung und den neuen Look der Kunsthalle. In diesem Punkt bereitet Julia Draganovic die Besucher ihres Hauses auf einen neuen Kurs vor. Zu diesen Elementen gehören auch der neue Empfangstisch und die neue Garderobe, die Michael Beutler und der Architekt Etienne Descloux erstellen werden. „Diese Objekte haben nicht nur Servicefunktion, sie führen auch den Besucher und seinen Blick“, verspricht Julia Draganovic ein ganz neues Erlebnis der Kunsthalle.

Was zeigt Michael Beutler ab dem 12. September in der Kunsthalle Osnabrück? Lesen Sie hier alle wichtigen Informationen.

Dabei ist jetzt schon klar, dass sich am Serviceangebot des Ausstellungshauses einiges ändern wird, auch wenn die Öffnungszeiten die gleichen bleiben. Die große, sich automatisch öffnende Tür fällt ebenso besucherfreundlicher aus wie der neu gestaltete, großzügigere Eingangsbereich. Der Besucher soll nicht nur Kunst neu erfahren, er soll auch ein anderes Raumerlebnis bekommen.

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Ein wichtiger Punkt: Die Artothek wird endlich ebenerdig platziert. Die Sammlung mit Kunstwerken zum Ausleihen ist dann gleich links vom Eingang zugänglich. Noch ein gutes Stück wichtiger: Julia Draganovic bezieht ihre Mitarbeiter konsequent in das Gespräch über die neue Konzeption des Hauses mit ein. „Das Team hat sich voll eingebracht. Die Mitarbeiter sollen in anderer Weise als bisher Dialogpartner der Besucher sein“, so Draganovic. Dieser Dialog wird auch gefragt sein, denn mit der Strategie, die sich konsequent am Tageslicht orientiert, wird der Besucher auf ein ganz neues Kunsthallenerlebnis treffen. Anlässe für das Gespräch sind damit garantiert. (Ende der Serie)


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