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Fischrestaurant weicht Modekaufhaus „Nordsee“ in Osnabrück schließt nach 60 Jahren



Osnabrück. Die „Nordsee“ zieht sich zurück aus Osnabrück – zumindest vorübergehend. Grund ist der geplante Neubau eines Bekleidungskaufhauses an der Großen Straße. Mode statt Matjes heißt es also künftig in der Fußgängerzone gegenüber von L+T. Die letzten Fischbrötchen im Schnellrestaurant gibt es Ende September.

Nebenan beim früheren Dekoartikel-Händler „Das Depot“ füllen sich die Schuttcontainer, und in wenigen Wochen werden auch die beiden angrenzenden Häuser mit dem Schuhgeschäft „Foot Locker“ und dem Fischrestaurant „Nordsee“ abgerissen. Weil die Zeile an der Großen Straße einem neuen Modekaufhaus der Pohland-Kette samt Tommy-Hilfiger-Store weicht , drehen beide Filialisten zum Quartalsende für immer den Schlüssel um – die „Nordsee“ sogar nach 60 Jahren an diesem Standort. Ob und wann sie nach Osnabrück zurückkommt, ist offen.

Kunden traurig

„Die Kunden sind alle traurig“, sagt Peter Schwarz, seit September 2013 „Nordsee“-Filialleiter in Osnabrück. Der 46-Jährige selbst sieht die Geschäftsaufgabe weniger emotional. „Es ist ja nicht so, dass es danach keinen Fisch mehr gibt in Osnabrück.“ Dass der Mietvertrag ausläuft, sei lange bekannt gewesen. Das Personal habe sich auf die Schließung vorbereiten können. Schwarz: „Es sind alle zufrieden auseinandergegangen.“

Von den 24 Mitarbeitern mit teilweise befristeten Verträgen erhielten nach offiziellen Unternehmensangaben 17 ein Angebot zur Weiterbeschäftigung in Filialen in Münster, Hamm und Bad Oeynhausen. Laut Schwarz haben es acht angenommen. Eine gute Handvoll Mitarbeiter habe den Job gewechselt. Die Übrigen hätten sich abfinden lassen oder eine Ruhestandsregelung gewählt. Schwarz selbst will nach Münster zurückkehren, wo er in der Salzstraße ein „Nordsee“-Restaurant leitet.

Rückkehr geplant

Seine Filiale in Osnabrück gehört zu den größeren der insgesamt 336 in Deutschland. Verkleinern will sich das Unternehmen bei der angestrebten Rückkehr an die Hase offenbar nicht: Gesucht wird ein Lokal in 1-a-Lage mit 300 bis 400 Quadratmeter Platz. „Wir sind an einem neuen Standort interessiert und stehen in engem Kontakt mit Maklern und Vermietern“, heißt es aus der Zentrale in Bremerhaven. Ein Osnabrück ohne „Nordsee“ ist auch für Peter Schwarz nicht vorstellbar. „Wenn der passende Laden gefunden ist, werden wir wiederkommen.“ Angesichts des knappen Angebots an geeigneten Lokalen sei der Zeitpunkt jedoch kaum absehbar. Ob „Nordsee“ ein Kandidat für das geplante Einkaufszentrum am Neumarkt sei, ließ der Filialleiter unkommentiert.

Rätsel um Schuhgeschäft

Das Schuhgeschäft „Foot Locker“ hat offenbar schon einen Ersatzstandort gefunden: Im Schaufenster teilt es seinen Kunden mit, im Oktober an der Großen Straße 6 neu zu eröffnen. Dekoartikel-Händler „Depot“ war bereits vor einigen Wochen von der Großen Straße in die Kamp-Erweiterung am Jürgensort (ehemals Woolworth) umgezogen und ist jetzt Nachbar der neuen Drogerie Müller.


Die „Nordsee“-Gruppe wurde 1896 in Bremen als Deutsche Dampffischerei-Gesellschaft Nordsee gegründet. Anfang Juli 2014 zählte sie 396 Filialen weltweit, davon 336 in Deutschland und 34 in Österreich. Die übrigen Standorte verteilen sich auf Ungarn (5), Slowakei (4), Rumänien (4), Tschechien (4), Bulgarien (3), Schweiz (3) und Belgien (1). Auch in Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten (Dubai) ist „Nordsee“ jeweils einmal vertreten.

Knapp die Hälfte aller Filialen befinden sich in Einkaufszentren (46 Prozent) und zu mehr als einem Drittel in Innenstädten (38 Prozent). 12 von 100 Restaurants liegen an Autobahnen, der kleinste Teil an Bahnhöfen und Flughäfen (4 Prozent).

101 „Nordsee“-Restaurants werden im Franchisesystem betrieben – Osnabrück gehört nicht dazu. Im Jahr 2013 betrug der Umsatzerlös aller Filialen 350,6 Millionen Euro. Fast die Hälfte machte der Restaurantbetrieb aus (49 Prozent), 40 Prozent brachten die Snacks zum Mitnehmen. Den Rest (11 Prozent) trug das Einzelhandelsgeschäft bei, also der Verkauf etwa von Fisch und Salaten an den Theken.

Nach offiziellen Angaben arbeiteten im vergangenen Jahr rund 6000 Menschen für oder im Namen von „Nordsee“: 5200 Menschen in den eigenen Filialen (davon 130 Auszubildende) und 800 in den Franchisebetrieben. Insgesamt zählte der Konzern 19,1 Millionen Kunden.

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