Held der Arbeit auf dem Trockenen Haarmannsbrunnen in Osnabrück wird saniert

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Osnabrück. Der Held der Arbeit steht auf dem Trockenen. Schon lange strömt kein Wasser mehr über seine muskulösen Arme. Witterung und Zerstörungswut haben dem Haarmannsbrunnen zugesetzt: Das Becken hat Risse, der Sandstein Abplatzungen, die Pumpen laufen nicht mehr rund. Noch in diesem Jahr soll das Jugendstilmonument am Herrenteichswall wieder auf Vordermann gebracht werden.

Der Haarmannsbrunnen ist eines der ältesten Arbeiterdenkmale Deutschlands, vielleicht sogar das älteste. Gestiftet wurde es 1909 von August Haarmann, dem damaligen Generaldirektor des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins. In den 115 Jahren seines Bestehens musste der Brunnen mehrfach saniert werden, besonders aufwendig 1980 für mehr als 700.000 Mark (rund 350.000 Euro). Kleinere Reparaturen folgten 1996 und 2003.

In diesem Jahr reichen kosmetische Retuschen nicht mehr aus. Nicht nur der Zahn der Zeit hat dem Bauwerk zugesetzt, auch mangelnde Pflege sind ihm zum Verhängnis geworden. 51.000 Euro kalkuliert der städtische Eigenbetrieb Immobilien für die Sanierung und technische Instandsetzung, 6000 davon übernimmt die Herrenteichslaischaft, die sich als Kulturstiftung versteht. Als reparaturanfällig erweist sich das Becken, das wieder einmal Wasser verliert. Die blaue Farbe muss entfernt werden, um die Risse freizulegen und für möglichst lange Zeit abzudichten.

Das Jugendstildenkmal am Herrenteichswall gehört zu den 20 öffentlichen Brunnen in Osnabrück, die in der Stadtverwaltung als berüchtigte Kostenfallen gelten. Etliche hat der Eigenbetrieb Immobilien in den vergangenen Jahren stillgelegt, von den verbliebenen sind einige wegen technischer Mängel außer Betrieb. Weil der Haarmannsbrunnen zu den Wahrzeichen von Osnabrück gerechnet wird, haben sich bislang aber immer Fürsprecher für eine Erhaltung gefunden.


Ein Bergmann steht vor einer Felswand im Freien und schlägt seinen Meißel in den Stein, um eine Quelle zu erschließen: Die Bronzefigur des Bildhauers Adolf Graef hält den Augenblick fest, in dem der Arbeiter halb erschreckt und halb erfreut den Erfolg seiner Mühen zu spüren bekommt. So beschreibt das Osnabrücker Tageblatt vom 9. Mai 1909 die Skulptur am Herrenteichswall. Den zeitgenössischen Berichten ist zu entnehmen, dass Stahlwerksdirektor August Haarmann ein Arbeiterdenkmal stiften wollte. In Osnabrück wird zuweilen erzählt, das Denkmal solle an das Grubenunglück im Piesberg von 1893 erinnern, bei dem acht Arbeiter ums Leben kamen. Aber das war nicht Haarmanns Absicht.

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