Atelier in der Kunsthalle Osnabrück Michael Beutler bereitet seine Ausstellung vor


Osnabrück. Was zeigt Michael Beutler ab dem 12. September in der Kunsthalle Osnabrück? Die erste Ausstellung der Ära von Kunsthallen-Direktorin Julia Draganovic wird mit Spannung erwartet.

110 laufende Meter Holz, dazu Planken aus den angrenzenden Räumen der Kunsthalle: In den vergangenen Wochen sind massenhaft Wandpaneele aus der derzeit wegen des Umbaus für das Publikum geschlossenen Kunsthalle entfernt worden. Jetzt liegen die Planken auf dem Boden der Kunsthalle – als Material für die Rauminstallationen, die der Künstler Michael Beutler gemeinsam mit dem Architekten Etienne Descloux in der Kunsthalle einrichten will. Fertige Objekte gibt es für Beutler nicht. Seine Ausstellungen entstehen vor Ort.

Was plant Direktorin Julia Draganovic für die Kunsthalle Osnabrück? Lesen Sie hier das Gespräch mit der Kuratorin.

Dabei sieht das Kirchenschiff der Kunsthalle schon jetzt wie eine einzige Kunstausstellung aus. Die eingefärbten Bretter fügen sich auf dem Boden zu einem in vielen Farbtönen schimmernden Muster. An den Wänden reihen sich ausgeschnittene Holzformen mit regelmäßigen Einkerbungen. Sie sollen später zu großen Installationen zusammengesteckt werden. In der Mitte hat Beutler einen jener Apparate aufgebaut, mit denen er sein Material jeweils vor Ort bearbeitet. Ein Mitarbeiter des Künstlers führt die Hölzer über die Farbwalze. „Es ist wundervoll, so ein Atelier zu haben“, sagt Michael Beutler.

Was passiert eigentlich gerade beim Umbau der Kunsthalle Osnabrück? Lesen Sie hier den Bericht.

Der 1976 in Oldenburg geborene, in Frankfurt am Main und Glasgow ausgebildete Künstler ist Shootingstar der Installationskunst. Er entwickelt seine Arbeiten an Ort und Stelle, reagiert auf Orte und ihre Bedingungen, recycelt billiges Allerweltsmaterial. Die Ergebnisse begeistern. In der Frankfurter Lufthansa-Zentrale hat er aus Aluminiumelementen einen federleicht aussehenden Pagodenturm errichtet. Im Rahmen eines Kunstprojektes im öffentlichen Raum hat er gerade die Innenstadt von München mit knallbunten Ballen aus Strohhalmen ausgestattet. Massenhaft Trinkhalme und eine Heuballenpresse – mehr brauchte Beutler nicht, um Kunstobjekte zu formen, die gerade in der bayerischen Metropole für das richtige Sommergefühl sorgen. Viele junge Leute nutzen die Kunstobjekte, um an lauen Abenden stilvoll zu chillen.

Michael Beutler hat seine Arbeiten auch im Kunstverein Bielefeld gezeigt. Wie war die Ausstellung? Lesen Sie hier die Kritik.

„Kunst darf auch einfach Spaß machen. Hauptsache ist, dass ich die Sinne der Menschen erreiche“, sagt Michael Beutler, der jetzt in der Osnabrücker Kunsthalle hinter verschlossenen Türen wirbelt. Auf seiner Agenda stehen auch Kunstobjekte, die nach dem Ende seiner Ausstellung in der Kunsthalle bleiben sollen. „Etienne Descloux und ich formen einen Empfangstisch und eine Garderobe für Schnittstelle Kunsthalle und Besucher“, sagt der in Berlin lebende und arbeitende Beutler.

Was hat er mit dem Kirchenschiff und den anderen Räumen des Ausstellungshauses vor? Beutler verrät noch nicht seine ganze Ideenagenda. Aber er greift spontan zum Stift, zeichnet auf einem Blatt die Skizze einer begehbaren Holztrommel, die im Innenhof der Kunsthalle wie eine gigantische Laterna magica drehbar installiert werden soll. Dafür schwimmen die Träger in Wasserbecken. Besucher können das Raumobjekt selbst federleicht bewegen. „So entsteht ein Kreuzgang im Kreuzgang“ , sagt Beutler und präsentiert so eine für seine Kunst typische Raumidee.

Was macht die Kunst von Michael Beutler aus? Lesen Sie hier den Hintergrundbericht.

Für das Kirchenschiff der Kunsthalle verrät er nur so viel: „Der Raum wird der Protagonist sein.“ Der Berliner Künstler ist begeistert von der Konstellation, auf die er trifft: Mitten im Umbau kann er einen Ausstellungsort vollkommen neu gestalten. Im Gespräch wird klar, dass er den Gedanken angeregt hat, die Kunsthalle radikal umzuformen. „Als ich zum ersten Mal im Oktober 2013 hier war, wirkte das Haus wie eine Kunsthalle aus einer ganz anderen Zeit.“ Michael Beutler gestaltet nun nicht nur eine Ausstellung, er katapultiert auch das ganze Haus in eine ganz neue Ära. Denn seine Arbeit muss im Kontext der Pläne von Direktorin Draganovic gesehen werden. Beutlers Raumkunst bereitet die Bühne – für ein Programm der Performances.


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