BBK-Vorsitzender: Zu wenig Wertschätzung Jens Raddatz: Gibt es Künstlerförderung in Osnabrück?


Osnabrück. Was tut Osnabrück für seine Künstler? Eigentlich nichts, findet Jens Raddatz, Vorsitzender des BBK. Im Interview beklagt er mangelndes Engagement.

Osnabrück. Wo steht der Bund Bildender Künstler (BBK) mit seiner Osnabrücker Regionalgruppe heute? Wir trafen den BBK-Vorsitzenden Jens Raddatz zum Gespräch im „Kunstquartier“ in der Osnabrücker Bierstraße. Raddatz sieht den BBK auf gutem Weg, bemängelt aber den Zustand der Osnabrücker Künstlerförderung.

43 Mitglieder, dazu das „Kunstquartier“ in der Bierstraße – der BBK Osnabrück scheint nach Jahren der Krise etabliert zu sein. Sehen Sie das auch so?

Wir werden bei dem nächsten Aufnahmegespräch Anfang September die Marke von 50 Mitgliedern sogar überschreiten. Das ist ein sehr wichtiges Ziel. Eine Umfrage des BBK-Bundesverbandes hat gezeigt, dass wir über Jahre nur geringe Zuwächse in der Mitgliederentwicklung hatten. Das hat sich in den letzten fünf Jahren aber verändert. Übrigens sind in dieser Zeit nur zwei Mitglieder ausgetreten.

Welche Ausstellung läuft derzeit eigentlich im Kunstquartier des BBK? Lesen Sie hier den Bericht.

Worauf führen Sie das zurück?

Der BBK ist ein attraktiver und aktiver Künstlerverein in der Region geworden. Er ist die größte und älteste Künstlervereinigung in der Region. Das wird gern übersehen. Aber die Zahlen sprechen da eine andere Sprache als manch negative Einschätzung.

Das „Kunstquartier“ bietet dem BBK einen festen Präsentationsort. Wie abgesichert ist die Zukunft des „Kunstquartiers“?

Wir glauben daran, dass die Zukunft gesichert ist. Wir renovieren demnächst aufwendig den Fußboden. Das spricht für unser Vertrauen in die Zukunft. Die Stadt überlässt uns die Räume zu einem sehr kulanten Mietzins. Der Mietvertrag verlängert sich jährlich. Ich weiß, dass die Stadt die Räume derzeit nicht anders nutzen will. Ich drücke uns die Daumen, dass das auch so bleibt.

Wie ist die Geschichte des BBK-Kunstquartiers eigentlich gelaufen? Lesen Sie hier den Rückblick auf die ersten sieben Jahre des BBK-Kunstquartiers.

Zu Ausstellungen von BBK-Mitgliedern wurden eine Zeit lang immer wieder auswärtige BBK-Gastkünstler eingeladen. Damit sollte ein überregionaler Künstleraustausch in Gang gesetzt werden. Haben sich die Erwartungen erfüllt?

Leider nein. Das war ein Konzept meiner Amtsvorgängerin Renate Michalik. Das hat so aber nicht funktioniert. Deshalb habe ich mich von dieser Struktur schnell verabschiedet. Leider haftet dieses Konzept dem BBK immer noch an. Es gab aber in Wirklichkeit nur ein einziges Mal eine Rückeinladung – in immerhin sechs Jahren. Natürlich können sich Ausstellungspaarungen wieder ergeben. Der BBK fördert ja die Vernetzung. Aber wir verfolgen das nicht systematisch weiter. Im Vordergrund steht die regionale Plattform, die wir bieten, und interessante Ausstellungskonzepte. Wie zum Beispiel 2015 mit der Präsentation von Uwe Möllhusen.

2012 hat der BBK zum ersten Mal ein Artist-in-Residence-Programm mit einem palästinensischen Gastkünstler durchgeführt. Wie geht das Programm des BBK demnächst weiter?

Das Programm geht weiter. Allerdings haben wir es erst einmal durchführen können. Wir hatten geplant, Gastkünstler einzuladen. Das scheiterte zuletzt aber an den Kosten. Ein Großteil unserer Mitgliedsbeiträge muss an andere BBK-Institutionen abgeführt werden, um die Arbeit auf Bundes- und Landesebene zu finanzieren. Weniger als die Hälfte der Beiträge bleiben vor Ort. Damit lässt sich nicht viel bewirken. Für 2015 planen wir ein Programm mit einem türkischen Gastkünstler. Thema wird der 100. Jahrestag der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg sein.

Welche Ausstellung war 2014 die beste im BBK-Kunstquartier? Sicher die Präsentation von Günter Grass. Lesen Sie hier den Bericht.

Wie sehen Sie den Stand der Künstlerförderung in Osnabrück und der Region?

Gibt es Künstlerförderung in Osnabrück? Die öffentliche Hand stellt dafür wenig Geld zur Verfügung. Das reicht nur für wenige Projekte. Arbeiten werden ja auch leider nicht mehr angekauft. Das Künstlerhaus mit Druckwerkstatt, wie es das früher einmal gab, fehlt. Das müsste es wieder geben. Osnabrück sollte sich wieder stärker zu seinen Künstlern bekennen. Da fehlt mir einfach die Wertschätzung. Der Kulturgipfel hat diese Wertschätzung der Kunstschaffenden einmal ausgedrückt. Es sollte einen neuen Stolz auf die Kreativen geben.

Wie sehen eigentlich Künstler den Stand der Künstlerförderung in Osnabrück? Lesen Sie hier das Interview mit Eva Preckwinkel und Frank Gillich.

Die Kunsthalle hat mit dem Format „24/7“ ein Zeichen gesetzt. Wie beurteilen Sie den Effekt?

Das war für die Osnabrücker immens wichtig. Das Format hat als Selbstläufer funktioniert. Es war interessant zu sehen, wer mitgemacht hat und wer nicht. Ich glaube auch, dass viele Leute in der Kunsthalle waren, die noch nie zuvor dort waren. Die Woche hat viel zur Identifikation mit der Kunsthalle beigetragen. Es wird sich zeigen, ob das nachhaltig ist – oder ob es beim Happening bleibt.

Welche Pläne hat Direktorin Julia Draganovic eigentlich für die Kunsthalle Osnabrück? Lesen Sie das Gespräch mit der Kuratorin.

Denken Sie noch an Formate wie die „Arte Regionale“?

Eine „Arte Regionale“ würde heute nicht mehr funktionieren. Der Begriff ist verschlissen. Die letzte Ausgabe hat ohnehin keinen regionalen Bezug mehr gehabt. Ich fände eine lange Nacht der Galerien und der offenen Ateliers gut. Eine Leistungsschau der regionalen Künstler wäre unbedingt zu begrüßen. Das müsste auch in Osnabrück funktionieren – ohne „Arte Regionale“.

Die Kunstwelt ist längst international vernetzt. Welchen Stellenwert hat für Sie auf diesem Hintergrund eine regionale Künstlerszene?

Regional klingt nach Provinz. Für mich wäre das ein Bekenntnis zum Standort. Mir geht es um die Frage nach der Bedeutung der regionalen Szene. Die regionale Szene ist Rückzugsort und Ort der Expansion zugleich. Man kann sich auch aus der Region heraus gut vernetzen. Aber jeder Künstler braucht diesen Rückzugsort der regionalen Szene. Leider fehlt es an Austausch unter den regionalen Künstlergruppen. Man sollte stärker aufeinander zugehen. Regionale Kunst bedeutet nicht, immer nur in der eigenen Suppe zu rühren.


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