Edel-Grundstücke am Stadtrand Bauland statt Westumgehung: Osnabrück plant um

Die alte Trasse der Westumgehung soll zu Bauland werden. Das schlägt zumindest OB Griesert vor. Die Entlastungsstraße, die in der Bürgerbefragung abgelehnt wurde, soll im Plan bleiben. Luftbild: Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung LGLN/Grafik: Tamara LandwehrDie alte Trasse der Westumgehung soll zu Bauland werden. Das schlägt zumindest OB Griesert vor. Die Entlastungsstraße, die in der Bürgerbefragung abgelehnt wurde, soll im Plan bleiben. Luftbild: Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung LGLN/Grafik: Tamara Landwehr

Osnabrück. Das Thema Westumgehung ist noch nicht vom Tisch. Die Straße ja, die Verwendung der Grundstücke aber nicht. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) will den wertvollen Boden als Bauland versilbern.

Zur Klarstellung: Zur Diskussion stehen nicht die Flächen, die für die Entlastungsstraße West/Westumgehung zur Verfügung gestellt werden sollten. Dieses Projekt haben die Wähler zwar bei der Bürgerbefragung am 25. Mai beerdigt, die Trasse bleibt aber vorerst im Flächenutzungsplan erhalten. Der Antrag der Liberalen, den Flächennutzungsplan zu ändern und die Trasse zu löschen, fiel jetzt im Rat durch. Der Stadtrat will sich diese Option nicht verbauen, solange es noch kein langfristig tragfähiges Verkehrskonzept für den Westerberg gibt. Daran wird jetzt gearbeitet.

Überholt hat sich aber die sehr viel ältere Planung, die eine breite und kreuzungsfreie Schnellstraße auf einer anderen Trasse vorsah. Diese Straße sollte auf den Äckern unmittelbar hinter der Wohnbebauung entlangführen. Der Flächennutzungsplan von 1974 reserviert dafür eine gut 900 Meter lange und 50 bis 100 Meter breite Fläche. Insgesamt sind es etwa fünf Hektar, die planerisch blockiert sind, obwohl heute niemand mehr ernsthaft in Erwägung ziehen würde, diese Schnellstraße zu bauen.

Der Grünen-Fraktionschef Michael Hagedorn war der Erste, der auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung um die Entlastungsstraße die Idee aufwarf, die Ackerflächen zwischen Klinikum und heutiger Westerberg-Baugrenze zu veredeln. OB Griesert nahm ihn nach der Bürgerbefragung beim Wort . Jetzt stellte die CDU im Rat den Antrag, eine Nutzung der Flächen als Bauland zu prüfen. Damit wird sich demnächst der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt befassen.

15 Millionen Euro?

Hagedorn taxierte den Wert der möglichen Baugrundstücke auf mindestens 15 Millionen Euro. Er beruft sich dabei allerdings auf grobe Schätzungen, die zehn Jahre alt sind und in einem anderen Zusammenhang angestellt wurden: Damals ploppte die Idee auf, die Schnellstraße durch einen Tunnel zu führen und die Flächen darüber zu vermarkten. Die Politik ließ den Gedanken prüfen, verwarf ihn aber bald wieder aus finanziellen und technischen Gründen.

Die Grundstückspreise, die am Westerberg pro Quadratmeter für erschlossenes Bauland aufgerufen werden, liegen zwischen 270 und 400 Euro, in ganz exklusiven Lagen sogar bis zu 800 Euro. Der Verkauf der Flächen auf der uralten Straßentrasse würde also eine Summe zwischen 13,5 Millionen Euro (bei 270 Euro) und 20 Millionen (bei 400 Euro) in den städtischen Haushalt spülen.

Unabhängig von der Bauland-Frage treibt die Stadt die Arbeit an einem neuen Verkehrskonzept für den Westerberg voran. Der Rat entschied in der letzten Sitzung vor der Sommerpause einstimmig, das Konzept von 2003 zu aktualisieren und den veränderten Verkehrsbedingungen nach dem Ausbau der Hochschulen und des Wohn- und Wissenschaftsparkes in der früheren Kaserne anzupassen. Das Verkehrskonzept 2003 war ursprünglich nur als Übergangsregelung bis zum Bau einer Entlastungsstraße gedacht. Es sah Einbahnstraßen, Sperrungen und bauliche Veränderungen zur Reduzierung der Geschwindigkeiten vor.

Könnten Bestandteile des Verkehrskonzeptes auch testweise eingeführt werden? Die Verkehrsplaner im Rathaus warnen eindringlich davor; wie aus der Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der CDU-Ratsfraktion hervorgeht , hat jeder Eingriff Folgen für das Gesamtsystem. Deshalb müssten die Einführung von Einbahnstraßensystemen oder Sperrungen von einer „umfassenden Verkehrserhebung“ begleitet werden. Bei Veränderungen im System dauere es erfahrungsgemäß einige Monate, bis sich Verkehrsteilnehmer umorientiert und neue Routen gefunden hätten. Probeweise eingeführte Änderungen müssten auf einen längeren Zeitraum angelegt werden und wären aufwendig in der Untersuchung. Deshalb sei es besser, anhand von Verkehrsmodellen Änderungen zu simulieren.

Im Stadtrat stieß die Idee der CDU, einen Radweg auf der Trasse der gescheiterten Entlastungsstraße zu bauen, auf Sympathie aller anderen Fraktionen. Den von Norden kommenden Radfahrern würde ein direkter und attraktiver Weg zum Klinikum geebnet. Der Umweg über die viel befahrene Gluckstraße würde entfallen. Der Rat verwies das Thema Radweg an den Stadtentwicklungsausschuss.


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