Von der Fürsorge zur Inklusion Chronik der Osnabrücker Karl-Luhmann-Heime erschienen

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Autor Helmut Vogel ist Historiker und erforscht vor allem die Geschichte der Gehörlosenbewegung. Die Mitautorinnen des Buches sind Geschäftsführerin Barbara Strunk (links) und Mitarbeiterin Lena Degenhardt. Foto: Klaus LindemannAutor Helmut Vogel ist Historiker und erforscht vor allem die Geschichte der Gehörlosenbewegung. Die Mitautorinnen des Buches sind Geschäftsführerin Barbara Strunk (links) und Mitarbeiterin Lena Degenhardt. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Lange hat es gedauert, aber das Warten hat sich gelohnt: Der Historiker Helmut Vogel hat jetzt die Chronik „Von der Fürsorge zur Inklusion“ vorgestellt. Kurz vor seinem Besuch in Osnabrück war Vogel zum neuen Präsidenten des Deutschen Gehörlosenbundes gewählt worden.

„Eigentlich hatten wir 2012 zum 100-jährigen Bestehen der Karl-Luhmann-Heime eine 30 bis 40 Seiten starke Chronik geplant“, sagt Geschäftsführerin Barbara Strunk. Dann aber lud das umfangreiche Archiv des langjährigen Vorsitzenden Reinhard Linnemann zum ausschweifenden Ausflug in die Vergangenheit ein. Zudem wollte der Historiker Vogel, der in seinem Frankfurter Büro die Geschichte der Gehörlosen erforscht, auch de Geschichte der Gehörlosenbewegung in Niedersachsen mit einbeziehen.

Das nun vorgestellte 160 Seiten starke und reich bebilderte Buch bietet diesen umfassenden Einblick. Vogel, der selbst gehörlos ist, zeigt auf, dass sich schon 1872 Taubstumme in Hannover zu einem Verein zusammenschlossen. Der Osnabrücker Taubstummenverein bildete sich 1888.

Die Gehörlosen selbst machten sich stark für den Bau eines Heimes „zur Unterstützung hilfsbedürftiger, arbeitsunfähiger und altersschwacher Taubstummer“. Vogel macht deutlich, dass der Taubstummenlehrer Karl Luhmann, nach dem die Heime an der Knollstraße benannt sind, keinesfalls der Vereinsgründer war.

Die Verdienste des langjährigen Heimleiters würdigt Vogel an anderer Stelle: Auf Luhmanns Initiative eröffnete in Osnabrück 1956 die erste staatlich anerkannte Schule für gehörlose, geistig behinderte Kinder in Deutschland. Jahrzehnte hatte Luhmann dieses Ziel angestrebt. Bereits 1911 hatte er beim 8. Deutschen Gehörlosenkongress angeregt, Sammelklassen für die angeblich bildungsunfähigen gehörlosen Kinder mit anderen Behinderungen einzurichten.

Die Geschichte der Luhmann-Heime und des Vereins Hilfe für Hörgeschädigte in Niedersachsen zeige auch die gesellschaftlichen Veränderungen auf, sagte Vogel. Nach seiner Ansicht ist die Chronik ein wichtiger Impuls für die Erforschung der sozialen Geschichte in Deutschland. Er hoffe, dass auch andere Heime und Einrichtungen ihre Geschichte erforschten, um einen Gesamtüberblick zu erhalten.

Das Buch endet mit einem Ausblick auf Perspektiven der Karl-Luhmann-Heime und auf die Inklusion.

Die Veröffentlichung wurde mit 22000 Euro durch das Land bezuschusst. Die Chronik ist zum Preis von 5 Euro erhältlich bei der gemeinnützigen GmbH für hörgeschädigte Menschen, Telefon 0541/18009-0. Anfragen per E-Mail an die Adresse info@gmbh-fhm.de.


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