Kultur in Bissendorf In manchen Bürgern wohnt ein Künstler

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Bissendorf. Bissendorf ist zwar kein Stadtteil von Osnabrück. Doch wir haben unsere Serie auch auf Gemeinden im Altkreis ausgeweitet. Das lohnt sich, wie das Beispiel Bissendorf zeigt: Neben der Kultur von traditionellen Trägern bekommen kreative Energien aus der Bürgerschaft eigene Foren.

Bissendorf hat sich 1997 auf eine Quelle von Kultur besonnen, die jede Gemeinde im Keim in sich trägt: die kreativen Energien der eigenen Mitbewohner. Längst gibt es andere Gemeinden, die Bissendorfs Initiative als inspirierend empfinden, so beobachtet es Angelika Rothe , Gleichstellungsbeauftragte und zugleich Erste Vorsitzende des Kulturvereins Bissendorf. Er wird kurz, liebevoll und ländlich anspielungsreich „Kubiss“ genannt.

Denn vor 17 Jahren gründeten Interessierte diesen Kulturverein, der anfangs ohne Konzept sich frei entwickeln lassen wollte, was bis dahin eher im stillen Kämmerlein blühte. Das waren Menschen, die malten, fotografierten oder schrieben, ohne damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Natürlich lebte Bissendorf mit seinen vielen Ortsteilen bis dahin nicht kulturlos vor sich hin: Kirchen, Schulen, Kindergärten, Vereine aller Art oder jährliche Feste haben wie überall sonst vielfältig Kultur hervorgebracht. Aber acht Arbeitskreise für einheimische Künstler und Hobbykünstler wie heute gab es bis 1997 noch nicht. Bissendorf zeigt: Kultur muss nicht immer von außen importiert und eingekauft werden, oft ist sie schon vor Ort und muss nur mit Eigeninitiative Leben eingehaucht bekommen.

Jetzt gibt es die Kreativgruppe „Werk statt Kunst“, deren Künstler sich unterschiedliche Techniken von Malerei, Grafik oder Bildhauerei selbst oder mit professioneller Fortbildung beigebracht haben. Ein fester Stamm von ihnen stellt einzeln oder in der Gruppe zu einem gemeinsamen Thema aus, auch mal im Jeggener Haus Lechtenbrink , im Osnabrücker Marienhospital oder im Klinikum Melle, erklärt Angelika Rothe.

Ein Kurs für experimentelle Malerei wird angeboten, die Fotogruppe Kubiss-fotopart widmet sich der Fotografie als Kunst und Passion und stellt regelmäßig aus. Die bekannte Regisseurin Sigrid Graf leitet seit Kurzem das kleine „ Hmm!...Theater“, das schon zehn Produktionen herausgebracht hat. Und der Literaturkreis „LiteraBiss“ tauscht sich über selbst geschriebene Texte aus, liest sie öffentlich vor, etwa in der wunderschönen Schledehausener Schelenburg, oder zeigt Kindern, wie man Krimis verfasst. Das Erfreuliche an allen Kubiss-Gruppen, so beobachtet es Rothe: Sie werden immer größer, pro Jahr stoßen ein oder zwei Aktive hinzu. Als Lockvögel der Kultur lädt der Verein aber auch mal die Schauspielerin Thekla Carola Wied zur Lesung ein wie diesen Mai oder für den Herbst das Kabarett „Die Leipziger Pfeffermühle“. Der sommerlich-idyllische Reiz eines uralten, weiträumigen Hofgeländes, seit Jahrhunderten in Familienbesitz, eröffnet sich alljährlich etwa beim Jazzfrühschoppen auf dem Hof Meyer zu Stockum.

Aus der Geschichte einer ländlichen Gemeinde wie Bissendorf bezieht Bürgermeister Guido Halfter seinen Kulturbegriff, der sich von der Kulturarbeit in Großstädten unterscheidet. Alte und neue Kulturtechniken vom Kartoffelnpflanzen über den Nachtwächtergang bis zur aktuellen Arbeit der Heimat-, Schützen- oder Sportvereine gehören für ihn zu dem, „was den Menschen ausmacht“.

In diesem Sinne findet er das Kulturprojekt „Kultur bis(s) Birne“, das im Herbst startet, auch eine wunderbar kreative wie demokratische Sache: Schüler dürfen das abgehalfterte 50er-Jahre-Rathaus bemalen – bis eben die Abrissbirne das kollektive Kunstwerk gleich mitbeseitigt. Bissendorf setzt eben auch darin selbstbewusst auf die eigenen kreativen Kräfte.


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