„Die Goldene Säge“ Straßenmusikfestival begeistert seit 20 Jahren

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cby Osnabrück. Schwebende Akkordeonklänge lagen in der Luft, mischten sich mit leisen Klangfetzen aus der Ferne, rundherum samstägliches Einkaufstreiben und im Takt der Musik mitwippende Passanten. Zum nunmehr zwanzigsten Mal lockte das Straßenmusikfestival „Die Goldene Säge“ am vergangenen Samstag Musikerinnen und Musiker unterschiedlichster Genres in die Osnabrücker Innenstadt.

In bester Spiellaune präsentierten diesmal insgesamt 22 Solokünstler und Ensembles dem Publikum an zwanzig unterschiedlichen Standorten einen vielfältigen Stilmix. So besang Ralf Leismann von der Formation Sky Pilot stimmlich in einer an Neil Young erinnernden Manier das alte New York, während direkt nebenan das Duo „Scheinportrait“ druckvollen, gitarrenunterlegten Pop mit nachdenklichen deutschen Texten darbot. Hundert Meter weiter verzauberte der junge Oldenburger Jan Raimudt mit seiner keltischen Harfe das Publikum.

„Die Menschen wissen, dass sie beim Stadtbummel Poesie im Vorbeigehen erwartet“, so Klaus Terbrack, Kulturplaner vom Forum Osnabrück für Kultur und Soziales (Fokus) und Hauptorganisator des Festivals. Terbrack resümierte: „Man macht ja eine Veranstaltung nicht zwanzig Jahre lang, wenn sie nicht wirklich super ist. Das Osnabrücker Publikum weiß sehr zu schätzen, was wir hier an qualitativ hochwertiger Straßenkultur in der Stadt haben und wie sehr Straßenkultur die Stimmung und Atmosphäre in der Stadt positiv beeinflussen kann.“

Die Musiker fänden das Festival attraktiv, Werbung innerhalb der „Szene“ werde kaum gemacht. „Die wissen einfach, dass die ,Goldene Säge‘ am ersten Augustwochenende stattfindet und man dann nach Osnabrück kommt.“

Die Gruppe Zargenbruch würde diese Einschätzung teilen. Die vier jungen Musiker sind zum wiederholten Male dabei. Mit geigenuntermalten Tanzeinlagen ihres Sängers präsentieren sie sich mit überwiegend französischen Texten als fröhliche Musikergemeinschaft. Politisch wurde es, als die Gruppe ein Lied den türkischen Aktivisten vom Taksim-Platz widmete. Den vereinbarten alle zwanzig Minuten stattfindenden Standortwechsel nutzten die Künstler zum zwanglosen kollegialen Austausch.

Klaus Terbrack, Roger Witte, Michael Reinelt und „Goldene Säge“-Ideengeber Günther Merker mit Tochter suchten derweil in ihrer Funktion als Jurymitglieder die Musiker an ihren Spielorten auf, um über deren musikalische Qualitäten zu befinden.

Auch Originalität und Publikumsnähe waren wichtige Kriterien. In diesem Jahr erfolgte die Preisvergabe nicht nach Kategorien, sondern es wurden jeweils ein erster, zweiter und dritter Preis mit vergeben und mit Geldpreisen in einer Höhe von insgesamt 1000 Euro bedacht.

Um 18 Uhr öffnete im Innenhof des Hauses der Jugend die „Open Stage“, bei der alle am Festival beteiligten Künstler die Gelegenheit erhielten, sich in die Herzen des mit 400 Personen sehr zahlreich erschienenen Publikums zu spielen. Um 20 Uhr folgte der Höhepunkt des Tages – die Preisverleihung mit den jeweils zwanzigminütigen Auftritten der Preisträger.

Auf dem dritten Platz landete das Duo „Flop Eared Mule“, mit Liedern in der nordamerikanischen Folktradition. Den zweiten Platz belegte das Duo „Scheinportrait“ mit seinen kraftvollen Balladen. Zwischenzeitlich zwang ein halbstündiger Regenschauer zur Programmunterbrechung. Es folgte die Verleihung der „Goldenen Säge“. Da sich in diesem Jahr im Tagesverlauf offensichtlich keiner der Teilnehmer so richtig schräg daneben präsentiert hatte, wurde mit dem Preis ein musikalischer Beitrag bedacht, der vergleichsweise etwas frecher daher kam. Das Duo „Sarah Naiva & Yannic“ bot mit emotionalen und konfrontativ vorgetragenen Texten, begleitet von Westerngitarre und Saxofon, Reibungsfläche.

Den ersten Preis sicherte sich die Gruppe „Ryberski“. Die fünfköpfige Formation aus dem Ruhrgebiet begeisterte Jury und Publikum mit einem groovig-swingigen Funk-Soul-Pop-Mix und launig-charmanten Ansagen. So endete die zwanzigste Ausgabe eines eindrücklichen Festivals, dessen besondere Atmosphäre wieder einmal viele glückliche Gesichter hinterließ.


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