Serie „Wir gehen aus“ Für die Familie: Herr von Butterkeks statt Polly Esthers


Osnabrück. Zehn Jahre lang hat er mit Hendrik Vogelsang das Polly Esthers am Domhof geführt – seit einer Woche geht Mesut Ayvaz jetzt einen neuen Weg. Am Freitag vergangener Woche eröffnete er das Herr von Butterkeks in der Augustenburger Straße im Herzen des Katharinenviertels. „Weil ich zum Ende des Jahres im Pollys aufhöre“, verrät Ayvaz.

„Das hat private Gründe – ich möchte aus der Nachtgastronomie raus“, erklärt der 33-Jährige. Mit privaten Gründen meint er seine Frau und seinen sieben Monate alten Sohn Levin. „Das ist keine Entscheidung gegen das Pollys, sondern für die Familie“, betont er. Im Pollys habe er stets bis spätabends oder nachts gearbeitet.

Nun also das „Herr von Butterkeks“, das er alleine führt. Morgens, mittags, nachmittags und abends bietet Ayvaz Essen an. Um 19 oder 19.30 Uhr schließt sein Laden – ganz im Sinne der Familie. Und warum Herr von Butterkeks? „Ich trinke gerne türkischen Tee und esse gerne Butterkekse“, erklärt Ayvaz. „Sieht man ja auch“, sagt der gebürtige Osnabrücker und lacht, als er sich auf den Bauch klopft. Im Grunde genommen sei sein Sohn der Butterkeks – eine Anspielung auf die Faustbäckchen seines Nachwuchses? Dieser erhalte bisher aber nur Muttermilch, beteuert Ayvaz.

Veganes Essen

Schwerpunkt seines Ladens ist gesundes und veganes Essen. „Wir haben nicht viel Essen, aber was wir haben, ist gesund und von guter Qualität“, sagt Ayvaz. Für Veganer hat er fast immer etwas im Angebot. „Ich bin oft in Berlin, und dort ist es gang und gäbe“, erklärt er die Idee für sein Konzept. „Und jetzt wollte ich das mal in Osnabrück probieren.“ Gebe es Fleisch, handele es sich dabei stets um Bio-Ware.

Frühstück gut besucht

Ayvaz’ Konzept geht offenbar auf. „Bisher waren zum Frühstück stets alle Tische voll“, versichert er. Insbesondere Veganer steuerten seinen Laden gezielt an, nachdem sie davon gehört oder gelesen hatten. Am Mittwoch bot er ihnen mittags Hirseauflauf mit Okraschoten.

Klassisches Abendbrot

Auch sein Abendbrot komme gut an. „Von 17 bis 19 Uhr gibt es klassisches Abendbrot – natürlich ebenfalls vegan –, und zwar so, wie man sich das vorstellt“, sagt Ayvaz. Also Brot mit Belag und Gurken etwa. Sämtliche Speisen bereite er frisch in der kleinen Küche zu, versichert er.

Abendveranstaltungen

Wie zu Zeiten des Café Mojo will Ayvaz Veranstaltungen am Abend anbieten: Lesungen, Livemusik und Tangoabend – alle vier bis sechs Wochen. Mitte September soll es die erste Lesung geben, Anfang Oktober den ersten Abend mit Jazzmusik. Voraussichtlich werden die Veranstaltungen kostenlos sein. „Wir lassen dann wohl den Hut rumgehen“, sagt Ayvaz.

Langjährige Erfahrung

Vor zehn Jahren übernahmen Ayvaz und Vogelsang das Polly Esthers. Zuvor hatten die beiden dort als 400-Euro-Kraft gearbeitet. Ayvaz hatte vorab eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolviert und steckte mitten im BWL-Studium. Die Wahl der Räumlichkeiten im ehemaligen Café Mojo und Café Augusta war eher ein Zufall. „Ich war hier Stammgast und fand den Laden schon immer toll“, sagt er. Als zuletzt das Café Augusta schloss, habe er die Gelegenheit ergriffen.

Seine Frau freut sich übrigens nicht nur über mehr Zeit mit ihrem Mann; sie kehrt auch zurück zu ihren Wurzeln: Im Haus gegenüber kam sie zur Welt.


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