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Dauereinsatz nach Jahrhundertregen Feuerwehr Osnabrück hilft in Greven und Münster

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Der sintflutartige Regen von Münster und Umgebung hat auch die Feuerwehr Osnabrück auf den Plan gerufen. Am Mittwoch sprang sie den Kameraden in der westfälischen 280.000-Einwohner-Stadt zur Seite, die seit Montagabend bei zahllosen Einsätzen gegen die verheerenden Folgen des Jahrhundert-Wolkenbruchs kämpfen. Zuvor half sie eine Nacht und einen Tag lang in Greven.

„Feuerwehr Osnabrück ist mit dem Fachzug Hochleistungspumpe in den Kreis Steinfurt unterwegs. Hochwasseralarm“, notierten die heimischen Rettungskräfte kurz und knapp am späten Montagabend auf ihrer Facebook-Seite . 24 Stunden später dann die Details: Fast rund um die Uhr unterstützten hauptamtliche und freiwillige Feuerwehrleute aus Osnabrück die Kameraden im rund 40 Kilometer entfernten Greven . Denn auch die 35.000-Einwohner-Stadt, eine gute Autoviertelstunde nördlich von Münster gelegen, bekam von den heftigsten örtlichen Schauern seit Wetteraufzeichnung mächtig etwas ab .

Alarmiert durch die Katastrophenschutz-Stäbe, waren Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr Neustadt am Montag gegen 22 Uhr mit 22 Mann dorthin ausgerückt. An zwei Stellen postierten sie eine mitgebrachte Hochleistungspumpe. Dieses sündteure Spezialgerät vom Typ Hytrans, über das in Niedersachsen nur drei weitere Feuerwehren verfügen, fördert unter Volllast viele Tausend Liter Wasser pro Minute. In der Regel dient es dazu, Löschwasser über größere Strecken zu transportieren. Diesmal stellte die Super-Pumpe ihre Saugkraft unter anderen Vorzeichen unter Beweis. In Greven lief sie 17 Stunden am Stück – und pumpte somit schätzungsweise acht Millionen Liter Wasser ab.

Pumpwerk überflutet

Erste Einsatzstelle: das überflutete zentrale Pumpwerk in Greven. „Normalerweise sorgt es mit drei Pumpen für eine schnelle Weiterleitung von Regenwasser“, berichtet Feuerwehrsprecher Jan Südmersen, „nur ist das Pumpwerk diesmal selber Opfer des schnell ansteigenden Wasserpegels geworden.“ Ein Ausfall hätte dramatische Folgen für die ohnehin angespannte Situation in der Innenstadt gehabt. Zusammen mit dem THW Rheine und der Feuerwehr Emsdetten sorgten die Osnabrücker dafür, dass das Wasser nicht weiter anstieg – und am Ende sogar zurückging. „Mit einer Pumpleistung von 19.000 Litern pro Minute konnte der Pegel nicht nur gehalten werden, sondern nach zwölf Stunden so weit gesenkt, dass eine Reparatur von zwei Pumpen möglich war.“

Zweite Einsatzstelle: ein Gebäudekomplex mit mehreren Hundert Wohnungen, keine 500 Meter vom Pumpwerk entfernt. Dort waren große Teile des Kellergeschosses und einer Tiefgarage überflutet. „Das Wasser stand bis Oberkante Unterlippe“, sagte Südmersen unserer Zeitung, „Dutzende Autos waren abgesoffen, die Menschen waren verzweifelt.“ Gemeinsam mit Kameraden der Feuerwehr Lienen pumpten die Osnabrücker auch diese Grube leer.

Osnabrück gewappnet?

Am Mittwoch dann der dritte Hilfseinsatz im Zusammenhang mit dem Unwetter – diesmal in Münster selbst . Von morgens bis spätnachmittags pumpten 14 Mann der Berufsfeuerwehr Osnabrück und der Freiwilligen Feuerwehren Neustadt und Sutthausen den vollgelaufenen Keller einer Schule im Stadtteil Kinderhaus aus.

Von unserer Zeitung um eine Einordnung der aktuellen Hilfseinsätze gebeten, erinnerte der Feuerwehrsprecher zunächst an eine ähnlich große Aktion der Osnabrücker in Mülheim/Ruhr, wo Pfingsten ein Unwetter getobt und schlimmen Schaden angerichtet hatte. Dann sagte er: „Eine derartige Häufung solcher Einsätze hatten wir in den letzten 20, 30 Jahren nicht.“ Die Aufarbeitung der jetzigen Einsätze werde deshalb sicher auch die Frage beinhalten, ob Osnabrück für ein Unglück dieses Ausmaßes gewappnet wäre.


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