Serie Stadtteilkultur (13): Im Stadtteil Widukindland gibt es wenig Kultur

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Osnabrück. Ein Funkturm, eine Bahnlinie, Schrebergärten und eine dichte Siedlungsbebauung an Straßen mit merkwürdigen Namen – das ist der Osnabrücker Stadtteil Widukindland. Wer hier Kultur erleben will, muss diesen Begriff weit fassen:

Ein Flohmarkt auf dem Schulhof der Grundschule, ein Pfarrfest in der Timotheusgemeinde oder ein Boule-Turnier auf dem Bouleplatz im Zentrum des Stadtteils, viel mehr kann der Bürger vor Ort nicht erleben.

Es ist eben ein Viertel, das vorrangig zum Wohnen errichtet wurde, und zwar während der NS-Zeit. Ein Teil der Gemarkung Schinkel wurde in den 1930er-Jahren zum Siedlungsgebiet Widukindland umformuliert, benannt nach dem Sachsenherzog Wittekind. Kleine Häuschen mit großen Grundstücken zur Selbstversorgung mit Früchten, Gemüse und Fleisch wurden hier vorgehalten.

Den Zeitgeist spiegeln Straßennamen wie „Kameradschaftsweg“, „Vaterlandsweg“ und „Heimatweg“ wieder. Immerhin gab es bis im vergangenen Jahr das sogenannte JuKWidu , eine Art Stadtteilzentrum. In einem bunt bemalten Gebäude war der Treffpunkt für Jung und Alt untergebracht, der vor 12 Jahren von dem Verein „Jugend und Kultur im Widukindland“ errichtet worden war. Doch der Mangel an Engagement sorgte letztendlich dafür, dass der Treff seine Tore wieder schließen musste.

Dafür blüht aber eine ganz andere Kultur in diesem Viertel – im wahrsten Sinne des Wortes: Große Flächen des Widukindlands nördlich der Bahnlinie werden als Schrebergärten genutzt. Hier wie im gesamten Viertel macht sich ein Trend bemerkbar: die Verjüngung der Bevölkerung. Sowohl in den Häusern als auch in den Schrebergärten trifft man immer häufiger auf junge Leute, oder es sind gar mehrere Generationen vereint, die hier ruhig und nah an der Natur leben und entspannen.

Wer nicht rasten und rosten will, wird Mitglied im Sportverein TSV Widukindland. Der bietet ein breit gefächertes Angebot vom Kinderturnen über Badminton bis zum Senioren-Schwimmen. Unter anderem hat der Sportverein die erwähnte Boule-Anlage am Widukindplatz angelegt. Und wer sich für sakrale Architektur interessiert, der sollte sich die Timotheuskirche mit schmalem Turm und achteckigem Messraum aus den 1950ern anschauen, ein Werk des modernen Architekten Max H. Berling, der auch mit dem Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Marienkirche in Osnabrück beauftragt war.


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