Elterninitiativen äußern Sorgen Online-Anmeldung für Osnabrücker Kitas in der Kritik

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So wie hier jedes Paar Gummistiefel sollen auch alle Osnabrücker Kinder schnell einen festen Platz in Krippe, Kita oder Hort finden. Foto: dpaSo wie hier jedes Paar Gummistiefel sollen auch alle Osnabrücker Kinder schnell einen festen Platz in Krippe, Kita oder Hort finden. Foto: dpa

Osnabrück. Das Online-Anmeldeverfahren für Kinderbetreuung in Osnabrück ist noch nicht einmal eingerichtet, da werden erste Bedenken laut. Der Dachverband der Elterninitiativen und anderer freier Träger in Osnabrück (Deos) befürchtet eine Einschränkung der Wahlmöglichkeiten für Eltern und Einrichtungen. „Da wird Anmeldung mit Vergabe verwechselt“, heißt es aus der Jugendverwaltung.

Im Februar hatte der Rat auf Anregung der CDU einstimmig ein Online-Anmeldeverfahren zur Kinderbetreuung beschlossen. Die Verwaltung wurde damit beauftragt, ein geeignetes Konzept zu entwickeln. Die Osnabrücker haben sich dazu bei ihren Nachbarn in Münster und Oldenburg umgeschaut, berichtete Helmut Tolsdorf, Fachdienstleiter im Fachbereich für Kinder, Jugendliche und Familien, auf Anfrage unserer Zeitung.

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In Oldenburg sei im vergangenen Jahr ein Anmeldesystem eingeführt worden, allerdings noch recht „ruckelig“, wie Tolsdorf meint. Sein Fachdienst werde die weitere Entwicklung im Auge behalten, um bei einer möglichen Einführung Fehler zu vermeiden. Immerhin solle das System künftig bei Anmeldungen für alle Formen der Kindertagesbetreuung eingesetzt werden, das sind aktuell mehr als 6000 Plätze.

Tolsdorf kündigte Gespräche mit den freien Trägern an, um das Konzept vorzustellen und zugleich Ängste auszuräumen. Diese Ängste und Bedenken haben der Dachverband der Elterninitiative und einige Einrichtungen mit öffentlichen Briefen an die Verwaltung und Mitglieder des Jugendhilfeausschusses geäußert.

Verlässlich, transparent

Darin sprechen sie sich gegen ein zentrales „Vergabesystem“ aus. Begrüßenswert sei die Einführung einer transparenten und verlässlicheren Vergabe von Betreuungsplätzen. Dabei müssten jedoch die Interessen der Eltern und der Einrichtungen „vordergründig bedient werden oder gewahrt bleiben“.

Unter dem Deos-Dach haben sich überwiegend kleine und individuelle Einrichtungen zusammengefunden. Oft wird eine engere Zusammenarbeit als üblich zwischen den Erzieherinnen und den Eltern vorausgesetzt. Deshalb müssen nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern in das Umfeld passen. Andere Kitas, deren Vermieter das Studentenwerk ist, nehmen bevorzugt Kinder Studierender und Hochschulmitarbeiter auf. Dies alles, so befürchten die Deos-Mitglieder, könne bei einer zentralen Platzvergabe nicht mehr möglich sein.

Es gehe um eine Online-Anmeldung, nicht um eine zentrale Online-Vergabe der Plätze, betont Helmut Tolsdorf. Das neue Verfahren solle die Anmeldung erleichtern und klarer strukturieren. Persönliche Gespräche mit den Erzieherinnen und das Kennenlernen der Einrichtung würden dadurch nicht ersetzt. Im Gegenteil: Für die Eltern sei es sinnvoll, eine Einrichtung zu kennen, ehe sie ihr Kind dort anmeldeten.

Heute meldeten viele Eltern ihre Kinder in fünf und mehr Kitas an, um sicherzugehen, einen Platz zu bekommen. Durch den Ausbau in den vergangenen Jahren könne Osnabrück inzwischen ein breites Angebot machen.

Um wahlloses Anmelden zu verhindern, könnten sich die Eltern künftig für drei Einrichtungen anmelden, wobei sie dabei ihre Prioritäten angeben. Die Entscheidung, ob das Kind aufgenommen werde, liege dann bei der Einrichtung. Sei die Wunsch-Kita auf Platz 1 der elterlichen Rangliste voll, werde die nächste Kita angeschrieben.

Gremien-Diskussion

Die Online-Anmeldung werde vermutlich erst zum Kindergartenjahr 2016/17 kommen können, erläuterte Tolsdorf. Die Anmeldungen für das Kita-Jahr erfolgten in der Regel im Januar und Februar. Nach den späten Sommerferien in diesem Jahr könnte der Vorschlag der Verwaltung nicht so schnell in den Gremien verabschiedet werden.

Helmut Tolsdorf kann dem übrigens durchaus auch Gutes abgewinnen: Bis dahin hätten die anderen Städte Fehler gemacht und erkannt, die Osnabrück dann vermeiden könnte.


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