Vom Umgang mit Konflikten Jahrestag der Deutschen Stiftung Mediation in Osnabrück

Von Jann Weber


Osnabrück. Ein neuer Umgang mit Konflikten: Ausgebildete Mediatoren helfen Streitenden, miteinander ins Gespräch zu kommen, eigene Lösungen und ihren Frieden zu finden. Die Wahl der Deutschen Stiftung Mediation für den Ort ihres zweiten Jahrestages war auf Osnabrück gefallen. Im dortigen Rathaus drehte sich am vergangenen Samstag alles um die Streitkultur.

Was hat die Erfindung des Sicherheitsgurtes mit der Mediation gemeinsam? Die Hamburger Mediatorin Angela Kaschewski – eine der Referentinnen – kam zu überraschenden Vergleichen. Jahre hatte es gedauert, bis Autofahrer den Sicherheitsgurt akzeptierten. Zu sehr erinnerte er sie schon bei Beginn der Fahrt an die Möglichkeit eines Unfalls – und sie schnallten sich lieber gar nicht erst an. Angela Kaschweski sieht darin eine Gemeinsamkeit im weitverbreiteten Umgang mit Konflikten: „Man verdrängt das Thema, will sich nicht damit befassen, meint, es nicht zu brauchen.“ Sie spricht von „Angstvermeidung“. So werde leider auch die Lösung vermieden.

Drei Millionen Klagen vor deutschen Gerichten pro Jahr stehen bisher nur 7500 Mediationen gegenüber – 0,25 Prozent. Die Deutsche Stiftung für Mediation will auch deshalb für die neue Streitkultur werben, bei der nicht ein Urteil, ein Ja oder Nein, Alles oder Nichts am Ende eines Konflikts stehen. Elisabeth Heister-Neumann, Repräsentantin der Stiftung für Niedersachsen, hatte einen Fall für eine Schau-Mediation mitgebracht, bei der es um eine Kastanienallee geht: Die Stadt wollte die Bäume fällen. Am Tisch saßen der Bürgermeister und der Sprecher einer Bürgerinitiative – und dazwischen der Mediator. Bald ging es nicht mehr um Positionen, sondern um Hintergründe, später um Ideen und schließlich um eine Einigung mit einer langen Liste an Übereinkünften, die die vorherige Frage nach Ja oder Nein eher kurios erscheinen ließ. Alle Seiten hatten gewonnen.

Manche Mediatoren sind Juristen, manche arbeiten mit anderen beruflichen Hintergründen. So fielen den Besuchern die unterschiedlichen Stile auch auf: Während viele Juristen den Schwerpunkt auf Verhandlungen legen, steht bei anderen Mediatoren zunächst eher die Entdeckung von Bedürfnissen im Vordergrund.

Wie Victor Müller, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Mediation feststellte, hat in England eine Mediation Vorrang vor einer Gerichtsverhandlung. Mediatorin Angela Kaschewski wünscht sich eine ähnliche Praxis auch in Deutschland – und möchte eines Tages auch in dieser Hinsicht eine Parallele mit der Geschichte des Sicherheitsgurtes ziehen können , denn der wurde irgendwann Pflicht.

Die Ausstellung der Deutschen Stiftung Mediation im Osnabrücker Rathaus ist bis Samstag, 2. August, geöffnet.