Posttraumatische Belastungsstörungen Uni Osnabrück sucht Teilnehmer für Therapie-Studie

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Etwa die Hälfte aller Menschen in Deutschland erlebt mindestens einmal im Leben ein besonders belastendes Ereignis oder gerät in eine Situation extremer Bedrohung. Einige Betroffene entwickeln dann psychische Probleme. Foto: Colourbox.deEtwa die Hälfte aller Menschen in Deutschland erlebt mindestens einmal im Leben ein besonders belastendes Ereignis oder gerät in eine Situation extremer Bedrohung. Einige Betroffene entwickeln dann psychische Probleme. Foto: Colourbox.de

pm/sst Osnabrück. Posttraumatische Belastungsstörungen betreffen mehr Menschen, als man denkt. In einer klinischen Studie will die Universität Osnabrück eine neue Form der therapeutischen Hilfe nach bedrohlichen Erlebnissen erforschen. Dafür werden Teilnehmer gesucht.

Es handelt sich um ein spezielles Behandlungsangebot der Poliklinischen Psychotherapie-Ambulanz der Universität Osnabrück. Dabei führen besonders geschulte Therapeuten eine sogenannte „traumafokussierte Kognitive Verhaltenstherapie “ durch, wie es in einer Mitteilung heißt. Einer Kognitiven Verhaltenstherapie liegt die Annahme zugrunde, dass Gedanken, Verhalten und Wohlbefinden sich gegenseitig beeinflussen.

Dieses Therapieangebot unter der Leitung von Professor Henning Schöttke findet im Rahmen einer Studie statt, die gemeinsam mit der Trauma-Ambulanz der Universität Münster durchgeführt wird. Betroffene können unter Tel. 0541/969-4753 ab sofort einen Termin für ein Erstgespräch vereinbaren. Dabei wird geprüft, ob eine entsprechende Behandlung angezeigt ist. Betroffene müssen volljährig sein. Die Behandlungskosten für die Therapie werden nach Angaben der Universität Osnabrück von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Jeder Zweite gefährdet

Etwa die Hälfte aller Menschen in Deutschland erlebe mindestens einmal im Leben ein besonders belastendes Ereignis oder gerät in eine Situation extremer Bedrohung, heißt es in der Mitteilung weiter. Einige Betroffene entwickelten dann psychische Folgeprobleme – beispielsweise ungewollte Erinnerungen an das Trauma, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit oder Schlafstörungen, Unkonzentriertheit oder auch Schuldgefühle.

Meistens würden die Symptome unmittelbar im Anschluss an das traumatische Ereignis auftreten, aber spätestens im Laufe eines Jahres von allein verschwinden. „Erholen sich die Betroffenen nicht, haben sie wahrscheinlich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt“, erklärt Diplom-Psychologin Anja Sembill vom Institut für Psychologie.

Typische Beschwerden würden vor allem das ungewollte Wiedererleben in Form sogenannter Flashbacks umfassen: intensive Erinnerungen an Einzelheiten des Traumas. Darüber hinaus könnten starke körperliche Reaktionen oder Gefühlsreaktionen in Situationen auftreten, die dem Trauma ähneln. Mehr und mehr würden solche Situationen dann von den Betroffenen vermieden – bis hin zu einem völligen Rückzug. Viele Patienten fühlten sich „innerlich taub und entfremdet von den Menschen in ihrem Umfeld“, so die Expertin.


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