Vor zwei Jahren eröffnet Osnabrücker Islam-Institut zieht positive Bilanz

Studienplätze am Institut für Islamische Theologie in Osnabrück sind begehrt. Foto: dpaStudienplätze am Institut für Islamische Theologie in Osnabrück sind begehrt. Foto: dpa

Osnabrück. Knapp zwei Jahre nach der Gründung des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück zieht die Hochschule eine positive erste Bilanz. Dass sich die wissenschaftliche Einrichtung etabliert hat, zeigt auch das Vorhaben des islamischen Dachverbands Ditib, künftig in Osnabrück Studentenwohnplätze anzubieten.

„Wir erleben eine sehr große Resonanz auf unsere Angebote“, sagte der stellvertretende Institutsdirektor Rauf Ceylan. Der strukturelle Aufbau des Instituts sei nach vier Semestern fast abgeschlossen. „ Vier von sieben Professuren sind besetzt, drei weitere Verfahren laufen“, so Ceylan. „Die Lehrpläne haben sich bewährt.“ Ebenso das Beiratsmodell, in dem die großen Islamverbände Ditib und Schura Niedersachsen Mitglied sind. „Mit den Verbänden arbeiten wir sehr vertrauensvoll zusammen.“

Etwa 200 Studenten lernen derzeit am Osnabrücker Institut und können dort zwischen den drei Studiengängen Islamische Theologie, Islamische Religion und dem Master-Studiengang Islamische Religionspädagogik wählen. „Es hat sich gezeigt, dass sowohl die Theologie als auch die Religionspädagogik weiblich sind“, sagte Ceylan. „Hier haben wir einen Frauenanteil von knapp 70 Prozent.“

Im Herbst 2012 war in Osnabrück das Institut für Islamische Theologie eröffnet worden, das gemeinsam mit dem Institut in Münster eines von vier islamischen Zentren in Deutschland bildet. Die anderen drei liegen in Tübingen, Frankfurt/Gießen sowie Nürnberg-Erlangen. Ihre Gründung hatte 2010 der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung in Hochschulfragen berät, angesichts von vier Millionen in Deutschland lebenden Muslimen empfohlen.

Allein für die flächendeckende Einführung des islamischen Religionsunterrichts in Deutschland werden nach Angaben des Bundesbildungsministeriums rund 2000 Religionslehrer benötigt. Ceylan wies darauf hin, dass nicht alle Studierenden am Institut Lehrer oder Imam in einer Moscheegemeinde werden wollten. „Deshalb gibt es Pläne, in Osnabrück den Studiengang Soziale Arbeit einzuführen, der dann auch mit Islamischer Theologie kombiniert werden kann“, sagte er. So würden Studierenden weitere berufliche Perspektiven eröffnet, um sozialpädagogisch oder seelsorgerisch etwa in Jugendzentren oder Gefängnissen arbeiten zu können. „Hier stehen wir vor großen Herausforderungen, sehen aber auch gute Chancen für unsere Absolventen“, sagte Ceylan.

Die Ditib hat unterdessen angekündigt, zukünftig in den Städten mit islamischen Zentren Wohnplätze für muslimische Studierende anbieten zu wollen. Auch für Osnabrück gebe es entsprechende Pläne, aber noch kein konkretes Konzept, sagte Ditib-Vorstandsmitglied Bekir Alboga. Man wolle aber kein extra Wohnheimgebäude errichten, sondern Plätze in Wohnungen vermieten. „In Tübingen bieten wir bereits zwei Wohngemeinschaften an und machen damit gute Erfahrungen“, sagte Alboga. Mit ihren Plänen reagiere die Ditib auf zahlreiche Anfrage aus ihren Moscheegemeinden, fügte er hinzu.

Ceylan begrüßte das Vorhaben der Ditib. „Wir freuen uns über diese Ankündigung“, sagte er. „Das macht den Standort Osnabrück noch attraktiver.“ Außerdem zeige es die Wertschätzung des größten Islamverbands in Deutschland für die Arbeit des Instituts.


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