Wie begegnen wir der Energiewende? Hochschule Osnabrück erforscht das Umweltbewusstsein

Sie wollen herausfinden, unter welchen Bedingungen die intelligente Stromversorgung einer Stadt möglich ist: (von links) Ulf Over, Christin Sengstacken, Ralf Tönjes und Volker Lüdemann. Foto: Thomas OsterfeldSie wollen herausfinden, unter welchen Bedingungen die intelligente Stromversorgung einer Stadt möglich ist: (von links) Ulf Over, Christin Sengstacken, Ralf Tönjes und Volker Lüdemann. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Sind wir bereit, unsere Alltagsgewohnheiten der Energiewende anzupassen und natürlich erzeugten Strom nur dann zu nutzen, wenn er gerade in ausreichendem Maß und preiswert verfügbar ist? Eine breit angelegte Studie der Hochschule Osnabrück namens Citygrid will das herausfinden. Ziel des Forschungsprojekts ist die intelligente Energieversorgung einer Stadt.

Strom ist unbegrenzt und jederzeit verfügbar. Daran haben sich die Verbraucher in Deutschland über Jahrzehnte gewöhnt, und diesen Komfort möchte kaum jemand missen. Mit der Energiewende und der verstärkten Nutzung von Wasser, Wind und Sonnenschein zur Stromgewinnung drängt sich allerdings die Frage in den Vordergrund, wie sich Energie möglichst effizient nutzen lässt. Denn die Stromnetze gerade in Ballungsräumen sind nicht ausgelegt für die starken Schwankungen bei Einspeisung und Verbrauch von erneuerbaren Energien.

Verbrauchergemeinschaften

„Strom lässt sich gut transportieren und für alles Mögliche nutzen, aber kaum speichern“, erklärt Ralf Tönjes, Professor an der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik der Hochschule Osnabrück. Deshalb sei es notwendig, Erzeugung und Verbrauch stärker zu synchronisieren. „Es ist denkbar, dass sich Nachbarn oder auch ganze Stadtviertel zukünftig zu Energie-Communities zusammenschließen. Sie speisen selbst erzeugten Strom aus ihren Solar- oder Fotovoltaikanlagen ins Netz ein und stimmen ihren Verbrauch aufeinander ab.“

Das kann etwa so aussehen, dass die Waschmaschine oder der Trockner erst dann selbsttätig anspringt, wenn gerade viel und damit günstiger Strom im Netz vorhanden ist. „Das ist aber erst der Anfang, denn diese Haushaltsgeräte machen noch nicht den Hauptteil des Verbrauchs aus“, sagt Ralf Tönjes. Merkliche Unterschiede gebe es erst, wenn viele Menschen batteriegestützte Fahrräder (Pedelecs) oder Elektrofahrzeuge an der heimischen Steckdose aufladen – und dafür den günstigen Strom nutzen würden.

Online-Umfrage

Über ein spezielles Energie-Management-Gerät sollen Verbraucher künftig den aktuellen oder prognostizierten Strompreis und -verbrauch abrufen können – einfach per Smartphone oder Computer. Diese Technologie berge jedoch Risiken, betont Volker Lüdemann, Wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums Energiewirtschaft und Energierecht. Das Gerät liefere pro Haushalt etwa 30.000 Datensätze jährlich, aus denen sich Rückschlüsse auf Lebensgewohnheiten der Bewohner ziehen lassen. „In Österreich sind die Geräte wegen datenschutzrechtlicher Bedenken gerade wieder zurückgezogen worden“, berichtet Lüdemann. In Deutschland sei die Frage, wie man mit dieser Problematik umgehen soll, ebenfalls offen.

Wirtschaftspsychologe Ulf Over hat die Online-Umfrage zum Forschungsprojekt „Citygrid – Intelligente Energieversorgung einer Stadt“ entwickelt. Im Internet kann zurzeit jeder Bürger anonym Auskunft geben über Gewohnheiten und Bereitschaft zur Umstellung auf einen neuen Umgang mit Energie. Die gestellten Fragen klingen etwa so: Für wie umweltbewusst halte ich mich, meine Nachbarn und meine Freunde? Um zum Umweltschutz beizutragen, drehe ich bewusst die Heizung runter? Verzichte ich auf stromfressende Geräte, spare Wasser, schalte das Licht aus? Lüfte ich stoßweise, kaufe Bio und trenne korrekt den Müll?

Darüber hinaus werden einige persönliche Angaben benötigt. „Wichtig ist die Postleitzahl. Denn wir wollen möglichst aus allen Stadtteilen relevantes Datenmaterial haben, um Aussagen darüber treffen zu können, wo Energie-Communities theoretisch möglich wären“, erklärt Over. Die Stadtwerke in Osnabrück und Münster kooperieren mit der Hochschule und bewerben die Umfrage, bei der es ein iPad zu gewinnen gibt, auf ihren eigenen Internetseiten.

„Die Umfrage ist Teil eines größer angelegten Forschungsprojekts, bei der es um Stromnetze in Ballungszentren und im ländlichen Raum geht, um Übertragungsleitungen und um Speichermöglichkeiten für Energie“, erklärt Volker Lüdemann. Im Herbst sollen erste Ergebnisse vorliegen.


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