Renaissance der bunten Automaten Osnabrück: Mit dem Flipper zurück in die Jugend

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Vom besten Mannesalter zurück in die Jugend – der Flipper macht es für (v.l.) Jörg Molthaupt, Hinnerk Helbrecht, Thomas Pille und Stefan Schülke möglich. Foto: Swaantje HehmannVom besten Mannesalter zurück in die Jugend – der Flipper macht es für (v.l.) Jörg Molthaupt, Hinnerk Helbrecht, Thomas Pille und Stefan Schülke möglich. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Drückende Hitze und Spielautomaten sind nichts, was man gemeinhin mit einer Eissporthalle verbinden würde. Beide Faktoren prägten allerdings am Samstag das Eissportcenter an der Vehrter Landstraße. Dorthin hatte die Osnabrücker Flipper-Liga zum Turnier gebeten, um den diesjährigen „Pins on Ice“-Champion auszuspielen und ein paar Punkte für die Weltrangliste zu vergeben.

Als klassisches Kneipeninventar aus der Mode gekommen, erleben Flipper-Automaten derzeit eine kleine Renaissance: Liebhaber entdecken sie zunehmend als Sportgerät.

Sie sind bunt und verschiedenen Themen gewidmet: Ein Tisch ist ganz im Zeichen von „Herr der Ringe“ gestaltet, ein anderer greift Batman-Motive auf. Und jeder von ihnen hat seine spezifischen Macken und Besonderheiten: „Kein Flipper ist wie der andere“, erklärt Stefan Schülke von der Osnabrücker Flipper-Liga. Auch baugleiche Modelle würden im Rahmen ihrer Nutzung schnell Unterschiede entwickeln: „Da verbiegt sich mal eine Eisenstange, mal lockert sich die Schraube eines Hebels ein wenig“, benennt Schülke die Gründe für ein jeweils individuelles Spielerlebnis.

Insgesamt 19 Automaten karrten die Mitglieder der Osnabrücker Flipper-Liga in die Eissporthalle, von 38 gemeldeten Teilnehmern gingen 34 an den Start. Der Wettkampf ist eine tagesfüllende Angelegenheit und schweißtreibend, professionelles flippern erfordert Körpereinsatz. Die Kontrahenten betonen den sportlichen Aspekt: „Flippern hat wenig mit Glücksspiel zu tun“, sagt Teilnehmer Hendrik Timmermann. Schlüssel zum Erfolg seien vielmehr Gefühl und Taktik: „Man muss sich den Eigenschaften des jeweiligen Tisches anpassen, ein Gespür für das Verhalten des Balles entwickeln und die Regeln des jeweiligen Flippers kennen.“

Schließlich verfügt jeder Flipper über eigene Missionen und Kombinationsmöglichkeiten, mit der sich hohe Punktzahlen erreichen lassen. „Man kann natürlich einfach los spielen und Spaß haben. Bestimmte Reihenfolgen von Treffern können den Erfolg aber beträchtlich vergrößern, dafür muss man dann das Regelwerk des jeweiligen Tisches kennen und umsetzen können“, erläutert Schülke.

Die Teilnehmer des Turniers stammen überwiegend aus einem Umkreis von 200 Kilometern, tatsächlich hat sich rund um den Flipper mittlerweile eine weltweite Community mit Turnieren, Ranglisten und Wettbewerben etabliert. So ist mit Albert Nomden aus dem niederländischen Muntendam beispielsweise die aktuelle Nummer 42 der International Flipper Pinball Association-Weltrangliste vor Ort – am Ende wird er in Osnabrück den ersten Platz belegen. Viele der aktiven Flipper-Fans bewegen sich in einem biographischen Abschnitt, der in Richtung „gestandenes Mannesalter“ weist. Die Begeisterung für das Gerät – häufig eine Rückbesinnung auf Jugenderlebnisse: „Ich war schon als Kind total begeistert und wollte immer einen Tisch bauen“, erinnert sich beispielsweise der 45-jährige Schülke. Später habe er sich der einstigen Leidenschaft erinnert, seit fünf Jahren sammele er nun Flipper-Automaten.


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