Kurzer Zwischenfall am Goethering Pro-Palästina-Kundgebung in der Osnabrücker Innenstadt


Osnabrück. Mit einer Demonstration bekundeten am Nachmittag Hunderte Menschen in der Osnabrücker Innenstadt ihre Solidarität mit Palästina. Vor dem Hintergrund des sich erneut zuspitzenden Konfliktes in Nahost hatten Vertreter des muslimischen Lebens in Osnabrück zu der Kundgebung aufgerufen.

Am Protestzug beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 800 Menschen, die Veranstalter sprachen von bis zu 1500 Demonstranten. Insgesamt verlief die Demonstration friedlich, kurz nach dem Start am Hauptbahnhof gab es allerdings Ausschreitungen: Am Rande der Protestroute hatten sich Unterstützer Israels postiert.

Die Solidaritätskundgebung sei eine politische Demonstration, hatte Organisator Erhat Toka den Teilnehmern am Startpunkt der Route erklärt und zum Verzicht auf religiöse Parolen aufgerufen; auch viele Nicht-Muslime stünden schließlich der Palästina-Politik Israels kritisch gegenüber. Toka betonte zugleich: „Wir sind keine Feinde der Juden und keine Antisemiten, aber Gegner des Zionismus.“

Vom Hauptbahnhof aus zogen die Demonstranten an der Johanniskirche vorbei in die Süsterstraße, über die Kommenderiestraße näherten sie sich dem Ledenhof, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Begleitet von Transparenten mit Aufschriften wie „Keine bedingungslose Solidarität mit Israel“ oder „Du musst kein Moslem sein, du musst nur Mensch sein um für Gaza aufzustehen“ setzte sich der Zug in Bewegung, skandierte dabei Parolen wie „Free Palästina!“ oder „Kindermörder Israel!“

Eine kritische Situation entwickelte sich bereits wenige Meter nach dem Start: An der Kreuzung „Goethering/Heinrich-Heine-Straße“ hatten sich knapp fünfzehn, aus dem linken Spektrum stammende Pro-Israel-Demonstranten versammelt. Neben verbalen Angriffen aus den Reihen der Palästina-Unterstützer kam es auch zu gewalttätigen Übergriffen, verletzt wurde dabei nach Polizeiangaben niemand. Man habe die Situation rasch unter Kontrolle gehabt, wie Einsatzleiter Gerhard Schratz betonte: „Abgesehen davon war die Demo insgesamt friedlich und ruhig, die Veranstalter haben sehr besonnen und vernünftig reagiert.“ Neben dem Zwischenfall habe die Polizei lediglich ein weiteres Mal eingreifen müssen, um eine Fahne mit mutmaßlich verfassungsfeindlichen Symbolen zu konfiszieren.

Die Veranstalter hatten nach dem Zwischenfall am Goethering den gewaltbereiten Demonstranten eine klare Absage erteilt: „Wir dürfen uns nicht provozieren lassen, sondern müssen friedlich für unserer Sache einstehen“, so Toka, der die an der kurzen Auseinandersetzung beteiligten Demonstranten nachdrücklich aufforderte, den Protestzug zu verlassen.

Die Notwendigkeit des Protestes unterstrich Toka auf der Abschluskundgebung am Ledenhof: In der westlichen Öffentlichkeit würde Israel bis heute die Opferrolle zugeschrieben, dass Schicksal der Palästinenser würde weitgehend ignoriert. Dabei sei die Zahl Opfer auf palästinensischer Seite um ein Vielfaches höher als auf israelischer Seite, die Gewalt der israelischen Armee viel effizienter und verheerender als der palästinensische Raketenbeschuss. Besondere Kritik übte Toka an Deutschland und der EU: Beide würden sich durch ihre bedingungslose Unterstützung Israels mitschuldig machen an den Verbrechen gegen die Menschen in Palästina und Gaza. Die israelische Siedlungspolitik sei ein klarer Rechtsbruch, die Zustände in den Palästinensergebieten rechtfertigten Analogien zum Holocaust und zu Konzentrationslagern, so Toka.

Einige Teilnehmer der Demonstration zollten indes der Hitze ihren Tribut: Am Ledenhof kollabierten drei Personen, die nach einer Erstversorgung durch Polizeisanitäter zur weiteren Behandlung in ein Krankenhaus gebracht wurden.


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