Freund und Geschäftspartner Kletterhalle Osnabrück: Von Leidenschaft zur Geschäftsidee

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Osnabrück. Ein gemeinsames Hobby verbindet und kann Freundschaften schaffen. Machen Freunde ihre Leidenschaft zum Beruf, bringt es oft Risiken mit sich. Hält die Kameradschaft das aus, oder geht man zerstritten auseinander? Dass bei Geld die Freundschaft nicht unbedingt aufhören muss, beweisen Michael Pazzini, Thomas Hofer, Andreas Miemietz und Sebastian Visse. Während die begeisterten Kletterer Pazzini und Hofer Ende 2013 zusammen die Kletterhalle „Zenit“ in Osnabrück eröffnet haben, betreiben Miemietz und Visse seit September 2011 erfolgreich das „Observed Label“. Die vier Osnabrücker sind froh, dass sie den riskanten gemeinsamen Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben.

Pazzini (auch Zini genannt) und Hofer haben sich vor fast zehn Jahren durch Freunde kennengelernt. Schnell war klar, dass beide eine Gemeinsamkeit hatten: die Faszination für den Klettersport. „Klettern ist für mich Bewegungsspaß und gleichzeitig eine Herausforderung“, erzählt Pazzini. Nicht nur Kraft, sondern auch Ausdauer und Technik seien beim Klettern gefragt. „Mit diesen drei Komponenten löst man die vorgegebenen Bewegungsrätsel, und jedes Mal ist das ein echtes Erfolgserlebnis“, berichtet der 37-Jährige. Für Hofer spielt auch die soziale Komponente eine wichtige Rolle beim Klettern: „Es ist sehr befriedigend, die Rätsel zusammen als Team zu lösen.“ Auch der Ehrgeiz, den Hofer beim Klettern packt, zeichnet seine Leidenschaft für sein Hobby aus. „Es ist toll, dass man schnell Fortschritte sieht“, erklärt der ehemalige Politikstudent.

Marktlücke entdeckt

Schon vor der Eröffnung der Halle in der Dammstraße 2 spielte der Klettersport bei den beiden nicht nur privat, sondern auch beruflich eine wichtige Rolle. Zini ist gelernter Sportphysiotherapeut und kann eine Fortbildung zum Klettertherapeuten vorweisen. Hofer ist vor acht Jahren zum Klettern gekommen und hat schon als Jugendlicher leichten Alpinismus betrieben. So bestritt er zum Beispiel die 180 Kilometer lange GR-20-Bergwandertour auf Korsika. Außerdem jobbte er als Hochseilgartentrainer und verkaufte Kletter- und Outdoorausrüstung. „Uns ist aufgefallen, dass es in Osnabrück eine Marktlücke gab. Nirgendwo konnte man Klettersport ausüben“, erzählt Zini. Dies wollten die beiden Freunde ändern. Das war im Jahr 2009, und von da an wurde es Ernst: Ein Konzept musste erarbeitet, ein Standort gefunden und die Finanzierung geklärt werden. „Bevor wir wussten, wohin es wirklich geht, gab es auch viele Rückschläge und Unsicherheiten“, sagt Hofer. So habe sich vor allem die Standortsuche zunächst als schwierig erwiesen. Doch seien beide von dem Wunsch angetrieben, etwas Neues auf die Beine zu stellen, was es so noch nicht gab in der Friedensstadt.

Individualität im Vordergrund

Etwas Einzigartiges schaffen und sich von der Masse abheben, ist auch das Ziel von Andreas Miemietz und Sebastian Visse. Mit dem Label „ Observed “ und ihrer Streetwear wollen die beiden Landschaftsarchitekturstudenten ihre Vorstellung von Ästhetik und Individualität präsentieren. Neben T-Shirts, Sweater und Hoodies für Männer und Frauen hat das Label auch Cappies, Rucksäcke und Mützen mit individuellen Schriftzügen und Aufdrucken zu bieten – alles nur in limitierten Auflagen. „Wir designen all unsere Motive selbst“, erzählt Miemietz. Dazu kaufen sie beispielsweise T-Shirt-Rohlinge, die dann mit den Ideen der beiden veredelt werden. „Ich hatte schon als Jugendlicher ein Faible für ausgefallene T-Shirts, die nicht jeder hat“, erinnert sich Miemietz. Um die 100 T-Shirts umfasste irgendwann die Kollektion des 28-Jährigen. Das Motto lautete: Keine Massenware von der Stange. Als es immer schwieriger wurde, originelle Shirts zu finden, fing er an, eigene Entwürfe zu designen. Sein Geschäftspartner und Kommilitone Sebastian Visse hat sich schon früh für Design und Kunst interessiert. „Für mich war es eine Herausforderung, meine Kreativität auf eine Leinwand zu bringen, die man am Körper trägt“, erzählt der 27-Jährige.

Kennengelernt haben sich die Designer im Studium. „Wir haben die meisten Gruppenarbeiten zusammen bestritten und schnell gemerkt, dass wir gut zusammenarbeiten können“, sagt Miemietz. Und auch in Sachen Design und Mode hatten die beiden denselben Geschmack. Seit Herbst 2011 sind die gebürtigen Osnabrücker nicht nur Freunde, sondern auch Geschäftspartner. Zu der Zeit ging nämlich ihr Label online, das sie neben ihrem Studium betreiben. Ihre Designs gibt es im Internet, auf Messen, aber auch in Läden wie dem Kopfüber-Store in Osnabrück zu kaufen. Viele Freunde und Familienmitglieder hätten die beiden dazu ermutigt, sich mit ihren Designs selbstständig zu machen. Und ihre Unterstützung haben die Jungunternehmer bis heute. „Viele Freunde helfen uns zum Beispiel auf Messen. Und die beste Freundin von Sebastians Oma macht für uns Schneiderarbeiten“, erzählt Miemietz. Passend dazu ziert der Schriftzug „Keep your friends close“ (Behalte deine Freunde in deiner Nähe) einige T-Shirts und Mützen des Labels.

Neben Originalität ist den Gründern des Labels auch Nachhaltigkeit und Fairtrade wichtig. „Unsere Sachen bestehen zu 100 Prozent aus Biobaumwolle und unterliegen alle dem Ökostandard“, sagt Miemietz.

Die Arbeit beim Label ist klar geregelt: Während sich Visse um den Versand, das Marketing, die Entwürfe und die Werbung kümmert, erledigt Miemietz die Buchhaltung, den Onlineshop, den Vertrieb und die Schnittmuster. Streit hat es bisher nicht gegeben. „Wir verstehen uns immer noch privat und können gut zusammenarbeiten“, sagt Miemietz. Wenn wichtige Entscheidungen wie neue Muster oder Designs anstehen, wird nur das umgesetzt, was auch beiden gut gefällt. Eines hat die Selbstständigkeit allerdings schon verändert: Die gemeinsame Zeit, die die beiden Freunde verbringen, widmen sie meist ihrer Geschäftsidee.

So geht es auch Zini und Hofer. „Wir unterhalten uns natürlich auch privat viel über die Kletterhalle und die gemeinsame Arbeit“, sagt Hofer. So seien sie vor der Selbstständigkeit nicht die engsten Freunde gewesen, doch beschreiben sie ihre Freundschaft als stabil. Einen großen Krach habe es auch bei ihnen nicht gegeben. „Es ist allerdings eine ganz andere Herausforderung, mit dem anderen so zu kommunizieren, dass man auch bei Problemen weiterhin gut arbeiten kann“, erklärt Zini.

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