Studenten konzipierten Hörspiel [remark] Der moderne Paul Bäumer kämpft in Afghanistan

Beklemmnis zum Hören: Jan Decker und Ursula Führer stellen das Audiostück [remark] vor. Foto: Swaantje HehmannBeklemmnis zum Hören: Jan Decker und Ursula Führer stellen das Audiostück [remark] vor. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. In welchem Krieg würde Paul Bäumer heute kämpfen? Ein Hörspiel versetzt den Helden aus „Im Westen nichts Neues“ nach Afghanistan.

Osnabrück. Und dann halten alle den Atem an. Als der junge Soldat im eigentlich so nüchternen Polizeijargon, aber doch stockend von seinen Erlebnissen im Afghanistan-Krieg erzählt, sind die Zuhörer spürbar betroffen. Dafür muss er gar nicht anwesend sein. Seine Stimme, die von Angriffen und toten Kameraden erzählt, ist im Hörspiel „[remark]“ zu hören, das nun im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum zur Ursendung kam.

17 Studenten der Universität Osnabrück haben es in dem Seminar „Hörspiel nach 1945“ mit Dozent und Autor Jan Decker konzipiert. Die zentrale Figur ist eigentlich Erich Maria Remarque, um dessen Leben es geht. Für ihn und seine Frau Ilse Jutta Zambona haben die Studenten eigene Texte geschrieben. Dazu kommen O-Töne von Tilman Westphalen, Ehrenvorsitzendem und Gründungsmitglied der Remarque-Gesellschaft, und Hartmut Heyl, Pastor und Kabarettist, der Remarque einmal getroffen hat.

Und ebender Soldat, den Ursula Führer, Vorsitzende der Remarque-Gesellschaft, nach der Hörspiel-Aufführung in Anlehnung an Remarques Protagonisten aus „Im Westen nichts Neues“ „einen modernen Paul Bäumer“ nennt. Die jungen Hörspiel-Macher schlagen so schließlich den Bogen vom Schaffen des in Osnabrück geborenen Autors in die heutige Zeit, wo Remarques Kriegsschilderungen immer noch bedrückend aktuell sind.

Führer gab den Anstoß dazu, dass im Seminar ein Hörspiel über Remarque gemacht werden sollte. So sollen sich die oft von auswärts kommenden Studenten mit ihrer Studienstadt und deren Profil als Friedensstadt befassen. Doch auch die Studenten selbst hatten die Idee schon. Sie hätten schon im vergangenen Semester beschlossen, sich mit einer Osnabrücker Persönlichkeit befassen zu wollen, sagt Jan Decker. Da hätten sie schon die Idee gehabt, sich mit Remarque oder dem Maler Friedrich Vordemberge-Gildewart zu beschäftigen.

Dank der Förderung Arbeitsgemeinschaften Literarischer Gesellschaften konnte das Hörspiel professionell produziert werden. Als Sprecher wurden die Schauspieler Oliver Meskendahl und Andrea Casabianchi engagiert. Aufgenommen wurde [remark] im Tonstudio der Musikwissenschaftler in der Universität Osnabrück. „Das Hörspiel ist wegen seiner Montagetechnik interessant“, erklärt Ursula Führer, warum sie gerade dieses Medium für geeignet hält, junge Menschen an Remarque heranzuführen. Jan Decker verweist auf seine Vielschichtigkeit, die es ermögliche, sich einer Figur von verschiedenen Seiten zu nähern, und die der heutigen Zeit entspreche.

Decker, der seit 2013 an der Universität Osnabrück Dozent ist, studierte Germanistik und Philosophie in Hannover und dann am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Dort widmete sich Decker besonders der Dramatik und schrieb einige Theaterstücke. Dieser Schwerpunkt führte ihn zum Hörspiel. 2008 konnte er eine eigene Produktion auf dem Leipziger Hörspielsommer vorstellen und gewann eine Auszeichnung als Bester Autor. Außerdem schreibt er Essays, literaturwissenschaftliche Texte, Lyrik und neben Hörspielen auch Features fürs Radio. Neben Jutta Sauer und Christoph König von der Universität Osnabrück ist Jan Decker drittes Osnabrücker Mitglied des deutschen P.E.N.-Zentrums.

Das Hörspiel [remark] wird an einem noch nicht festgelegten Datum auf OS-Radio gesendet. Außerdem wird es in der kommenden Spielzeit live im Theater Osnabrück aufgeführt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN