Handel noch nicht in der Pflicht Abgabe von Elektroschrott in Osnabrück leicht gemacht

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Wer in einer Großstadt wie Osnabrück Elektroschrott loswerden will, kann das recht einfach erledigen. Selbst die 15 Gartenabfallplätze nehmen ausgediente Handys, Faxgeräte und Bohrmaschinen an. Auf dem Land sind die Wege aber teils so weit, dass der ökologische Nutzen des Recyclings infrage steht, wenn für die Abgabe eines Radios 20 Kilometer zurückgelegt werden müssen. Über solche Herausforderungen beim Recycling von Elektroschrott haben Experten am Donnerstag in Osnabrück diskutiert.

Wichtig sei es vor allem, die Verbraucher über Rückgabemöglichkeiten aufzuklären, sagte André Pohl, Geschäftsleiter des Entsorgungsdienstleisters Hellmann Process Management. Helfen soll die Smartphone-App „eSchrott“. Die Anwendung wird in Kooperation mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelthilfe (DBU)kostenlos angeboten. Bundesweit sind 15.000 Abgabestellen erfasst.

Meist handelt es sich dabei um kommunale Abfallhöfe. Der Handel ist – bislang – nicht in der Pflicht. Zwar bieten etliche Fachmärkte ihren Kunden längst die Rücknahme von alten Geräten an. Doch erst mit der Neuregelung des Elektronikgerätegesetzes in einem Jahr müssen sie voraussichtlich alte Exemplare annehmen, wenn sie neue verkaufen.

Diese Verpflichtung wird von Herstellern wie Miele begrüßt, sagte Michael Köster vom Umweltreferat des Hausgeräteproduzenten aus Gütersloh. Die Übergabe an Verwerter solle jedoch weiterhin über die Kommunen erfolgen: So sei sichergestellt, dass etwa Sozialkaufhäuser mit brauchbaren Geräten versorgt werden.

Osnabrücks Stadtbaurat Frank Otte denkt bereits an ein weitergehendes Bündnis auf lokaler Ebene zwischen Kommune und Handel. Um die Akzeptanz des Recyclings zu steigern, soll Kunden die fachgerechte Entsorgung ihrer Altgeräte zugesichert werden, sagte Otte.

Das Gegenteil geschehe, wenn die Schrottsammler die Geräte wegen ihres hohen Metallgehalts aus dem Sperrmüll herauswühlen. Waschmaschinen etwa bestehen zu 85 bis 90 Prozent aus Metall. Dieser Schrott werde häufig illegal in Entwicklungsländer exportiert und dort unter hoher Gesundheitsgefahr primitiv ausgeschlachtet. „Diese Kette gilt es zu durchbrechen“, sagte Grünen-Umweltpolitikern Dorothea Steiner.

Ein Problem bei der Recyclingkette ist ebenfalls nicht gelöst: Die wiederverwerteten Materialien sind nur selten zertifiziert und damit von zuverlässig hoher Qualität. „Damit können wir nicht garantieren, dass eine Front nach 15 Jahren nicht vergilbt“, sagte Miele-Mann Köster. Das sei mit dem Anspruch teils jahrzehntelanger Garantien nicht vereinbar.

Weitere Nachrichten aus der regionalen Wirtschaft unter www.noz.de/regionale-wirtschaft


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN