Aus Gefallenen werden Menschen Beeindruckende App über Osnabrück im Ersten Weltkrieg

Osnabrück im Weltkrieg. Foto: Stadt OsnabrückOsnabrück im Weltkrieg. Foto: Stadt Osnabrück

Osnabrück. Natürlich könnte man sich auch die BBC-App „The First World War Story“ herunterladen. Unsere Empfehlung zum Thema Erster Weltkrieg wäre aber die App „Osnabrück 1914–1918.“ Das, was das Büro für Friedenskultur zusammen mit der Universität und vielen Partnern auf die Beine gestellt hat, kann sich mehr als nur sehen lassen.

Nein, es ist nicht einfach eine weitere Weltkriegs-App. Sondern ein in monatelanger Arbeit konzipiertes Vorzeigeprojekt, das den Fokus weg von den großen Schlachten des Ersten Weltkrieges zurück auf die Menschen in der Stadt Osnabrück lenkt. Und damit das erzeugt, was beim Betrachten fast aller anderen Apps zum Thema fehlt: Betroffenheit.

Auch technisch beeindruckt die App. Sie nutzt die Möglichkeiten moderner Smartphones und Tabs konsequent. Auch deshalb sollte man den Hinweis ernst nehmen, dass wegen des umfangreichen Audio- und Videomaterials beim Installieren möglichst WLAN zur Verfügung stehen sollte. Hunderte Bilder, über 100 MB an Videos und Audios lädt die App nach. Damit lässt sich das Datenvolumen vieler Mobilfunkverträge arg strapazieren oder auch sprengen.

Aber es lohnt sich. Nicht nur weil durch die mit Unterstützung des Theaters eigens produzierten Videoclips und die liebvoll und dramaturgisch aufwendig vertonten Dokumente „trockene“ Geschichte plötzlich sehr lebendig und erlebbar wird, sondern auch weil die vielen Bilder in hoher Auflösung hinterlegt wurden. Wer hineinzoomt, erlebt, wie aus einer anonymen Gruppe plötzlich Menschen mit Gesichtern, Menschen mit einer Geschichte werden. Natürlich funktioniert die App auf Smartphones, das sinnvollere Gerät ist aber ein Tablett mit größerem Bildschirm.

Kernstück der App ist ein Rundgang durch die Stadt Osnabrück. Zu zwölf Stationen wurden umfangreiche Informationen zusammengestellt. Wer den rund zweistündigen Gang wagt, merkt plötzlich, dass der Krieg nicht nur auf fernen Schlachtfeldern stattfand, sondern eine Stadt veränderte.

Ganz deutlich wird das bei der mit Daten des Historischen Seminars der Universität und der Technik des Fachdienstes Geodaten umgesetzten Karte der Kriegstoten. Durch die biografischen Daten erhalten die 2200 gefallenen Osnabrücker zwar kein Gesicht, aber sie werden zu Menschen, die einen Beruf hatten, die in Straßen und manchmal auch Häusern lebten, die es heute noch gibt.

Im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück können Tablets mit der App ausgeliehen werden.


Die kostenlose App kann aus den App-Stores für Smartphones und Tablets heruntergeladen oder unter www.osnabrueck-weltkrieg1.de eingesehen werden.

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