Umbau im Ausstellungshaus Julia Draganovic will die offene Osnabrücker Kunsthalle


Osnabrück. Die Kunsthalle Osnabrück wird umgebaut. Hinter den Türen laufen Planungen für die Wiedereröffnung. Was sagt Kunsthallenleiterin Julia Draganovic dazu?

Da ist dieses Gefühl wieder, das Gefühl des Respekts. Julia Draganovic ist einige Schritte weit in die Kunsthalle hineingegangen. Sie bleibt stehen und schaut sich um. Die Wandverkleidungen sind entfernt, die Fenster von Klebefolien befreit, Wände und Gewölbe neu gestrichen. Die Wände treten nun weiter zurück, die Gewölbe wirken, als würden sie sich noch höher öffnen. Auf einer Hubbühne steht ein Handwerker, der im Seitenschiff die Decke weißt. Er scheint verloren im weiten Kirchengewölbe zu schweben.

„Das ist ein Riesenraum“

„Das ist einfach ein Riesenraum. Da bekommt man richtig Respekt“, sagt Julia Draganovic und lässt ihren Blick vorbei an Pfeilern hinauf in das Kirchenschiff schweifen. Diese Kunsthalle beeindruckt als Ort der Möglichkeiten – und der Herausforderungen. „Die Kunst muss diesem Raum standhalten, ihn kreieren. Das ist die Herausforderung“, sagt Draganovic.

In der Kunsthalle Osnabrück ist eine Reihe mit Diskussionen zu Themen der Kunst angelaufen. Wie war der erste Abend? Hier finden Sie den Bericht.

Die Kunsthalle öffnen: Damit hat die Kuratorin konsequent begonnen. „24/7“: Unter diesem Motto stand das Ausstellungshaus vom 30. Mai bis zum 6. Juni eine Woche lang rund um die Uhr für jedermann offen. Musik, Performance, Bilder, spontane Aktion, Diskussionen oder Lesungen: Die Besucher machten das Programm. Ab 12. September dreht sich das Blatt. Dann setzt Julia Draganovic ihr erstes Zeichen. Installationskünstler Michael Beutler und Architekt Etienne Descloux sollen die Kunsthalle verwandeln – zum Teil sogar dauerhaft. So wird Michael Beutler einen neuen Empfangstisch im Foyer kreieren, wie Julia Draganovic bestätigt. Aber das kann nicht alles bleiben. Auf Beutler und Descloux wartet ein riesiger Raum.

Wie war eigentlich die Projektwoche „24/7“? Hier lesen Sie die Bilanz.

Handwerker bereiten dem Künstlerduo derzeit die Bühne. Zwischen Foyer und Kreuzgang haben Bauleute die Zwischenwände entfernt. Auch das Forum, zuvor noch dreifach unterteilt, bietet sich nun als ein großer Raum dar. Im Foyer stapeln sich die alten Beleuchtungsträger, daneben stehen die von den Wänden entfernten Holzplatten. In Ecken liegen Aktenstapel. Weiter hinten lehnen an einer Wand Bilderrahmen mit Fotos von Ausstellungseröffnungen lang entschwundener Tage, in denen die Kunsthalle noch zärtlich „DoKi“ genannt wurde.

„Ich möchte einfach mehr Transparenz erzeugen“, begründet Julia Draganovic die große Auf- und Ausräumaktion. Nach ihrer Vorstellung sollen Besucher die Kunsthalle neu wahrnehmen können – mit einer Kunst, die genau jene Durchlässigkeit der Räume und Zonen braucht, die die Kuratorin herstellen lässt. Nach Beutler und Descloux soll das Künstlerkollektiv IRWIN neue Formen der künstlerischen Zusammenarbeit vorführen. Während der Ausstellung wird es in der Kunsthalle mehrere Performances geben. Für 2016 plant Draganovic eine Schau mit dem Künstler und Umweltaktivisten Mel Chin.

Was produziert eigentlich der Künstler Michael Beutler, der in Osnabrück ausstellen wird? Hier lesen Sie mehr über den Shootingstar der Bildhauerei.

Passend zu diesem Programm, das Kunst vor allem als soziales Projekt definiert, stellt die Leiterin der Kunsthalle Weichen in der Budgetplanung. Gerade einmal 80000 Euro pro Jahr beträgt der öffentlich finanzierte Ausstellungsetat. Mit dem Programm „Creative Europe“ kommt weiteres Geld in die Kasse. Für den Zeitraum von 2014 bis 2018 vernetzt sich die Kunsthalle mit Ausstellungshäusern in Irland, Ungarn, England und Finnland. 143000 zusätzliche Euro kommen aus dem EU-Programm – unter der Voraussetzung, dass auch die Kunsthalle die gleiche Summe stellt.

Wie stellt sich Kunsthallen-Leiterin Julia Draganovic ihre Arbeit in der Osnabrücker Kunsthalle vor? Lesen Sie hier das Interview mit der Kuratorin.

„Kommt auf Inhalte an“

„Mich interessiert prozesshafte Kunst. Sie entspricht am besten unserem Lebensgefühl“, sagt Julia Draganovic. Entsprechend umfassend will sie die rund 1500 Quadratmeter Ausstellungsfläche ihres Hauses bespielen. Ob sie doch einmal mit Einbauwänden arbeitet? Das lässt die Kuratorin offen. „Es kommt eben auf die Inhalte an“, sagt sie. Und auf den Besucher, der Kunst nicht statisch, sondern als offenen Prozess erfahren soll. Doch bis dahin ist es noch ein wenig Zeit. Julia Draganovic schaut in die hohen Gewölbe der Kunsthalle. „Das ist schon ein riesiger Raum“, sagt sie wieder und spürt erneut dieses Gefühl, das Gefühl des Respekts.


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