Serie: Architektur in Osnabrück Mensagebäude am Westerberg: Kleines Juwel:


Osnabrück. Entwurf und Bau einer Mensa gleichen in gewisser Hinsicht dem Essen, was dort später mal ausgegeben wird: Wenn es schmeckt, schön angerichtet daherkommt oder gar noch eine eigene Note im Mund entfaltet, wird sich keiner beschweren. In erster Linie soll es aber eines: gegen kleines Geld satt machen. Vom Teller auf den Baukörper geschlossen, gilt: Funktionalität vor Atmosphäre, Nützlichkeit vor Erscheinungsbild.

Dass die Berücksichtigung des einen das andere nicht ausschließt, demonstriert die Mensa am Westerberg: Klar strukturiert nach außen, gut geordnet nach innen und integriert in ein bestehendes Ensemble, präsentiert sich der Neubau als kleines Juwel unter den Mensen. Der Campus zwischen Barbara- und Artilleriestraße ist zwar noch ziemlich jung, seine Bebauung allerdings teils historisch: Überreste der ehemaligen Von-Stein-Kaserne sind die Fixpunkte, an denen sich die weitere Entwicklung des Platzes – direkt neben der Mensa wurde gerade ein neues Hörsaalgebäude eröffnet, ein Bibliotheksgebäude befindet sich noch im Bau – orientiert.

Die Eingliederung in das geschichtsträchtige Ensemble gelingt der im Dezember 2012 eröffneten Mensa : Die vorgegebene Sandsteinoptik der Kasernenbauten führt das helle Verblendmauerwerk fort, mit deren Zugeknöpftheit bricht der zweigeschossige Neubau allerdings. Offenheit und Leichtigkeit verkündet die große, von einem auskragenden Dach überlagerte Fensterfront zur Ostseite, in der eingelassen sich auch der Haupteingang befindet. Dem zurückgesetzten Gebäude vorgelagert ist ein großer, freier Platz mit einigen verstreuten Sitzgelegenheiten und sporadischer Bepflanzung. Der Gesamteindruck vermittelt eine ganz beiläufige und unangestrengte Ordnung, die der Eingangsbereich fortsetzt: Zwei Speisesäle mit insgesamt 1000 Plätzen suggerieren schließlich ein gewisses Maß an Enge und Hektik – davon ist aber wenig zu spüren. Eine ausladende Treppe führt direkt in den ersten Stock, wo die Hauptessensausgabe ist. Unten: eine Café-Lounge, Schließfächer, ein Eltern-Kind-Bereich und Bildschirme, auf denen die Tagesmenüs zu sehen sind.

Die Schönheit des Aufgeräumten und des Übersichtlichen reißt auch im Inneren des Gebäudes nie ab, ordnet sich hier aber insgesamt klar der Funktionalität unter. Die effiziente Bewältigung der Kernaufgabe hat Priorität. Verweilcharakter ist in der Gestaltung der Speisesäle nur bedingt intendiert, kann sich aber abseits der Stoßzeiten durchaus einstellen.

Metropolencharakter

Wertung: 5 von 6 Sternen

Stadtbildcharakter

Wertung: 4 von 6 Sternen

Wohlfühlfaktor

Wertung: 4 von 6 Sternen

Weitere Teile der Serie Architektur in Osnabrück finden Sie auf www.noz.de/Architektur


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