Arbeiten von Hanna von Behr und Katja Staats Ausstellung „Sehnsucht“ im BBK-Kunstquartier

Hanna von Behr vor der Schmetterlings-Installation und Fotos im Kunstquartier. Foto: Michael GründelHanna von Behr vor der Schmetterlings-Installation und Fotos im Kunstquartier. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Den Prosaminiaturen des österreichisch-tschechischen Schriftstellers Michael Stavaricč widmen zwei Künstlerinnen eine Ausstellung im BBK-Kunstquartier.

„Nkaah – Experimente am lebenden Objekt“ nennt Stavaricč die Geschichte eines Wesens, das die Fantasie des Lesers beflügelt. So soll auch die Einbildungskraft der Besucher der Ausstellung „Sehnsucht“ mit Arbeiten von Hanna von Behr und Katja Staats angeregt werden: mit Installationen, Collagen, Fotos und einem Video.

In sechs Stationen gliedert sich die Ausstellung der Künstlerinnen, die sich beim gemeinsamen Studium in Osnabrück kennengelernt haben. Am offensichtlichsten ins Auge fällt die Installation mit dem Titel „Echtzeit“. Denn die Fotografien an der Wand befinden sich hinter einer Wolke aus echten, aber toten Schmetterlingen.

Um ihre künstlerische Visualisierung des Begriffs „Echtzeit“ realisieren zu können, waren Hanna von Behr und Katja Staats nach Buchholz in der Nordheide gefahren. Der dortige Alaris-Schmetterlingspark hatte sich bereit erklärt, den Künstlerinnen exotische Exemplare der mehr als 140 verschiedenen Falter-Arten für ihre Rauminstallation zur Verfügung zu stellen. Dort hängen nun unter anderem echte „Atlasspinner“, die größten Schmetterlinge der Welt, vor den Fotos vom Meer und von den Landschaften, die von Behr aus einem fahrenden Zug fotografierte. Diese Visionen sind ebenso irreal wie die Brandungsbilder, die durch mehrfache Überlagerung verfremdet wurden. Mit den 100 toten, doch wunderschönen Faltern und den Stavaric-Zitaten unten an der Wand, in denen der Wunsch geäußert wird, die Welt besser verstehen zu können, verpassen die Künstlerinnen der Installation die unterschiedlichsten Inhaltsebenen – die nicht entschlüsselt werden müssen. Man kann das Ganze auch rein intuitiv-poetisch auf sich wirken lassen. Bei der Installation „Timeline“ sind genaues Hinsehen und Geduld geradezu Grundvoraussetzung, um die Arbeit erfassen zu können. Was wie das projizierte Dia einer Brandungszone am Meer aussieht, ist die Endlosschleife mehrerer Filmaufnahmen am selben Ort. Wie eine Superzeitlupe wirken die kaum wahrnehmbaren, minimalistischen Veränderungen im Bild.

In einem „Kabinett“ fordern Zeichnungen auf Japan-Papier sowie Skizzen und Texte die Fantasie: Sie beziehen sich auf das Meer, die Farbe Rot, die Fremde und das Reisen im Kopf. Mit weißen Zetteln animieren die Künstlerinnen die Besucher, sich selbst an der Gestaltung des „Kabinetts“ zu beteiligen. Von Behrs Sehnsucht nach dem Meer als unberechenbare Naturgewalt spricht auch aus ihrer Arbeit „Vie Aquatique“, derweil ihre Kollegin Katja Staats absurde „Heimat.Utopien“ entwickelt. Lässt sich ein Leben in einem Karton verwirklichen? Sie bleibt die Antwort natürlich schuldig …

BBK-Kunstquartier (Bierstraße 33): „Sehnsucht“. Installation, Collagen, Zeichnungen, Fotos, Video. Bis 29. August, Di.–Fr. 14–18 Uhr, Sa. 11–16 Uhr. Infos unter www.bbk-osnabrueck.de


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