Stadtteil-Kultur (10) Osnabrücker Weststadt im Wandel

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Blick auf die Katharinenkirche vom Gustav-Heinemann-Platz aus. Foto: Jörn MartensBlick auf die Katharinenkirche vom Gustav-Heinemann-Platz aus. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Die Weststadt ist im Umbruch: Der Stadtteil, dessen Ost-West-Achse sich vom Heger-Tor-Wall bis hinter den Heger Friedhof erstreckt, beherbergt traditionell viele Künstler, Kulturschaffende und Studierende. Herzstück der Weststadt ist das Katharinenviertel: Die Mischung aus historischem Ambiente, vielen Grünflächen, Innenstadtnähe und Ruhe ist attraktiv, Boden und Mietpreise steigen. Ob sich die gewachsenen Strukturen im Viertel gegen die Gentrifizierung behaupten werden, ist offen.

Unmittelbar hinter dem Wall beginnt die Weststadt: Das kulturgeschichtliche Museum steht ebenso auf ihrem Boden wie das Felix-Nussbaum-Haus , ein paar Meter weiter steht das Emma-Theater . Die Universität ist vertreten, neben zwei Kirchen beheimatet das Viertel auch die Synagoge an der Barlage .

Die jüdische Kultur hat in der Weststadt eine lange Tradition: Der Stadtteil war einst Zentrum jüdischen Lebens in Osnabrück, die Nationalsozialisten ließen davon wenig übrig: Im November 1938 brannte die Synagoge, ein Mahnmal erinnert an den ehemaligen Standort. Viele Protagonisten jüdischen Lebens wurden ermordet.

Die heutige Weststadt besticht durch ihre ruhige Atmosphäre: Rund 9000 Menschen leben in einem Viertel, das im Westen häufig den Charakter einer reinen Wohnsiedlung hat. Verkehrsberuhigte Straßen führen bis unmittelbar zur Innenstadt, auf ihrem letzten Abschnitt passieren sie ein echtes Kleinod: Das Katharinenviertel hat die Bombardierungen des Zweiten Weltkrieges weitgehend unbeschadet überstanden, Jugendstilfassaden prägen das Erscheinungsbild, repräsentative Villen und kleine Handwerkerhäuser. „Traditionell war die Bevölkerung hier immer gemischt und Heimat sowohl von Arbeitern als auch von besser Betuchten“, erklärt Manfred Haubrock vom Bürgerverein Katharinenviertel.

Zudem ist die Szene bestimmt von Künstlern und Studenten: „In der Weststadt leben überproportional viele Kreative“, schätzt Manfred Blieffert, der als Künstler und stellvertretender Leiter der Kunst- und Musikschule selbst im Viertel verwurzelt ist. Säulen kreativer Infrastruktur seien beispielsweise die Ateliers in den Martinihöfen oder im Kulturwerk an der Lotter Straße.

Dazwischen laden kleine Kneipen und Cafés ein zu kontemplativen Gesprächen, genauso wie die Grünflächen – beispielsweise der Gustav-Heyne-Platz: „Seitdem dort ein neuer Kinderspielplatz steht, versammelt sich dort bei schönem Wetter das halbe Viertel“, sagt Haubrock.

Dessen Struktur wandele sich indes: „Das Viertel wird attraktiver, die Mieten teurer, die Nachbarschaft exklusiver“, schildert Manfred Haubrock. Es drohe der Verlust der einstigen Vielfalt – zumal angesichts der Luxuswohnhäuser, die auf dem ehemaligen Busdepot am Augustenburger Platz entstehen: „Ich hoffe, dass die Weststadt dadurch nicht ihren Charme verliert“, verweist Blieffert auf entsprechende Befürchtungen.


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