Konzert im Solarlux-Forum Benefiz-Konzert für Giora Feidmans Studenten


Bissendorf. Giora Feidman – ein Fanatiker für Frieden und Toleranz. In der Lutherkirche spielte er auf seiner Klarinette einmal die deutsche, die israelische und die palästinensische Nationalhymne hintereinander und nannte es „ein lecker Gulasch“. Jetzt kommt der weltberühmte Klezmermusiker zu einem Benefizkonzert ins Solarlux-Forum, um Geld für eine Gruppe engagierter Studenten zu sammeln, die zu einem Workshop nach Jerusalem reisen wollen.

„Geld, Geld, Geld, immer das Problem mit dem Geld“, sagt Giora Feidman . So viele wichtige Projekte auf der Welt scheiterten, weil das nötige Geld nicht da sei, meint er. Daher kommt der 78-Jährige jetzt nach Bissendorf, um wenigsten ein Vorhaben mit internationalen Musikstudenten zu realisieren. Mit diesen Studenten hatte er sich in Mainz getroffen, der Stadt, die zusammen mit Worms und Speyer im Mittelalter Hochburg jüdischer Kultur war. Auf hohem Niveau hatte er dort musiziert. „Das war die beste Masterclass meines Lebens“, schwärmt Feidman noch heute. Daher hat er die Studenten eingeladen, nach Jerusalem zu kommen, um dort mit ihm zu arbeiten. Aber: „Die jungen Leute können sich das nicht leisten. Da habe ich mich gefragt: Was kann ich tun?“ Die Lösung soll jetzt das Benefiz-Konzert im Solarlux-Forum sein, in dem die Klezmer-Legende ohne Gage zusammen mit Freunden auftritt.

Er selbst wird von zwei Musikern begleitet, mit denen er sonst die Formation Gitanes Blondes betreibt: Akkordeonist Konstantin Ischenko und Gitarrist Christoph Peters. Darüber hinaus wird aber auch Gabriela Kaufmann auftreten. Sie ist seit Langem mit Giora Feidman befreundet, hatte die Veranstaltung in Mainz in Kooperation mit der dortigen Musikhochschule organisiert und hat selbst eine Band: Klezmers Techter . „Meine Band wird auch in Bissendorf auftreten, und wir haben weitere Freunde eingeladen, unter anderem eine Hackbrettspielerin, einen Saxofonisten aus Jerusalem und Daniel Graumann, einen blinden Klarinettisten aus Melle, der zu Feidmans Meisterschüler avancierte.“

„Wir müssen zusammenkommen, zusammen musizieren, zusammen singen, Deutsche, Juden, Musiker aus aller Welt. Wir sind eine Familie. Nur so können wir ein Statement gegen den Krieg auf der Welt abgeben“, sagt Feidman, der meint, dass schon zu oft der Glaube an unterschiedliche Religionen zu kriegerischen Auseinandersetzungen geführt habe, ob in Irland, in Jugoslawien oder gerade jetzt in Syrien und im Irak.

„Humanität ist die Essenz des Lebens, dafür arbeite ich“, sagt er. Und so setzt er seine Musik als Botschaft ein: „Wir Künstler, egal ob Bildhauer, Tänzer, Schriftsteller, Maler oder Musiker, wir müssen die Menschen mit spiritueller Nahrung füttern, damit die Welt besser wird.“ Dafür ist er nahezu ständig auf Tour. Sein Konzertplan ist schon bis zum Januar 2015 gut gefüllt.

Auf die Frage, ob er denn auch mal Urlaub mache, lacht Giora Feidman herzlich: „Sehen Sie, jeder Job hat seinen Preis. Ich bin Musiker, das ist mein Job. Aber ich bin privilegiert, weil ich meinen Job liebe. Andere Menschen fahren in den Urlaub, um sich wohlzufühlen. Ich fühle mich wohl, wenn ich auf der Bühne stehe. Andererseits haben Sie recht, ich sollte häufiger zu Hause bei meinen drei Kindern sein.“

Dazu wird er im Herbst wieder nicht kommen, unter anderem, weil diverse Auftritte gemeinsam mit Ben Becker auf dem Programm stehen: „Das ist eines der größten Dinge, die ich hier in Deutschland mache“, schwärmt der gebürtige Argentinier. „Zweistimmig“ nennen die beiden das Programm, bei dem Becker Texte aus Paul Celans „Todesfuge“ vorträgt, die Giora Feidman musikalisch umsetzt. Die Verbindung von Schwermut und Menschlichkeit, die aus Celans Gedichten spricht, liegt offenbar genau auf Feidmans Wellenlänge.

„Feidman On Stage With Guests“: 6. Juli, Bissendorf, Solarlux-Forum, 19 Uhr.


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