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Kündigen ein hartes Konzert an: Die-Happy-Sängerin Marta Jandová und Gitarrist Thorsten Mewes „Heute bin ich eine waschechte Europäerin“

Von Tom Bullmann

Abgebrüht und trotzdem spontan: Thorsten Mewes und Marta Jandová von Die Happy. Foto: Uwe LewandowskiAbgebrüht und trotzdem spontan: Thorsten Mewes und Marta Jandová von Die Happy. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Marta Jandová moderiert auf ZDF Neo eine Musiksendung und agiert als Jurorin einer Castingshow. Außerdem ist sie seit 17 Jahren Sängerin der Rockband Die Happy. Heute wird die Band im Rosenhof ihr neues Album „Red Box“ präsentieren. Aus diesem Anlass sprachen wir mit Jandová und Gitarrist Thorsten Mewes über Castingshows, Medien und Vorurteile.

Wie bereitet sich die Band auf eine Tournee vor, wenn die Sängerin ständig auf Achse ist, weil sie im Fernsehen auftritt und in Prag wohnt?

Mewes: Das ist eigentlich kein Problem. Wir haben zunächst ohne Marta instrumental geprobt, haben ausprobiert, wie wir die neuen Stücke live rüberbringen können. Dann haben wir eine vorläufige Setlist zusammengestellt, und Marta kam dazu.

Wird das Publikum viele neue Songs hören?

Mewes: Klar, wir wollen ja das neue Album vorstellen. Also werden sicherlich acht Songs von „Red Box“ gespielt. Der Rest des Sets setzt sich aus Stücken vom „Most Wanted“-Album zusammen, das unsere Fans ja zusammengestellt haben, und aus Songs, auf die wir einfach nur totalen Bock haben.

Jandová: Jedenfalls steht fest, dass das Konzert ziemlich hart wird. Nummern wie „I Am“ fallen auf dieser Tour leider durch das Raster.

Ändert sich für einen Musiker eigentlich etwas, wenn man schon so lange als Rockband auf der Bühne steht?

Mewes: Man wird immer abgebrühter. Demnächst spielen wir unser tausendstes Konzert, und ich spüre, dass mich kaum noch etwas schockieren kann. Diese Routine führt dazu, dass man sich mehr darauf konzentrieren kann, die Musik fetter und druckvoller zu gestalten.

Aber schränkt Routine nicht die Spontaneität ein?

Jandová: Eine Band, die mich als Frontfrau hat, braucht sich über mangelnde Spontaneität keine Sorgen zu machen. Ich bin nämlich ein Chaos-Mensch. Wir wollten mal Pyro-Effekte in unsere Show integrieren. Da hat die Band gesagt: Ne, lass mal, dann ist unsere Sängerin bestimmt nach dem dritten Konzert tot. Als wir mal mit programmierter Lightshow gearbeitet haben, bin ich vielleicht in zwei von zehn Konzerten zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle gewesen, ansonsten habe ich die programmierten Lichtkegel nie getroffen.

Marta, bereiten Sie sich fitnessmäßig auf die Tour vor?Jandová: Nein, grundsätzlich nicht. Deshalb habe ich auch an den ersten drei Konzerttagen unglaubliche Schmerzen und Muskelkater, zum Beispiel in den Waden von Hüpfen und am Arm, mit dem ich das Mikrofon halte. Am Ende der Tour bin ich dann superfit. Das hat sogar Tim Mälzer bemerkt, der mal am Anfang einer Tour meinte, ich hätte „Winkeärmchen“. Hinterher war er erstaunt, wie schnell die Muskulatur dann stramm geworden ist.Marta, Sie leben mittlerweile wieder in der Tschechei. Ändert sich durch die Distanz Ihre Einstellung zu Deutschland?

Jandová: Nun das ist interessant, weil ich Deutschland erst dann geliebt habe, als ich es kennenlernte. Vorher waren mir die Deutschen immer zu laut, zu klug, und sie vermittelten den unangenehmen Eindruck, sich alles kaufen zu können, weil sie so reich sind. Das hat sich schlagartig geändert, als ich hierher gezogen bin. Heute fühle ich mich weder als Tschechin noch als Deutsche, sondern als waschechte Europäerin.

Mewes: Eins steht jedenfalls fest: Die Tschechen sind die intensiveren Biertrinker, und sie haben die bessere Küche. Ich liebe nämlich fette, deftige Kost.

Sie sitzen als Rocksängerin in der Jury einer Castingshow. Warum?

Jandová: Weil Rock in solchen Castingshows meistens nicht stattfindet. Also dachte ich, ich könnte durch meine Entscheidungen und Ratschläge etwas daran ändern. Der Blickwinkel einer Rocksängerin mit 17 Jahren Erfahrung kann für solch eine Sendung nur gut sein. Außerdem ist ja auch Steven Tyler, die Rocksau von Aerosmith, in den USA als Juror bei „American Idol“ eingestiegen. Ich glaube, in diesen Sendungen weht mittlerweile ein anderer Wind. Da werden richtig gute Talente wie Kelly Clarkson oder Leona Lewis entdeckt, die sonst vermutlich keine Chance gehabt hätten.

Die „Bild“-Zeitung titelte kürzlich: Popstars-Jurorin Marta war Putze! Wie gehen Sie denn mit dem Medienrummel um?

Jandová: Damit kann ich gut umgehen, denn es stimmt ja, dass ich mal als Putzfrau gearbeitet habe, auch wenn nicht sechs, sondern nur eineinhalb Jahre. Die deutschen Medien sind bei Weitem nicht so gemein wie beispielsweise die tschechischen. Dort bin ich durch eine harte Boulevard-Schule gegangen. Ich bin, als ich dort Jurorin einer Castingshow war, wochenlang von Fotografen verfolgt worden, und man hat behauptet, ich hätte Sex mit Personen gehabt, die ich überhaupt nicht kenne. Also, wer so etwas überlebt, der wird mit der deutschen Presse kein Problem haben.

Die Happy: heute, 20 Uhr, Rosenhof (Einlass: 19 Uhr). Im Vorprogramm: Alpha Academy. Kartentelefon: 0541/ 9614629.