Drogenszene in Osnabrück Probleme am Salzmarkt: Dezentralisierung der Szene

Von Beate Nakamura

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Die Johannisstraße, aber auch der Salzmarkt sind Treffpunkte für die Osnabrücker Drogenszene. Foto: Gert WestdörpDie Johannisstraße, aber auch der Salzmarkt sind Treffpunkte für die Osnabrücker Drogenszene. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die Situation rund um den Salzmarkt stand im Zentrum der öffentlichen Sitzung des Bürgervereins Neustadt. „Wir haben die Entwicklung dort seit Längerem immer wieder besprochen. Deshalb haben wir zu dieser Sitzung zwei Fachleute eingeladen“, erklärte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Schaper.

Karin Heinrich, Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung, und Alexander Meyer, Einsatzkoordinator bei der Polizeiinspektion Osnabrück, stellten die Situation dar und erläuterten die Maßnahmen, die ihnen jeweils zur Verfügung stehen: Das OS-Team sei durchschnittlich viermal täglich vor Ort, und auch die Polizei fahre regelmäßig Streife, es gebe immer wieder Platzverweise, Ordnungswidrigkeiten und Straftaten würden geahndet, der Drogenhandel gezielt ins Visier genommen.

Die Verschärfung der Entwicklung, die Anwohner ebenso wie Ordnungshüter feststellen, habe verschiedene Ursachen, erklärten die Fachleute: Andere Aufenthaltsplätze rund um den Neumarkt seien derzeit nicht nutzbar, die Versorgung im Landkreis mit Substitutionspraxen sei reduziert worden, und auch der Wegzug des großen Einzelhändlers am Salzmarkt spiele eine Rolle. So habe sich der Platz zu einem Treffpunkt unterschiedlichster Gruppen entwickelt – von verträglichen Obdachlosen bis hin zu verhaltensauffälligen Mehrfachabhängigen, von denen sich Anwohner und Passanten belästigt fühlten. „Sie können uns jederzeit anrufen, wenn Sie etwas beobachten oder etwas vorfällt. Unsere Teams sind für die Lage am Salzmarkt besonders sensibilisiert“, betonten Heinrich und Meyer gleichermaßen.

Ziel müsse eine Dezentralisierung der Szene sein: „Wir gehen derzeit intensiv den Ursachen auf den Grund und entwickeln mit den entsprechenden Fachleuten Lösungsstrategien. Wir reden deshalb mit allen, die die Szene und die Patienten kennen, mit Medizinern, Caritas und Diakonie, aber auch der Kassenärztlichen Vereinigung“, erklärte Karin Heinrich.

Die anwesenden Anwohner und Gewerbetreibenden schilderten ihrerseits ihre Bedrängnis: Die Sorge um die Kinder auf dem Schulweg, die Belästigungen durch den Lärm alkoholisierter Personen, öffentliches Urinieren und aggressives Betteln. „Wir haben auch ein Recht auf ein halbwegs normales Umfeld. Niemand möchte regelmäßig 30 und mehr Betrunkene vor dem Küchenfenster haben“, so Oliver Büker.

Zur Verbesserung der Situation könne eine gemeinsam Wache für Polizei und OS-Team eingerichtet werden, schlug Sabine Backhauß von der Salzmarkt-Apotheke vor. In anderen Städten habe man damit gute Erfahrungen gemacht.

Ein Runder Tisch, bei dem auch die Anwohner ihre Erfahrungen und Vorschläge einbringen können, war eine weitere Forderung aus dem Plenum. „Ich hoffe, Sie nehmen die vielen Eindrücke und Anregungen aus unserem Treffen mit“, schloss Wolfgang Schaper die Diskussion – zumindest für diesen Abend.


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