Grüner Blickfang am Neumarkt Senkrechter Efeu-Garten für das Hasehaus Osnabrück

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Osnabrück. Die Hängenden Gärten von Babylon, sollte es sie jemals wirklich gegeben haben, gehören zu den sieben Weltwundern der Antike. Über 2500 Jahre später hat jetzt auch Osnabrück seine schwebende Botanik: Mit Efeu, hochgezogen wie eine grüne Gardine und wie von Geisterhand an der Wand gehalten, bespielen die Erbauer des Hasehauses am Neumarkt die Südfassade.

Ende vergangener Woche wurde der sogenannte „Senkrechte Garten“ an der Seite zum Kollegienwall angebracht. Für diese in Höhe und Dimension beispiellose Form der Fassadenbegrünung dachten sich die Planer eine Spezialkonstruktion aus.

Diese besteht im Kern aus einem Metallgerüst mit Kübeln. Düngung und Bewässerung der Pflanzen erfolgen vollautomatisch und sensorgesteuert. Der Pflege und Wartung durch Menschen dient eine Art Fahrstuhl, der – bei Nichtgebrauch unsichtbar auf dem Dach verstaut – ansonsten zur Reinigung der übrigen Fronten aus Stein und Glas eingesetzt wird. „Wir wollen, dass die Wand immer grün bleibt – 365 Tage im Jahr“, erklärt Projektentwickler Albrecht Bielke vom Investor Hoff und Partner aus Gronau. Das grüne Gesicht des 20-Millionen-Euro-Baus, im Firmensprech „Vertical Garden“ genannt, lassen sich die Münsterländer einiges kosten. Wie viel genau, bleibt Betriebsgeheimnis. Nur das verrät Bielke: „In der Herstellung ist es teurer als die Natursteinfassade.“

Ökologische Bauweise

Die variantenreiche, dramatische Optik des vom niederländischen Architekten Rob Beerkens entworfenen Hasehauses hat Methode – das Gebäude soll von keiner Seite gleich aussehen. Wer aus Richtung Staatsanwaltschaft, Polizei und Gericht auf das Hochhaus zukommt, dessen Blick wird jetzt von einer grünen Wand angezogen. Doch äußerliche Reize sind nur ein Motiv. Der Senkrechte Garten steht laut Investor „beispielhaft für die ökologisch rücksichtsvolle und nachhaltige Bauweise“ des Hasehauses . Er speichere Wasser, spare Energie, senke die Umgebungstemperatur, reduziere Umgebungslärm, absorbiere Kohlendioxid und isoliere den Baukörper.

Das zur Begrünung benötigte Efeu, wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung auf die Atemwege übrigens zur Arzneipflanze des Jahres 2010 gekürt, wurde bereits im Winter in einer Baumschule gezüchtet. In Aluminiumbehältern wuchs es zu etwa viermal drei Meter großen Stücken heran, die nun entlang eines Netzes von Stahlmatten an der Hauswand ranken. Die Versorgung der Pflanze unterliege einem „ausgeklügelten System“, heißt es bei Hoff und Partner. Der Wasser- und Nährstofftank befinde sich im Keller des Hasehauses. „Einstellungsänderungen können bei Bedarf direkt über das Internet erfolgen.“ Ein Fachunternehmer werde die Anlage rund um die Uhr überwachen, mindestens siebenmal im Jahr in Augenschein nehmen und wucherndes Efeu regelmäßig stutzen.

Restflächen frei

Was die Vermarktung der Nutzflächen im Hasehaus angeht, sind die Investoren mehr als zufrieden. „Der Vertrieb ist dem Zeitplan voraus“, sagte Projektentwickler Bielke unserer Zeitung am Montag auf Nachfrage. „Es sind nur noch wenige Restflächen zwischen 260 und 100 Quadratmeter frei.“ Als Mieter würden weiterhin am ehesten Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwälte „oder andere freie Berufe und Dienstleister“ infrage kommen. Die ersten Einzüge seien für Anfang Oktober vorgesehen.

Für die zuletzt noch verfügbaren Luxuswohnungen in den obersten Etagen des siebenstöckigen Gebäudeteils „Haseturm“ habe sich eine Warteliste gebildet, so Bielke. Für die verbleibende Gastronomiefläche im Erdgeschoss, wo sich vor allem die Restaurantkette L‘Osteria ausbreiten wird, gebe es inzwischen vier Bewerber mit unterschiedlichen Konzepten – von der Kaffeebar bis zur offenen Grillküche. Eine Entscheidung darüber, wer den Zuschlag erhält, soll „in den nächsten drei Monaten“ fallen. Die Namen der Interessenten nannte Bielke nicht.


Das Hasehaus am Ostende des Neumarkts, eingebettet zwischen der Straße Kollegienwall und dem namensgebenden Flüsschen Hase, soll dem zentralen, aber architektonisch-ästhetisch in die Jahre gekommenen Platz der Osnabrücker Innenstadt ein modernes Gesicht geben. Das bis zu sieben Geschosse hohe Gebäude auf dem Gelände des früheren Café Coppenrath ist das Ergebnis eines Investorenwettbewerbs, beim sich Anfang 2011 das Industriebau-Unternehmen Hoff und Partner aus Gronau durchsetzte. Gemeinsam mit dem niederländischen Architekten Rob Beerkens vom Büro MAS aus Hengelo plante es ein Haus, das auf zwei durchgehenden Sockelgeschossen einen turmartigen Kopfbau zum Neumarkt erhält („Haseturm“). Davon abgesetzt wurde ein fünfgeschossiges Gebäude am Kollegienwall konzipiert („Hasewall“). Der viergeschossige Verbindungsbau rückt von der Straßenfront ab und wird mit einer Glasfassade gestaltet. Auffällig sind die schrägen, nach hinten zu kippen scheinenden Außenmauern im oberen Teil des Gebäudes, außerdem die abwechselnd blaue und grüne Verglasung der bodentiefen Fenster sowie die begrünte Ostfassade.

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