Modellversuch von Uni und Kliniken Osnabrück: Familien von Krebskranken einbeziehen

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Über den bundesweit erstmaligen Modellversuch von Universität Osnabrück und Niels-Stensen-Kliniken informierten (von

            
links) Chefarzt Jens Atzpodien, Michael Kamp, Marina Flohre, Pflegedirektorin Schwester Maria Manuela, Projektleiter Hartmut Remmers, Petra Skrzypek-Rother, Schwester Ruth von der Haar und Thomas Lensing. Foto: Pressestelle Universität Osnabrück/Utz LederbogenÜber den bundesweit erstmaligen Modellversuch von Universität Osnabrück und Niels-Stensen-Kliniken informierten (von links) Chefarzt Jens Atzpodien, Michael Kamp, Marina Flohre, Pflegedirektorin Schwester Maria Manuela, Projektleiter Hartmut Remmers, Petra Skrzypek-Rother, Schwester Ruth von der Haar und Thomas Lensing. Foto: Pressestelle Universität Osnabrück/Utz Lederbogen

pm/sst Osnabrück. Familien von Krebskranken sollen künftig von Anfang an in die Pflege des Patienten einbezogen werden. Wie das geht, testen Universität und Niels-Stensen-Kliniken jetzt in einem bundesweit erstmaligen Modellversuch.

„Eine Krebserkrankung betrifft nicht nur den Patienten, sondern auch jene, die ihm nahestehen“, sagt Projektleiter Hartmut Remmers von der Arbeitsgruppe Pflegewissenschaft der Uni Osnabrück. Angehörige könnten psychisch ebenso stark belastet und hilflos sein wie der Erkrankte selbst. Jens Atzpodien, Chefarzt am Franziskus-Hospital Harderberg und Direktor des Zentrums für Onkologie und Hämatologie der Niels-Stensen-Kliniken, glaubt sogar: „Sie können dadurch zu einer zusätzlichen Belastungsquelle der krebskranken Person werden.“

Der Modellversuch soll nun nachweisen, dass eine „familienbezogene Pflege“ von Krebspatienten für sie und ihre Angehörigen eine messbare Entlastung und Zufriedenheit bringt. Geplant ist etwa, im Aufnahmegespräch mit einem Angehörigen familiäre Themen, persönliche Belange und Probleme sowie eventuelle Überforderungen und Ängste verstärkt zur Sprache zu bringen. „Neu sind auch systematisch vorbereitete Entlassungen, die von Anfang an den Blick auf die Situation nach dem Krankenhaus-Aufenthalt richten“, berichtet Schwester Maria Manuela, Pflegedirektorin am Franziskus-Hospital Harderberg. Dabei gehe es auch um die Herausforderungen, die sich durch die Krankheit für unmittelbar Betroffene und ihre familiären Pflegepersonen ergeben. Ermittelt werde, „welchen Informations- und Anleitungsbedarf sie konkret haben“. Mit anderen Worten: was sie wissen müssen und an Hilfe benötigen, um die Situation zu meistern. Auf Wunsch würden in die häusliche Pflege auch der Sozialdienst oder weitere Experten zur psychologischen Betreuung eingebunden.

Positiver Umgang

Die entscheidende Frage, die in dem Modellversuch geklärt werden soll, ist laut Projektleiter Remmers, welche gegenseitigen Erwartungen Betroffene und ihre pflegenden Angehörigen haben, welche Rollen sie sich zuschreiben und wie Überforderungen gemildert oder umgangen werden können. Ziel sei es, eine Systematik zu entwickeln, „die alle Beteiligten im Krankenhaus, in der Familie und jene aus begleitenden Einrichtungen einbezieht“, wünscht sich Chefarzt Atzpodien. So könne ein „für alle positiver Umgang mit der Krankheit“ erreicht werden.

Am Projekt sind auch zwei onkologische, also auf Krebserkrankungen spezialisierte Schwerpunktpraxen beteiligt. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt über drei Jahre mit insgesamt 250.000 Euro.


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