Prozess vor Landgericht Osnabrück Hat Bad Essener Heimkinder jahrelang missbraucht?

Von Heiko Kluge

Seit gestern muss sich ein 39-jähriger Mann wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Symbolfoto: dpaSeit gestern muss sich ein 39-jähriger Mann wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Seit Dienstag muss sich ein 39-jähriger Mann unter anderem wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Ihm wird vorgeworfen, als Heimleiter einer Jugendhilfeeinrichtung in Bad Essen über Jahre hinweg ein Kind sowie einen Jugendlichen missbraucht zu haben.

Insgesamt 68 Tatvorwürfe umfasst die Anklageschrift gegen den Mann. Der 39-Jährige war Hausleiter einer Jugendhilfeeinrichtung in Bad Essen und lebte zusammen mit der von ihm betreuten achtköpfigen Gruppe in Bad Essen. Dort und an anderen Orten soll der Angeklagte sich ab März 2006 bis Januar 2011 an zweien der ihm anvertrauten Kindern beziehungsweise Jugendlichen vergangen haben.

Die Mehrheit der angeklagten Straftaten bezieht sich auf einen 1997 geborenen Jungen, den der heute 39-Jährige mehrfach und über einen längeren Zeitraum sexuell missbraucht haben soll. Zunächst soll sich der Junge der Anklage zufolge geweigert haben, sexuelle Handlungen an dem Mann vorzunehmen. Der Angeklagte soll das Kind daraufhin in das Zimmer zweier anderer Bewohner der Wohngruppe gebracht und die Jugendlichen aufgefordert haben, sie sollten sich „um den Jungen kümmern“. Die beiden hätten dies als Aufforderung aufgefasst, den Jungen zu verprügeln. Nach dieser Behandlung soll sich der Junge den sexuellen Wünschen des 39-Jährigen gefügt haben.

Neben diesem Komplex wird dem Heimleiter auch vorgeworfen, einen weiteren Jugendlichen in sexuellen Posen fotografiert und ihm dafür Geld gezahlt zu haben.

Zum Prozessbeginn kündigte der 39-Jährige an, er wolle eine „volle, wahrheitsgemäße Aussage“ machen. Die Vernehmung des Angeklagten sowie der Geschädigten fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Verfahren wird am 30. Juni fortgesetzt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN