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Gehalt bis zur Rente Klinikum Osnabrück muss Arzt satte Abfindung zahlen

Das Klinikum aus der Luft. Die Geschäftsführung hat mit dem zu Unrecht entlassenen Oberarzt eine Einigung erzielt. Foto: Gert WestdörpDas Klinikum aus der Luft. Die Geschäftsführung hat mit dem zu Unrecht entlassenen Oberarzt eine Einigung erzielt. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Der Streit zwischen dem zu Unrecht entlassenen Oberarzt Clemens Diessel und dem Klinikum Osnabrück ist beigelegt. Der Arzt kehrt nicht in den Dienst zurück, bekommt aber sein volles Gehalt und alle bisherigen Nebeneinkünfte bis zum Eintritt ins Rentenalter. Die Abfindungssumme dürfte bei rund 1,7 Millionen Euro brutto liegen.

Das Klinikum beugt sich damit nach einem dreijährigen Streit den finanziellen Forderungen des Oberarztes , dessen eigentliches Ziel die Rückkehr in seinen Job als Leitender und weisungsfreier Arzt der Unfall- und Handchirurgie des Klinikums gewesen war. Doch das Verhältnis zwischen den Parteien ist so zerrüttet, dass das Klinikum eine Rückkehr ausgeschlossen hatte. Diessel sagte am Montag, er hätte lieber weiter gearbeitet und den Steuerzahlern die zusätzlichen Kosten erspart. „Wenn mit der Summe anerkannt ist, dass die Geschäftsführung so nicht mit mir hätte umgehen dürfen, fühle ich mich rehabilitiert“, sagte Diessel. Klinikum-Geschäftsführer Frans Blok äußerte sich „zufrieden und froh“, dass der Streit zu Ende ist. Blok hatte im April ein, wie er sagte, „ganz sachliches Gespräch“ mit Diessel geführt. Danach wechselte das Klinikum den Anwalt aus, der das Kündigungsverfahren gegen den Oberarzt über drei Jahre geführt hatte, und erzielte mit Diessel die außergerichtliche Einigung.

Der Oberarzt ist Mai offiziell ausgeschieden. Er bekommt bis März 2020, wenn er das gesetzliche Rentenalter erreicht, sein volles Monatsentgelt von 18900 Euro brutto, das auch pauschale Entschädigungen für entgangene Einnahmen aus gutachterlichen Tätigkeiten beinhaltet. Das Arbeitsgericht Osnabrück hatte das Klinikum im Februar außerdem verurteilt, Diessel die Gehaltsdifferenzen seit der ersten Kündigung vom Oktober 2011 nachzuzahlen. Über die genaue Summe der Abfindung wollten weder der Arzt noch die Klinik-Geschäftsführung Auskunft geben. Aufgrund der bekannten Zahlen ergibt sich aus allen diesen Forderungen Diessels eine Summe, die bei insgesamt rund 1,7 Millionen Euro brutto liegen dürfte.

Fünf Kündigungen mit unterschiedlichen Begründungen hatte die frühere Klinikum-Geschäftsführung gegen den Oberarzt ausgesprochen. Keine hatte Bestand. Die erste Kündigung vom Oktober 2011 gründete auf dem Vorwurf, Diessel habe sich im Operationssaal verächtlich über den damaligen Geschäftsführer Hansjörg Hermes geäußert. Bei Hermes war damals eine tödliche Krankheit diagnostiziert worden und er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, wie heute bekannt ist. Hermes starb im März dieses Jahres. Diessel hatte die Vorwürfe mit Nachdruck zurückgewiesen, seine volle Rehabilitation und Rückkehr auf seine angestammte Stelle verlangt.


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