Chaos auf dem Neumarkt Polizei Osnabrück kommt mit dem Kassieren kaum nach

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Osnabrück. Der Osnabrücker Neumarkt ist zurzeit eine echte Geldquelle für Vater Staat. „In kürzester Zeit“, so berichtete die Polizei am Mittwoch, baten die Beamten 21 Autofahrer mit je 20 Euro zur Kasse, die die Sperrung ignoriert hatten. Auch viele Fußgänger machen, was sie wollen – was die Bauarbeiter vor arge Probleme stellt, wie Baustellen-Chef Lutz Vorreyer sagte.

Mittwoch, 13.30 Uhr, am Neumarkt . Fußgängerströme ergießen sich im Rhythmus der Ampel über die Baustelle. Die Wege sind durch Hamburger Gitter vorgegeben, aber viele Fußgänger scheren sich nicht darum. Sie wählen den direkten Weg zur Bushaltestelle und blenden einfach aus, dass sie damit die Bahnen der Busse kreuzen. „Das ist manchmal brandgefährlich“, sagt Lutz Vorreyer vom Fachbereich Städtebau, bei dem alle Baustellenfäden zusammenlaufen. Er macht sich Sorgen, dass irgendwann ein unaufmerksamer Fußgänger unter die Räder kommt. Deshalb hat er nachgegeben und die Absperrungen einen Meter zurücksetzen lassen, damit den Fußgängern auf ihren illegalen Wegen mehr Raum bleibt. Aber das schränkt auch die Bewegungsfreiheit auf der Baustelle ein.

Nicht minder ärgerlich sind die Autofahrer, die allen Sperrschildern zum Trotz stumpf den Bussen in den Engpass folgen. Zwischen 13.30 Uhr und 13.45 Uhr zog die Polizei sieben Autofahrer am Grünen Brink aus dem Verkehr und ihnen je 20 Euro aus der Tasche. „Kein schlechter Stundenlohn“, kommentierte Stadtbaurat Frank Otte, der uns über die Baustelle führte.

Beliebte Ausreden

Am Vortag hatte die Polizei 21 Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige gebracht. „In kürzester Zeit“, wie es nach Angaben des Polizeisprechers im Protokoll heißt. Was das in Minuten oder Stunden bedeutet, konnte er nicht sagen. Sicher ist: Die Polizei kann gar nicht schnell genug kassieren. Der Platz ist so knapp, dass maximal zwei fehlgeleitete Autofahrer abgefertigt werden können. In der Zwischenzeit rollt ein halbes Dutzend vorbei. Glück gehabt.

Beliebte Ausreden sind nach den Worten des Polizeisprechers: „Die Schilder sind nicht zu sehen“ oder „Ich bin nur hinter den Bussen hergefahren“. Am beliebtesten aber ist: „Das Navi zeigt mir den Weg.“ Da ist sogar was dran: Die Information, dass der Osnabrücker Neumarkt wegen einer Baustelle vorläufig nicht passierbar ist, ist zwar an die eine zentrale Dateneingabe weitergegeben worden, aber sie erreicht offenbar nicht alle Navi-Nutzer, wie Frank Otte sagt.

Keine Probleme gibt es dagegen jenseits der Hamburger Gitter auf der Baustelle. Die Abbrucharbeiten schreiten planmäßig voran, wie Lutz Vorreyer berichtet. Der frühere unterirdische Zugang zum Textilkaufhaus Wöhrl ist inzwischen freigelegt. Der Baggerführer knabbert mit dem massiven Kneifer die 65 Zentimeter dicken Wände an, pulverisiert den Beton und wickelt den daumendicken Stahl in Knäuel auf, die leicht zu transportieren sind.

Zentimeter-Arbeit

In den nächsten Tagen wird der Tunneldeckel vor dem Landgericht abgetragen. Um die Statik zu wahren, muss die nördliche Tunnelhälfte aufwendig abgestützt werden. Damit später, im zweiten Bauabschnitt ab Anfang 2015, oben die Busse und dann auch Autoverkehr wieder eingeschränkt rollen können, muss im Resttunnel eine Stützwand gesetzt werden. Und zwar zentimetergenau an der richtigen Stelle. Dazu hat das Amt für Geodaten der Stadt den Tunnel exakt vermessen.

„Das Ganze ist eine große logistische Herausforderung“, sagt Lutz Vorreyer. Komplexe Ver- und Entsorgungssysteme müssen abgebrochen und neu verlegt werden, gleichzeitig geht der Abbruch pausenlos weiter. Der Schutt muss weg, das Füllmaterial herangeschafft werden, die Busse müssen pünktlich fahren und die Fußgänger sicher über den Platz geleitet werden. „Es klappt, weil hier ein Superteam zusammenarbeitet“, betont Vorreyer. 45 Leute arbeiten zurzeit zeitgleich auf der Baustelle.

Eine Aussichtsplattform für Baustellen-Touristen, wie vom Stadtrat zunächst erwogen, wird es wohl nicht geben. „Nicht nötig“, meint Vorreyer, denn es gebe keine hohen Bauzäune. Wer sich aus der Ferne ein Bild machen will, kann das bald übers Internet tun. Die Stadt wird nach den Worten von Stadtbaurat Otte am Neumarkt-Carré eine Webcam installieren.


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