Tagung von Uni und Hochschule Osnabrück Technische Assistenz für Wohnen im Alter

Über aktuelle Technologien, wie sie derzeit am Markt erhältlich sind sprach Sven Franz von der Jade Hochschule Oldenburg. Foto: Michael GründelÜber aktuelle Technologien, wie sie derzeit am Markt erhältlich sind sprach Sven Franz von der Jade Hochschule Oldenburg. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Das Roboter die Arbeit von Pflegekräften ersetzen, bleibt vorerst Fiktion. Allerdings existiert mittlerweile eine ganze Bandbreite technischer Assistenzsysteme, die ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Sicherheit auch bei körperlichen Einschränkungen oder Pflegebedürftigkeit gewährleisten können. Den derzeitigen Entwicklungsstand beleuchtete nun eine gemeinsame Tagung von Universität und Hochschule. Zur Sprache kamen dabei nicht nur Chancen, sondern auch Probleme.

„Ambient Assisted Living“ (AAL) könnte man auf Deutsch sinngemäß mit „vom Wohnumfeld unterstütztes Leben“ übersetzen. Der Begriff überschreibt ein Forschungsprojekt der Universitäten Oldenburg, Osnabrück und Vechta. Untersucht wird, wie und mit welchen technischen Maßnahmen das wohnliche Umfeld pflegebedürftiger Menschen als Ressource für Unabhängigkeit, Sicherheit und Lebensqualität genutzt werden kann.

Verfügbar und erprobt sind derzeit neben niederschwelligen Maßnahmen wie barrierefreier Milieugestaltung oder elektrischen Erinnerungshilfen auch komplexe Technologien wie das Telemonitoring für chronische Wunden. Moderne Überwachungs- und Kommunikationstechniken ermöglichen den permanenten Austausch von Pflegebedürftigen und Pflegenden und somit die Chance zur schnellen Intervention.

Das Technik zur Kompensation körperlicher oder kognitiver Defizite beitragen kann, stand kaum zur Debatte unter den Teilnehmern. Problematisch sei vielmehr die Akzeptanz durch die Zielgruppe: Andreas Stallkamp, der als Wohnberater beim Landkreis spezifische Beratungen zur häuslichen Gestaltung anbietet, sprach in einem Vortrag von einer mangelnden Sensibilisierung für das Thema. Pflegebedürftigkeit sei ein erwartbares Lebensereignis, Vorsorge nicht nur finanzieller Art bereits frühzeitig möglich: „Wer mit fünfzig sein Haus renoviert, sollte Stichworte wie Barrierefreiheit ruhig im Hinterkopf haben, auch wenn der Gedanke unangenehm ist.“

Geknüpft an die altersgerechte Gestaltung des eigenen Lebensumfeldes seien noch ungelöste rechtliche und wirtschaftliche Fragen, erläuterte Johannes Grundmann vom Fachgebiet Pflegewissenschaften der Uni: Neben Datenschutz-Aspekten müsse geklärt werden, auf welcher finanziellen Grundlage AAL umgesetzt werden könne: Im deutschen Gesundheitswesen herrsche traditionell die Erwartung „Solidarprinzip vor Eigenfinanzierung“, welche aber für eine Wohnungsgestaltung á la AAL nur bedingt funktionieren könne.

Ein Wohnumfeld zu schaffen, in dem ein Leben gemäß AAL möglich ist, berühre letztlich die Sphäre der Eigenverantwortung, lautete der Tenor der abschließenden Diskussion: „Vor uns liegt unser Altern, eine entsprechende Wohnungsgestaltung ist daher unsere Aufgabe“, so eine Teilnehmerin. Zugleich wurden Grenzen der Technik erörtert: Kein Hilfsmittel könne zwischenmenschlichen Kontakt ersetzen, bei Erkrankungen wie etwa Demenz würde die aktive Nutzung technischer Hilfsmittel im Zuge des Krankheitsfortschritts zudem unmöglich.


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