zuletzt aktualisiert vor

Kunst in allen Ecken Kleines Fest in den Höfen in Osnabrücker Altstadt

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Nicht die idyllischen Gassen, sondern verwunschene Hinterhöfe standen am Freitagabend bei einem Altstadtbummel im Vordergrund. Denn das diesjährige „Kleine Fest in den Höfen“ bot einmal mehr ungewohnte Einblicke jenseits der gewohnten Wege. Das galt nicht nur für so manchen Spielort hinter den historischen Fassaden, sondern auch für die dort auftretenden Künstler.

Im kleinen Biergarten im Innenhof der Lagerhalle klärte etwa die Sängerin und Gitarristin Lizusha Kostyuk als „Die Russin“ musikalisch-komödiantisch über Vorurteile gegenüber ihrem „schönen“ Heimatland auf, wo „Himmel und auch Menschen blau sind“ und das „größte Problem der Frauenüberschuss“ sei, zumal die Männer alle so aussähen wie bei „Bauer sucht Frau“. Eine „echte Russin“ würde deshalb nicht wegen der Papiere einen Deutschen heirateten, sondern aus Liebe - und zwar der zum Geld. Ganz nebenbei brachte Lizusha dem Publikum logopädisch versiert das rollende russische R bei und versicherte, dass ihr Instrument keine Kalaschnikow sei, sondern eine Balalaika, die sich integriert habe.

Echte Akustikgitarren hingegen gab es hinter der Remise nebenan, wo Lokalmatador Fabian von Wegen vor Fachwerkkulisse zum Mitsingen von „Der Himmel und ich und deine Augen sind blau“ animierte. Oder gegenüber auf dem Heger Tor, wo das Akustik-Duo Days of Wine and Roses ein Potpourri aus Eigenkompositionen und Coverversionen bis hin zu Tina Turners „Proud Mary“ zum Besten gab.

Das hatte das kleine Fest in den Höfen im vergangenen Jahr zu bieten.

Unten in der Altstadt lockte derweil Heinz-Erhardt-Imitator Horst Allrutz viele Besucher in den Hinterhof des Stadtgalerie-Cafés. Während im Inneren des Kaffees die Pianistin und Sängerin Monika Mäsker prätentiös, aber im profanen Stil eines Alleinunterhalters das Publikum mit bekannten Mitsing- und Mitsumm-Hits bezauberte.

Ein paar Häuser weiter präsentierten Musical-Studenten im Vorhof des Hauses der Jugend stimmgewaltig und von Keyboard, E-Gitarre und Schlagzeug begleitet Ausschnitte aus der kommenden Deutschland-Premiere von „Edges“. Wer es kontemplativer haben wollte, war beim begnadeten Marimbafon-Spiel von Jemeong Lee im Hof der Superintendentur an der Marienstraße bestens aufgehoben.

Ungleich unruhiger und wortreicher gerieten die Darbietungen des Improvisationstheaters Sportfreunde Haseglück im schmalen, dunklen Seitenhof der Alten Fuhrhalterei und des live zum Quartett mit Gitarren, Akkordeon und Perkussion gewachsenen Songwriter-Duos Jäger& Hipius, das im größeren und helleren Steinwerkshof an der Bierstraße einen gediegenen, mitunter augenzwinkernden Soundtrack lieferte.

Dass es je nach musikalischem und architektonischem Geschmack in vielfacher Hinsicht etwas zu entdecken gab, hatte sich im Laufe des Abends schnell herumgesprochen. Als die verschiedenen Künstler jenseits der Dämmerstunde ihren letzten Auftritt begannen, gab es mancherorts kaum noch ein Durchkommen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN