Gegen Perfektionismus Keramische Arbeiten von Osnabrücker Künstler

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In seinem Atelier: Künstler Volker Johannes Trieb mit neuen Werken, die die Fantasie anregen sollen. Foto: Jörn MartensIn seinem Atelier: Künstler Volker Johannes Trieb mit neuen Werken, die die Fantasie anregen sollen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Zwei Jahre hat der Osnabrücker Künstler Volker-Johannes Trieb an keramischen Wandobjekten und Skulpturen gearbeitet. Das Ergebnis dieses Schaffensprozesses präsentiert er jetzt in seinem Atelier am Sutthauser Bahnhof unter dem Titel „Das Ganze im Fragment“.

Das ist kein normales Atelier: Wer Volker-Johannes Trieb schon einmal an seinem Arbeitsplatz besucht hat, der weiß, dass es sich um einen ganzen Komplex handelt, an dem er agiert und dem er sogar einen speziellen Namen gegeben hat. „Iktomia“ nennt er das Areal legendären Ursprungs, einen mystischen Platz, an dem die Kunst dominiert – eine „Artokratie“, wie er das Herrschaftssystem bezeichnet. Dieser Ort mit dem künstlerisch gestalteten Garten, mit den Werkstätten, den Wohn- und Veranstaltungsräumen bis hin zum eigentlichen Ausstellungssaal und Restaurant wird jetzt von aktuellen Arbeiten Triebs okkupiert.

Zuerst stechen dem Besucher die wandfüllenden Keramikobjekte ins Auge: Ob kreisförmig oder in grobem Rechteck angeordnet, bestehen sie aus vielen Einzelstücken, die sich wie ein Puzzle zu einem Ganzen zusammenfügen. Daher auch der Titel „Das Ganze im Fragment“.

Doch was meint der Künstler? Fügen sich Fragmente zu einem Ganzen? Oder gehören alle Arbeiten zusammen und bleiben trotzdem Teil eines universellen Ganzen? „Jeder kann und soll sich seine eigenen Gedanken machen“, erklärt Trieb, der sein Werk als Statement gegen jegliche Art von Perfektionismus verstanden wissen will. „Vollkommenheit schließt die Fantasie aus. Unvollkommenheit regt sie an“, sagt er.

Bei der Betrachtung der einzelnen Objekte beschleichen einen jedoch Zweifel. Denn Triebs Arbeitsweise, die Art, wie er im Laufe der Jahre seine Formensprache und auch die farbliche Gestaltung seiner Keramiken entwickelte, deutet doch auf einen gewissen Hang zur Perfektion hin. Die weiß-grauen Oberflächen werden bisweilen von einem grün-blauen, wie aufgehauchten transparenten Farbton belebt. Vor allem die großen Wandobjekte gestaltet der Künstler, indem er mit großem Gestus Akzente mit schwarzer Glasur setzt: Hier fährt er mit einem breiten Pinsel über seine Fragmente, dort positioniert er mit einer Art Pipette spiralförmige Drippings, getropfte Punkte. Kleinere Skulpturen setzt er gern in Beziehung zu Naturmaterialien wie unbehandelten Baumscheiben. Kryptische Texte wie „Wir fanden ihn in einer Regennacht“ ersetzen die Titel der Arbeiten.

Um seine Besucher im Sinne des Gesamt-Titels der Ausstellung weiter anzuregen, hat Trieb im großen Ausstellungsraum Buchstaben aus Keramik zu den Sätzen „Das Fragment trägt den Keim der Zeit in sich. Sein Wesen ist Sehnsucht.“ zusammengefügt. „Das habe ich in einem Buch über Religionen gefunden“, sagt Trieb, gleichzeitig beteuernd, dass er es weder mit Religion noch mit Transzendentalem habe. „Aber dass ich mit meinen Objekten Keimzellen schaffe, die über den Raum hinaus, in dem sie gezeigt werden, ihre Wirkung entfalten, finde ich durchaus zutreffend.“

Atelier Trieb (Am Sutthauser Bahnhof 5b): „Das Ganze im Fragment“. Keramische Arbeiten von Volker-Johannes Trieb. 14. Juni (Eröffnung um 18 Uhr, zur Einführung spricht Dr. Sabine Zachgo, Direktorin Botanischer Garten Osnabrück) bis 15. September. Fr. und Mo. 15–18 Uhr, Sa. und So. 12–18 Uhr. Führungen nach Vereinbarung, Kontakt über www.atelier-trieb.de


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