Denkmal für Ebert, Erzberger und Rathenau Haarmanns Entwurf für Osnabrück

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. „Architektur in Osnabrück“: In unserer Serie ein Beitrag zum Denkmal für Friedrich Ebert, Matthias Erzberger und Walther Rathenau.

Osnabrück. Wie abstrakt kann und darf ein Denkmal sein? Die Frage, die im Vorfeld der Errichtung des Berliner Holocaust-Mahnmals kontrovers debattiert wurde, war bereits 1928 in Osnabrück positiv beantwortet worden – mit dem von Justus Haarmann (1884–1968) entworfenen Denkmal für den Reichspräsidenten Friedrich Ebert und die 1921 und 1922 von Rechtsterroristen ermordeten Politiker Matthias Erzberger und Walther Rathenau . Was da an das Ende des Herrenteichwalls gestellt wurde, war kein Monument für Personen, sondern das Manifest für einen Geist – jenen des Bauhauses im Einsatz für die Demokratie.

Denn Haarmann fügte zusammen, was die abstrakte Formensprache des Bauhauses bereitstellte: Kubus, Kreissegment und Quadrat in gegenseitigen Überschneidungen. Vor allem die wie eine Woge nach vorn schießende Kreisform signalisiert, worum es hier geht – Aufbruch, Freiheit, Zukunft. Haarmanns Entwurf passte genau in den Zeitgeist jener abstrakten Denkmäler, die politisch für die Sache der Freiheit Partei nahmen, wie etwa Walter Gropius’ „Denkmal der Märzgefallenen“, 1921/22 in Weimar errichtet.

Die Nationalsozialisten demolierten nicht nur das Denkmal von Bauhaus-Gründer Gropius, den berühmten „Blitz“ von Weimar, sie demontierten 1933 auch umgehend Haarmanns Osnabrücker Denkmal für Ebert, Erzberger und Rathenau. Dabei richtete sich die Zerstörungswut gegen die politische Aussage des Denkmals ebenso wie gegen dessen von den Nazis als „entartet“ gebrandmarkte Formensprache. Erst 1983 beschloss der Rat der Stadt Osnabrück, das seinerzeit vom überparteilichen Bündnis „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ in Auftrag gegebene Denkmal wiederherzustellen . Osnabrück machte damit nicht nur politisch motiviertes Unrecht wieder gut. Mit dem Wiederaufbau gab sich die Stadt auch ein künstlerisch bedeutendes Monument zurück. Haarmanns Entwurf ist kein bisschen provinziell. Das Denkmal wirkt heute als Kind seiner Zeit, allerdings ohne die geringste Patina angesetzt zu haben.

Dabei muss in Kauf genommen werden, dass ausgerechnet ein so qualitätvoller Entwurf am Ende des Herrenteichwalls versteckt zwischen Bäumen steht. Wenige Schritte vom viel befahrenen Erich-Maria-Remarque-Ring ist das ein unerwartet ruhiger Ort, der Muße bietet, sich die Vorzüge dieses Denkmals zu erschließen. Dabei geht es um die Treppenstufen, die das Monument begehbar machen, um das aufgesetzte Dach, das mit der Basisplatte korrespondiert – oder jenen schmalen Steingrad, der aus dem oberen Teil des Monuments eine Kopfkontur macht. Steckt in der ganzen Form nicht die Silhouette einer schreitenden Figur? Haarmanns engagiertes Denkmal erinnert an Kämpfer für die Freiheit – und es ermuntert jeden Betrachter nachdrücklich, selbst ein solcher Kämpfer zu sein.

Metropolenfaktor

Stadtbildfaktor

Wohlfühlfaktor


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN